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Ist das Gymnasium noch eine zeitgemäße Schulform?

Nach Pisa standen Ausbildung und Schulformen in Deutschland auf dem Prüfstand und werden bis heute eingehend diskutiert. Ist das althergebrachte Gymansium noch eine zeitgemäße Schulform, oder sollte es im Rahmen einer tiefgreifenden Reform besser ganz abgschafft werden?
  1. #4460

    Zitat von Peter-Freimann Beitrag anzeigen
    Die "Formalität" der strafenden Handlung weist auf den Kern.
    Es kann doch wohl nicht angehen, daß Lehrer Müller, der eigentlich Unterweisungen im Lesen und Schreiben geben soll, sich ständig als Mensch Müller neben seiner Dienstaufgabe noch Privatgedanken machen muß, was er nun mit dem kleinen Schläger anfangen soll.
    Ich gestatte mir als Einwand-Euer Ehren- die Feststellung, dass es mir bis heute nicht gelungen ist, die Rolle des L. Flie als L. von emotionalen Befindlichkeiten des Foristen und Menschen Flie vollständig zu trennen, sondern dass beide sich auf "osmotischem" Wege teilweise gegenseitig zu durchdringen pflegen.
    Mit diesem manchmal durchaus unbefriedigenden Zustand vermag ich mich aber zu versöhnen, seit mir in meinen frühen Berufsjahren ein Kollege, dem diese Trennung von Institution und Mensch vollständig gelungen war, vorführte, zu welch polarhafter Rollenerstarrung Unterrichtsbeamte fähig sein können.
    Anders: Innerhalb der zweifellos derangierten Institution Schule, begreife ich es hin und wieder als Chance, fehlende "Geländer" durch von mir nach meinem Gusto installierte Geländer ersetzen zu können.
  2. #4461

    M. A,

    Zitat von Neurovore Beitrag anzeigen
    ...
    Da fällt doch was auf, fällt da doch (das fett markierte, das isses!)...
    ...
    Und hier noch ein Schamkerl...näää, ein Schmarrnkerl...achwas, ein Schmankerl: Dipl.Vo.&M.A. Andrés Ehmann in farbigen Pixeln wie er gerade einen Gesprächspartner duzt
    An meiner alma mater wusste man schon vor über vierzig Jahren:

    M. A. = Mangels Aussichten.

    Oder, deutlicher:

    M. A. = Mediocre Ansichten.
  3. #4462

    Zitat von Flie Beitrag anzeigen
    Ich gestatte mir als Einwand-Euer Ehren- die Feststellung, dass es mir bis heute nicht gelungen ist, die Rolle des L. Flie als L. von emotionalen Befindlichkeiten des Foristen und Menschen Flie vollständig zu trennen, sondern dass beide sich auf "osmotischem" Wege teilweise gegenseitig zu durchdringen pflegen.
    Pflege hier im Forum nicht lange herumzumerkeln ("ich sage aber auch") oder zu weizsäckern ("zum einen ... zum anderen").
    Denke mal, wenn Ihnen ein Rohrstockklavierlehrer das Kunstlied fachmännisch auf die zarten Finger geklopft hat, daß die persönliche Note, der eigene Stil und Ausdruck sich bei der späteren Performance immer, ganz von selber einstellen MUSS.
    Das Kunstlied kann auch ohne Sie weiterexistieren, wenn das Kunstlied verludert und verschwunden ist, dann ist es allerdings unersetzlich.

    Zitat von Flie Beitrag anzeigen
    Anders: Innerhalb der zweifellos derangierten Institution Schule, begreife ich es hin und wieder als Chance, fehlende "Geländer" durch von mir nach meinem Gusto installierte Geländer ersetzen zu können.
    Beklatsche die tägliche Leistung, all diese mühselige Anstrengung, meine Hochachtung!
    Aber: auch die additive Anstrengung von x Personen nach Ihrem Vorbild kann das Abendland nicht mehr retten, viel wichtiger ist:
    I) überhaupt das Bewußtsein dafür neu zu schaffen, wie segensreich Institutionen sind.
    II) wieder Fenster in die Schule zu Schilda einzubauen und selbiger die Würde einer Institution zurückzugeben.
  4. #4463

