Gegen einen Link ist sicher nichts einzuwenden, und arte fehlt:klick!
Bundespräsident Horst Köhler griff in seiner Berliner Rede die drängenden Probleme der Bildung und Ausbildung in Deutschland auf. Konnte er darin Impulse geben? Arbeiten Bund und Länder inzwischen effizienter zusammen? Wo sehen Sie die Prioritäten in der Bildungspolitik?
Der Artikel zum Thema:
http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...438392,00.html
Gegen einen Link ist sicher nichts einzuwenden, und arte fehlt:klick!
Den Text der Rede hätte ich schon gern, ehe ich meinen Senf dazu gebe, aber Google gibt noch nichts her.
Der Präsident hat bewiesen, dass die Diskussion in der Öffentlichkeit den Entwicklungen in den Schulen (wieder einmal) hinterherhinkt. Seine Rede war gespickt mit Banalitäten und populistischen Forderungen. In einem Punkt hatte er aber Recht: es fehlt an Geld.
Es wird in Schulgebäuden unterrichtet, die marode und baufällig sind. Klassen mit über dreißig Schülern werden in Räume von 25 qm gepfercht. Dächer sind undicht; Heizungen versagen, der Putz blättert. Bevor man sich den Luxus erlauben kann, über zukunftsweisende pädagogische Konzepte nachzudenken, sollte man lieber einmal das Grundproblem angehen: die Sachaufwandsträger (also die Kommunen) haben nicht ausreichend finanzielle Mittel.
Horst Köhler greift in seiner "Berliner Rede" zu Recht das System Schule an.
Ich sehe Schule als eine institutionalisierte Katastrophe. Ich habe vor kurzem mein zweites Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen und Abstand genommen von der Idee, als Lehrer tätig zu werden. Die Erfahrung mit dem System Schule ist mehr als niederschmetternd. Insbesondere die Schulkultur zwingt Schüler und Lehrer auf eine andere Ebene der Motivation als man sie für einen Ort, an dem gelernt werden soll, voraussetzen sollte. Stichworte wären hier: "Vereinbarkeit Beruf/Familie, Beamtenstatus, Schulabschlüsse missverstanden als Status der eigenen Wertigkeit, Demotivation usw."
Im Bundeshaushalt 1973 war der Bildungsetat doppelt bis dreifach so hoch wie der Sozialhaushalt. Dann beginnt die fröhliche Zeit des Umverteilens.Zitat von vanderwern
Politiker hin oder her. Wo er Recht hat, hat er einfach Recht!
Das Problem ist nur, dass durch das jahrelange Schleifenlassen in Sachen Bildungs- und Familienpolitik mittlerweile so ein Berg an Aufräumarbeiten angewachsen ist, dass man schon gar nicht mehr weiß, wo man ansetzen soll.
Angefangen von Gebäuden - wie das hier auch schon richtig bemerkt wurde. Hier in unserer Umgebung gibt es diverse Städte, wo Kinder in den Billigbauten aus den 70-ern unterrichtet werden. Diese Gebäude sind mittlerweile in z. T. verheerendem Zustand. Sie sind undicht, z. T. verschimmelt oder durch andere schädliche Substanzen verseucht. Es fehlt aber das Geld, um die Gebäude zu sanieren.
Lehrermangel, zu große Klassen, Föderalismus, Konzeptlosigkeit, 16 verschiedene Bildungssysteme, die z. T. nicht zusammen passen bzw. untereinaner nicht anerkannt werden, um nur einige Probleme zu nennen, lassen ein schnelles Handeln gar nicht in dem Maße zu, wie es geboten wäre.
Ich hoffe, Frau Schavan hat mit Blumenkohlohren zugehört! Es wäre nötig.
Mit der Gewichtung des Problems hat der Präsident schon mal recht. Das marode Bildungwesen (von System kann bei dem Chaos nicht die Rede sein) kostet uns die Zukunft.Zitat von sysop
Priorität in der Bildungspolitik muss jetzt sein, abseits von ideologischen Grabenkämpfen der verschieden Schulartverfechter ein bundesweites Qualitätmanagementsystem einzuführen.
Standards festlegen, was ein Kind am Ende des Schuljahres können muss, am Ende des Jahres abprüfen und die Lehrer, die es nicht schaffen, 95 Prozent Ihrer Schüler zum Jahrgangsziel zu bringen, erst in den Schulferien (!) nachschulen und – wenn sie es ein Jahr später immer noch nicht hinbekommen haben - dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. (Beamtete Lehrer können wie die Telekomleute in eine Auffanggesellschaft überführt werden und an die Wirtschaft ausgeliehen werden.)
Damit erreicht man schon mal, das es jedem Lehrer wichtig ist, was ein Schüler lernt und nicht nur einigen.
Dann bitte als nächstes: Kostenlosen Kindergartenbesuch für alle Kinder, ein Kindergartenpflichtjahr für alle Kinder im Jahr vor der Einschulung, auf dem die Kinder auf ein einheitliches Sprach- und Verhaltensniveau gebracht werden. Kosten: Einfach aufhören, das Kindergeld den Eltern zu überweisen und es direkt für Kinder einsetzen.
Der Universitätsbesuch kann gerne ordentlich Geld kosten. Dafür muss es aber Studiendarlehen geben, die man mit Geld und/oder gesellschaftlichem Engagement (ehrenamtliche Arbeit, Kinder kriegen) zurückzahlt.
Exkurs zum Thema Kosten: In Mecklenburg-Vorpommern wurde gerade eine gemeinsame Haupt- und Realschule für alle Kinder der 5. und 6. verpflichtend eingeführt (heißt irgendwie anders, aber darauf läuft es hinaus). Ergebnis: Die Leih-Schulbücher für die 5. Klasse verstauben in diesem Jahr im Gymnasium, während die Regionale Schule schöne neue Bücher für die zusätzlichen Fünftklässler angeschafft hat (gleiche Bücher, nur Folgeauflage).
Mein Apell an alle Schulaktiven und -aktivisten: Vergesst den Streit darüber wer sich mehr kümmern sollte und in welcher Schulform das passiert. Stellt erst mal sicher, dass die, die dafür bezahlt werden, ihren Job gut machen und dafür belohnt werden, wenn sie es tun und sich einen anderen Lebensunterhalt suchen müssen, wenn sie versagen.
http://www.bundespraesident.de/-,2.6...ndespraesi.htmZitat von Leserin
Schule müsste IMHO heutzutage völlig anders aussehen, als unsere größtenteils in den 70ern konzipierten Schulgebäude das zulassen. Eigenständiges Arbeiten der Schüler ist dort mangels Räumen praktisch unmöglich, Lehrer bräuchten einen Arbeitsplatz, an dem man nachmittags auch mal Sprechstunden abhalten kann (gerne dann auch mit gesteigerter Anwesenheitspflicht - wenn man dort tatsächlich arbeiten kann) und Zeit hätte, einzelne Schüler einmal intensiv zu beraten. Doch da fehlt es nicht nur an Geld, sondern auch an Konzepten für eine schlüssige Entwicklung des Systems "Schule". Ich bin mir sicher, dass die Bildungspolitiker der Volksparteien da völlig unterschiedliche Vorstellungen haben - und keine davon orientiert sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen.