Fragile Arbeitsverhältnisse, Terrorgefahr, Klimawandel - die junge Generation ist durch ein Lebensgefühl der Unsicherheit geprägt. Egoismus, und Überempfindlichkeit wird den 20- bis 35-Jährigen vorgeworfen. Sind die Krisenkinder zu angepasst?
Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Krisen. Anpassung ist also lebensnotwendig. Da die meisten Krisen allerdings Menschenwerk sind, stellt das Verhalten der Jüngeren einen Spiegel für die Älteren dar.
Mir sagte neulich ein Jüngerer: "Die 68er sind in den Sesseln der Macht angekommen - nun denken sie an ihre Rente und straffen die Bildung."
Noch passen die Gestraf(t)en sich an.
Und wer prägt dieses Klima? Doch auch stark die Medien! Jede Woche wird daran erinnert, dass 'DER ANSCHLAG' definitiv kommen wird, sterben 150 Leute an einer Grippe, wird gleich die pandemische Apokalypse heraufbeschworen, Jugendliche mit Alkoholvergiftung sind das Symptom des Scheitern unseres Systems, die Finanzkrise wird uns alles rauben (Haus, Auto, Erdbeeren im Supermarkt), eine geringe Wahlbeteiligung bei der Europawahl ist ein 90%iges Indiz für das Ende unserer Demokratie, ein niedriger Milchpreis gefährdet dauerhaft die Sicherung unserer Ernäherung, und so weiter und so fort. Keine Meldung, die nicht zur Panikmache mißbraucht wird, kein noch so unbedeutendes Ereignis, das nicht gleich 134 selbsternannte Experten ins Bild rückt, die alle prophezeien:
- Es wird noch schlimmer
- Nichts wird mehr so sein wie es mal war
- Eigentlich ist gar nichts mehr zu retten
Wer in einem solchen Klima von Angst und Panikmache aufwächst, läuft doch Gefahr irgendwann 'empfindlich und ängstlich' zu werden, denn leider benutzen nicht alle ihre Köpfe, schalten die Panikmache dann und wann ab und sagen sich: Die Menschheit hat schon ganz andere Sachen als Schweinegrippe und Finanzkrise überlebt.
es mag sein, dass wir angepasst erscheinen. aber warum hat das wort angepasst gleich einen so vorwurfsvollen und abwertenden klang. warum müssen wir uns von vorhergehenden generationen dieses wort "angepasst" als vorwurf anhören? wie sollen wir uns denn jetzt richtig orientieren, neue grenzen setzen, wenn uns die grenzen, in die wir hineingeboren wurden, gefallen, wenn wir uns wohl genug in ihnen fühlen und daher nicht lauthals demonstrieren, dass nicht alles wirklich nach unseren vorstellungen geht?
wir leben eine passivität, mit der wir nicht zufrieden sind. aber wir sehen doch auch, dass aufbegehren, demonstrieren seine klaren grenzen hat. ist es denn von bedeutung sich aufzulehnen, wenn man von den vorgängergenerationen nur zu hören bekommt, was man alles falsch macht? dass man sieht, dass die proteste, das "nicht-angepasst-sein" letztendlich nur zu nichts führt, außer dem eindruck, dass unsere generation vielleicht nicht mehr angepasst, aber dafür vorlaut und selbstgerecht ist?
die angepasstheit ist eine möglichkeit unseren weg zu finden, uns zu verwirklichen, auch wenn das auf die "revolutionären" generationen einen schalen eindruck macht.
"Wähntest du etwa,
ich sollte das Leben hassen,
in Wüsten flieh'n,
weil nicht alle Knabenmorgen-
Blütenträume reiften?"
Danke für Ihren interessanten Beitrag. Ich sehe auch viele Jüngere, die sich einrichten. Und man denkt ja auch häufig, dass man kaum neue Lieder singen kann, da schon so viele gesungen wurden. Vielleicht wird auch nur manche Lebensamplitude kleiner - und die der Gedankenwelt größer.
Ach Gottchen, schon wieder die 68er. Gibt's eigentlich auch mal ein anderes Feindbild?
Anscheinend sind die 68er für alles Übel in der Welt verantwortlich, selbst für den Senkspreizfuß einiger Foristen :-).
Wieviel Prozent der Jugendlichen machten diese sagenumwobenen 68er damals eigentlich aus? Ich bezweifle, dass der Prozentsatz gereicht hat, alle Missstände der heutigen Welt damit erklären zu können.