Ehemals eine Säule des Mathematik-Unterrrichts an Schulen, heute leicht ins Gerede gekommen: Kopfrechnen halten manche Befürworter des Taschenrechner-Gebrauchs
für verzichtbar im Unterrricht. Aber wie verzichtbar sind solche Fertigkeiten im Alltagsleben? Überhaupt: Wie wichtig ist Kopfrechnen für die Mathematik?
Nee, die Pragmatiker, die Realisten, die Idealisten und die ehemaligen Idealisten also die Desillusionierten sind an den Schulen. Die Theoretiker und Utopisten sowie die Ideologen arbeiten doch nicht "vor Kreide", das ist unter deren Niveau. Die sitzen nämlich in der Lehrerfortbildung, den Qaualitätsagenturen, den Studienseminaren, den Landesinstituten für Schule bzw. Landesschulämtern, bei den Gewerkschaften und Verbänden sowie an den pädagogischen Instituten der Hochschulen. Das Problem ist, dass die "Weggelobten" somit die Vorgaben erarbeiten, die sie selbst nicht einmal umsetzen müssen - geschweige denn könnten.
Sehen Sie, vielleicht ist das Folgende ja auch nur ein nicht verallgemeinerbares Einzelbeispiel:
Ich hatte in den 90igern das "Glück" aus nächster Nähe den "burlesken" Betrieb an einer Gesamtschule in seiner ganzen Slapstickhaftigkeit beobachten zu dürfen.
Die tägliche Vorstellung begann damit, dass die Schüler zum Unterrichtsbeginn um die Lehrer im Klassenraum Nachlaufen spielten, während Letztere mit erhobenem Arm als Ruhezeichen denkmalgleich mindestens 5 Minuten ausharren mussten, bevor ihnen der Arm lahm wurde oder jemand geruhte, ihre Anwesenheit zur Kenntnis zu nehmen.
Die Vorführung endete noch lange nicht damit, dass der Technik- oder Werklehrer im Schneidersitz auf der Werkbank meditierte (sah jedenfalls so aus), während die Schüler mit Feilen und Raspeln auf dem Rasen, auf den sie kletternd durch die Fenster gelangten, heiße Fechtkämpfe veranstalteten, wobei die Feilen gerne zu Bruch gingen.
Da Kolumbusjahr war, (1992)baute man auf dem Schulrasen (fast alle Klassen)aus Tannengrün Wigwams, mehrere Wochen lang, täglich mehrere Stunden.
Gelegentlich beschwerten sich die Anwohner über unerträglichen (dauernden) Lärm. Man bedeutete ihnen, dass sie erstens kinderfeindlich seien und zweitens es zum pädagogischen Auftrag gehöre, den Kindern und Jugendlichen dann Pausenzeiten zu gewähren, wenn sie diese brauchten, feste Pausenzeiten seien nicht zeitgemäß-und-und- und.
Ich erinnere mich gern an die täglichen kostenlosen Theatervorstellungen, die vielleicht nicht generalisierbar sind. Aber erzählen Sie mir bitte nicht, dass für die burlesken Komödien ausschließlich "Theoretiker und Utopisten" außerhalb der Schule verantwortlich seien.
... die ich nicht in Frage stellen will. Spannend ist nun eine Beurteilung im Hinblick auf gesellschaftliche Interessen.
1. Erhalten die Dompteure Schmerzensgeld und muss ihnen die Gesellschaft dankbar sein für die Bewachung von Raubtieren? Und ist die heutige Ganztagsschule ein Qualitätsschub bezüglich des Bewegens im öffentlichen Raum?
2. Sind die sogenannten Lehrer als linksalternative Spinner selbst schuld?
Und natürlich bleibt auch die Frage, ob es heute besser ist, wenn ich fast ausschließlich fleißige Mädchen am Gymnasium sehe, die nicht auf die Idee kommen zu toben oder zu fechten und die Feile nur noch im Nageletui kennen?
Und muss ich zufrieden sein, wenn ich keine Autoritätsprobleme habe, weil das dominierende Gefühl die
Furcht vor Verharzung ist?
Ich bin unsicher.