    Authentisch-komplementär

    Zitat von Flie Beitrag anzeigen
    Ich gestatte mir als Einwand-Euer Ehren- die Feststellung, dass es mir bis heute nicht gelungen ist, die Rolle des L. Flie als L. von emotionalen Befindlichkeiten des Foristen und Menschen Flie vollständig zu trennen, sondern dass beide sich auf "osmotischem" Wege teilweise gegenseitig zu durchdringen pflegen.
    Es geht darum, den Schülern gerecht zu werden. Manchen Schülern hilft es, wenn ich als Unterrichtsvollzugsbeamter sachlich-kalt Maßnahmen ergreife. Anderen Schülern begegne ich als Mensch. Manchmal verstehen die Schüler erst nach ihrer Schulzeit eine solche relativ-tiefe Gerechtigkeit - damit muss ich leben.
  5. #4464

    Das Kainsmal ist keine formale Abhandlung

    Zitat von Kojo T Beitrag anzeigen
    Das heißt aber auch, Sie halten es für richtig, daß Fehlverhalten, wie später oft genug vor Gericht, rein formal abgehandelt wird.

    Werter KojoTe!

    Gerne lese ich Ihre interessanten Beiträge. Lassen Sie sich nicht von kalten Schultern verschrecken. Die können nämlich als pädagogische Maßnahme daherkommen.
    Der oben genannte Patrick bekommt eine Klassenkonferenz mit Schlips und Kragen und Eintrag in die Personalakte - Lächeln verboten. Er selbst darf höchstens kurz sein Bedauern zum Ausdruck bringen. Aber das Kainsmal ist ein Schutz. Patrick wird gesehen, er versinkt nicht im Moor der Beliebigkeit, es eröffnen sich ihm neue Möglichkeiten.
  6. #4465

    Zitat von Peter-Freimann Beitrag anzeigen
    I) überhaupt das Bewußtsein dafür neu zu schaffen, wie segensreich Institutionen sind.
    II) wieder Fenster in die Schule zu Schilda einzubauen und selbiger die Würde einer Institution zurückzugeben.
    Da gehe ich weitgehend mit Ihnen konform. Und meinen "Spielraum" nutzen, ohne mich ins Burn Out zu manövrieren kann ich auch nur, weil an MEINER Schule die Institution als solche noch weitgehend funktioniert.
    Mit anderen Worten: Ich muss nicht täglich das Recht auf physische und psychische Unversehrtheit neu verhandeln, sondern kann mit einer einfachen Geste "Delinquenten" vom Platz weisen, aber es steht mir frei, ob ich das mit der Distanz des Unterrichtsbeamten tun mag oder ob den "Delinquenten" "therapiere". Diese Freiheit ist mir wichtig.
  7. #4466

    Zitat von PeterShaw Beitrag anzeigen
    Es geht darum, den Schülern gerecht zu werden. Manchen Schülern hilft es, wenn ich als Unterrichtsvollzugsbeamter sachlich-kalt Maßnahmen ergreife. Anderen Schülern begegne ich als Mensch. Manchmal verstehen die Schüler erst nach ihrer Schulzeit eine solche relativ-tiefe Gerechtigkeit - damit muss ich leben.
    Ganz meiner Meinung. Ich als noch junger Erwaschsener, dessen Schulzeit zwar schon hinter, aber nicht in weiter fehrne liegt, finde auch das ein Lehrer je je nach Schüler angemessen reagieren sollte. Dabei ist zu beachten das nicht der anschein erweckt wird ungerecht zu Strafen. Das gezwungene erlernen eines Lernstoffen ist niemals so effektiv wie das freiwillige. Deswegen sollte die Lehrkraft ihre aktivität optimaler weise mit sehr viel einfühlungsvermögen nachgehen. Leider wird noch immer zu wenig wert auf den Pädagogischen Aspekt des Lehrers gesetzt. Aber um die Diskussion auf das eigentliche Thema zurück zu lenken! Das Gymnasium ist, und bleibt, ein Zeitgemäße Schulform. Ich hab in meiner Schülerkariere so beinahe jede Schulform mitgemacht und kann sagen das die Gymnasiale die mit abstand effektivste und beste war. Sie traf die richtige Mischung aus Freiheit und kompetentem Untericht. Auch zogen mich andere, strebsamere Schüler, gut vom Willen her mit. Meine nachfolgende Zeit auf der Haupt- und Gesammtschule war für mich als pubertierender zwar aus damalige sicht sehr viel spaßiger, weiter gebracht hat sie mich aber nicht sonderlich.
    Grüße
    ein Immigrant... ^^
  8. #4467

