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Gymnasiumsstress - Diebstahl der Kindheit?

40-Stunden-Woche? Viele Gymnasiasten wären schon über 50 Stunden froh. Überstürzt und miserabel vorbereitet haben die meisten Bundesländer die Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre verkürzt. Stiehlt die Schule den Schülern die Kindheit?
  1. #230

    Irgendwie müssen doch all die willenlosen Arbeitsklaven für die Konzerne gezüchtet werden, die die Reichen reicher machen. Je früher man die frischen, jungen Körper an die Matrix anschließen kann, desto besser. Immer schön abfüllen mit nutzlosem Wissen, dann kommen sie nicht auf die Idee, selbständig zu denken.
  2. #231

    Zitat von Andreas Heil Beitrag anzeigen
    Zwischen zehn und neunzehn dürfte wohl eine Entwicklung möglich sein. Ich halte es jedenfalls für ein Unding, Zehnjährigen als erstes beizubringen, dass sie einem freudlosen entbehrungsreichen Leben entgegenzuarbeiten haben, dessen Inhalt fast ausschließlich fremdbestimmt ist.
    ... nana, kindern beizubringen, daß man arbeitet um zu leben und nicht umgekehrt, könnte die rendite der deutschland ag gefährden. die legislative wird diese gesetzeslücke sicherlich in absehbarer zukunft schließen.
  3. #232

    [QUOTE=RJK;1848428]Dieses Argument wurde diverse mal angeführt. Kein Zweifel, dass oftmals falscher Ehrgeiz der Eltern im Spiel ist. Aber damit zu sagen "an den Schulen ist alles in Butter" ist leichtfertig.


    Das an den Schulen alles in Butter habe ich nicht behauptet und würde ich auch nicht tun.
    Aber wer jetzt hier anfängt jedes Schulbuch zu wiegen, dem ist nicht mehr zu helfen. Ohne Fleiß kein Preis.
    Ich kann mir nicht vorstellen das viele Kinder nur noch am jammern sind. Es sind wohl eher die Eltern. Statt die Kinder beim Jammern zu unterstützen sollte man ihnen Mut machen.
    Und Abitur ist keine Garantie für ein geregeltes Leben. Für den einen oder andere scheint ein anderer Bildungweg wesentlich erfolgreicher zu sein.
    Mehr gut ausgebildete und vor allem motivierte Lehrer wird man aber überall brauchen und auch denen helfen zu können die Schwierigkeiten haben.
  4. #233

    Meine Schulzeit liegt zwar schon sehr lange zurück, mitreden kann ich aber dennoch: in Bayern gab’s in den 60ern einen Schulversuch, bei dem sogenannte Springerklassen ihr Abitur nach 12 Jahren statt 13 Jahren ablegen konnten. Anfangs war ich auch dabei, als einer von 27 bei insgesamt ca. 240 in der 5. Jahrgangsstufe. Ich bin bald aus diesem Wahnsinn ohne Notbremse ausgestiegen, die Erfahrungen, die meine Freunde machen mussten/durften, bestätigten mich im Nachhinein, viele holten ihre Jugend nach dem Abi nach, manche waren nach mir mit dem Studium fertig, das gewonnene Jahr war somit mehr als zerronnen. Schon im Jahr darauf war wieder Schluss mit diesem Schulversuch, das Ministerium war damals noch einsichtiger als heute.
    Heute habe ich noch zwei Kinder im G8, meine beiden ältesten haben schon das G9-Abi bzw. stecken mittendrin. Meine zwei jüngsten werden mit Stoff vollgepresst, der oft alles andere als altersgerecht ist.
    Napoleon und Kaiserreich in Geschichte für 13-jährige, die 8. Klasse hat gegenüber dem G9 einfach mal drei Jahrhunderte mehr Stoff abbekommen.
    Ein Physikstoff, der mathematische Kenntnisse bedingt, die in Mathematik aber erst im nächsten Jahr drankommen. Lehrplankoordination, was ist das?
    Im sprachlichen Zweig setzt Chemie zwei Jahre früher ein als zu meiner Zeit,
    Die dritte Fremdsprache muss mit vier Wochenstunden in den drei ersten Jahren auskommen, ich hatte damals noch 5 Stunden im selben Zeitraum. Sage mir keiner, dass an Wortschatz und Grammatik gekürzt worden wäre.
    Nagelneue Lateinbücher, die auch von den erfahrensten Lehrern nur zu 60% durchgebracht werden können, da baut sich nach drei Jahren ein ganzes Jahr Verzug auf.
    Ein vor Fehlern nur so strotzendes Englischbuch.
    Lehrbücher, die nach einem Jahr schon die zweite Auflage erfahren, die sich von dersten so stark unterscheidet, dass die Kinder nie wissen, welche Hausaufgabe eigentlich wo steht.
    Musik und Kunst in der Mittelstufe als einstündiges Fach, für manche sogar in der 10. Stunde, wenn eigentlich gar nichts mehr in die Köpfe reingeht, oder man schon nach 20 Minuten wieder aufhören muss, weil sonst die Wasserfarben nicht trocknen. Da geht der Spaßss an den musischen Fächern schnell verloren.
    Der Unterstufenchor, eine jahrzehntelange Einrichtung der Schule, ist eingestellt worden mangels Interessenten, zeitgleich mit Einführung des G8!
    Mittagsverpflegung, die nicht einmal Hundefutterqualität erreicht.
    Busfahrpläne, die 60 oder gar 90 Minuten Wartezeit in der Schule erzwingen, Aufenthaltsraum oder geöffnete Bibliothek Fehlanzeige, nur kalte und ungemütliche Aula und ein Hausmeister, der um 17 Uhr abschließen will, auch wenn der Bus erst um 17:45 fährt.
    Arbeitgeber, die von Bewerbern um einen Ausbildungsplatz Mindestalter von 20 Jahren verlangen, da kann sich der G8-Abiturient aber erst mal zwei Jahre in die Sonne legen.
    Ein neues Gymnasium, mit Klassen für max. 32 Kinder – mehr wird fördertechnisch nicht bezuschusst – trotzdem sitzen 36 Kinder drin.
    Und immer wieder dazwischen die Eltern, die mit Zeit und Geld die Versäumnisse ausbügeln müssen, obwohl sie manchmal von beidem gar nicht genug davon haben. So wird elterliche Hilfe zu Stress für die Kinder.
  5. #234