Nein sicher nicht, weil die "Wahrheit" vermutlich irgendwo in der Mitte liegt. Fleißige Mädchen am Gymnasium sind die andere Seite der Medaille. Und ich frage mich höchstens, wieso die Schulen in früheren Jahrzehnten offensichtlich ohne die beiden von Ihnen und mir wahrgenommenen extremen Gegensätzlichkeiten auskamen.
Beide Extreme werden auch (nicht nur) innerhalb der Schule erzeugt- nicht nur von ein paar linksalternativen Spinnern und von außerhalb der Schule sitzenden Theoretikern.
Meiner Erfahrung nach gibt es mehr als genug Lehrer, die aus Überzeugung oder zur Erhöhung der Gleitfähigkeit auf dem Weg zur Beförderung die erwähnten Tendenzen stützen.
Die erwähnten Tendenzen ließen sich bei den sogenannten 68ern feststellen. Diese verdienten Kollegen sind heute aber so bürgerlich wie die BW-Grünen - und genießen die Altersteilzeit. Allerdings konnte ich auch nie nachvollziehen, wie man einerseits die GEW-Ideologie herunterbeten und andererseits am bösen Gymnasium unterrichten kann - und für die eigenen Kinder war merkwürdigerweise auch keine geeignete Gesamtschule zu finden.
Bei den "nachwachsenden" Kollegen sehe ich fast ausschließlich pragmatisch orientierte Menschenfreunde, bei denen die Sachebene nicht zu kurz kommt. Eine Sonderrolle spielen die Seiten- und Quereinsteiger, von denen viele nicht lange bleiben - und andere aber sich gut einfinden.
Sie haben völlig Recht. Manche Schule hat inzwischen eher den Charakter eine Event-Agentur oder eines Reisebüros.
Nein, das geht NICHT ! Bei uns am Gymnasium (in NRW) ist es aber noch viel schlimmer:
Mathe Klasse 5 bis 8 nur vierstündig.
In Klasse 9 nur noch dreistündig.
Und gleiches gilt auch für die Klasse 10, die als sogenannte "Einführungsphase" (EF) jetzt zur Sek II zählt:
Da ist der Unterricht in Mathe, Deutsch und Englisch in den sogenannten Grund-Kursen per se nur dreistündig.
Bei diesen Stundenzahlen KANN man den Kindern (vor allem den Schwächeren und besonders in Mathematik ) nicht mehr die Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die sie später in der Oberstufe benötigen.
Höchstens noch "Kompetenzen" :-(
Gestern in meinem Physik Grundkurs in der Stufe EF:
2*(s - v*t) = 2s - 2v * 2t = 2s - 4vt.
Das ist die konsequenteste Anwendung des Distributivgesetzes - auch auf ein Produkt.
Mit mehr Übungen (also mehr Stunden) in den Klassen 5,6 und 7 und mit mehr Gefühl für Zahlen durch Kopfrechnen wäre so etwas vermeidbar.
WIE BITTE ??? 4 Tage Woche ??????
Was soll das in NRW werden ???
Wo ist das geplant ???
Wann soll das umgesetzt werden ???
Wo kann man das nachlesen ???
Habe ich den Schuss nicht gehört ???
Bitte erhellen Sie mich .
Nee, noch keine konkrete planung, aber wenn ich die Stundentafel so mancher 8-Klässler sehe, dann kommen mir meine 25,5 Wochenstunden verdammt viel vor.
Ist doch kein Wunder, wenn der gemeine Schüler schlussfolgert, für das bischen Unterricht (3-4 Std. am tag) verlass ich doch mein muckeliges Bett nicht. Der Aufwand lohnt sich nicht wirklich. Damit die Zeugnisse am Ende eines Schuljahres nicht so leer aussehen, wird natürlich kräftig epochal unterrichtet. So schlägt das Fach (z.B. Physik), das mit 2 Wochestunden ganzjährig in der Stundentafel verankert ist, nur mit 1 WS durch. Das spart Lehrerstunden. Im zweiten Halbjahr steht dann Chemie epochal an, und sihe da, auf dem Zeugnis am Ende des Schuljahres tauchen Ch und Ph auf. das ist wie die Speisung der 10.000 bei der Hochzeit zu Kanaan. Wunder gibt es immer wieder ...