    Zitat von Flie Beitrag anzeigen
    Ich gestatte mir als Einwand-Euer Ehren- die Feststellung, dass es mir bis heute nicht gelungen ist, die Rolle des L. Flie als L. von emotionalen Befindlichkeiten des Foristen und Menschen Flie vollständig zu trennen, sondern dass beide sich auf "osmotischem" Wege teilweise gegenseitig zu durchdringen pflegen...
    Neneeee, ich meine mich daran zu erinnern, daß zu einer anderen Zeit und an einem anderen digitalen Ort die ganz klare Tatsache festgestellt wurde, daß die Mutation "vom Menschen zum Lehrer" a) in toto und b) irreversibel ist. Und bleibt.

    Da können Sie jetzt nicht einfach daherkommen und was von Lehrerfliege, Menschenfliege und osmotischer Durchdringung faseln. Was kommt als nächstes? Mensch-Flie-Telepod? Auch wenn die Experimente der Bildungsexperten bei weitem grausamer sind, ist Ihr Vorgehen auch nicht gerade zu empfehlen: Vorher/ nachher

    Mensch und Lehrer...
    Das ist doch krank...
  9. #4468

    Zitat von NOtU Beitrag anzeigen
    Grüße
    ein Immigrant... ^^
    Nanu, Sie haben einen Hintergrund und kein einziger Lehrer hat es abgebiegen können, daß Sie - neben blonden deutschen Schülern! - auf ein Gymnasium wechseln durften. Eipotzblitz, glaubt doch kein Mensch, wenn ich das nachher am TAZ-Leser-Stammtisch erzähle.
  10. #4469

    Das mit dem Geländer ist ein schönes Gleichnis, und Peter-Freimann hat es auch schon auf den Punkt gebracht: Sie und Ihre Kollegen können sich an die marode Treppe stellen, und jeder von Ihnen kann einen oder zwei Schüler gleichzeitig am Herunterfallen hindern, jeder auf seine persönliche Art und Weise, sei es durch gutes Zureden, langsam zu gehen und vom Abgrund fernzubleiben, sei es durch körperlichen Einsatz, die Schüler noch im Fallen auffangend. Aber was ist mit denen, die zwischen Ihnen hindurchschlüpfen? Und was könnten Sie mit diesen und allen anderen Schülern in der gleichen Zeit für wunderbare Dinge tun, wenn Sie sich entschließen würden, in einer extra dafür einberufenen Konferenz einen Handwerker zu bestellen, der ein anonymes, farb- und liebloses, "formales", "institutionalisiertes", aber massives neues Geländer montiert? Ja, dann machen Sie sich womöglich schuldig, so etwas hehres wie das Retten des Lebens von Kindern an eine schnöde Technik zu delegieren, statt sich dessen mit vollem menschlichen Einsatz selbst anzunehmen. Sie zahlen also einen hohen Preis. Aber Sie gewinnen auch etwas. Ihren ganzes menschlichen Einsatz können Sie nun anderen Aufgaben widmen, dem Lehren zum Beispiel. Zugegeben, Lehren ist eine weniger wichtige Aufgabe als Leben zu retten. Aber die Alternative ist nicht entweder lehren oder Leben retten. Sondern die Alternative ist auf großartige menschliche Weise Leben retten und nicht lehren oder auf profane technische Weise Leben retten und zusätzlich auch noch lehren. Leider wird dieser letzte Punkt hier beim Abwägen der Prioritäten oft übersehen.








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