    Alles schon mal dagewesen 2

    A propos Gesamtschule: Mittlerweile sprechen sich sogar Grundschuldirektoren in der bayerischen Provinz (meistens sind sie gleichzeitig brave CSU-Gemeinderäte) für eine längere Grundschulzeit aus, weil sie die frühe Aufteilung in das dreigliedrige System für falsch halten. Ist da etwa die Gesamtschule durch die Hintertür auch in Bayern in Sicht?
  6. #235

    Zitat von Anima Beitrag anzeigen
    Ich kann dies nur bestätigen. Meine Tochter geht in die 6. Klasse Gymnasium. Seit dem sie auf dem Gymnasium ist, geht es ihr nicht besonders gut. Offensichtlich leidet sie unter dem Stress und ist öfters krank.

    Dies ist meiner Meinung nach noch ein Meilenstein der Politiker in einem kinderfeindlichem Land. Anstatt sich wirklich ein Beispiel an den Lehrmethoden der PISA-Siege, z.B. Finnland, zu nehmen, wird geflickschustert was das Zeug hält. Leider bestätigt sich auch hier: es gibt in diesem Land keine Lobby für die Kinder.
    Ich hatte das gleiche Problem mit einem meiner Kinder.Sie besuchte wegen vorhandener Eihnung zunächst das Gymnasium, fühlte sich aber dort nicht wohl. Statt sich durch das Gymnasium quälen zu lassen,schickte ich sie auf die Realschule,wo ihr der Schulbetrieb wegen der mehr praktisch orientierten Ausbildung Spaß machte, später an die Fachoberschule. Anschließendn studierte sie an einer Fachhochschule, machte danach eine praktische berufliche Ausbildung und leitete mit 30 eine Firma mit ca. 500 Beschäftigten. Jetzt, nach einer beruflichen Pause wegen der Kinder, hat sie das gleiche Problem mit ihrer Tochter, der sie beibringen muß, dass man auch ohne Gymnasium "etwas werden kann",
  7. #236

    Zitat von Gerdjürgen Beitrag anzeigen
    Leistung kann Spaß machen, ...
    Genau, aber die Schule erreicht das Gegenteil. Und dabei wird sie immer besser.
    Zitat von Gerdjürgen Beitrag anzeigen
    Begabte Schüler (und das sollten Gymnasiasten ja sein) zeichnen sich durch Lerneffizienz und Organisationstalent (das ist letztlich die 'Gewinnmaximierung' im Schulalltag) aus. Die brauchen keine 50+X Stunden-Woche.

    Weniger Talent zu haben, ist ja kein Makel. ...
    Da scheinen mir Erkenntnis und Irrtum nahe beieinanderzuliegen. Schule misst tatsächlich Leistung, die sich mit Fleiß und/oder Lerneffizienz und Organisationstalent als Produktionsfaktoren tatsächlich erreichen lassen.

    Aber was hat das mit "Talent" zu tun. Wenn sich Talent darauf beschränkte, ist das humboldtsche Bildungsideal einer totalitären Verbetriebswirtschaftlichung des gesamten Lebens gewichen.

    Zumal die o.g. Fähigkeiten, mit denen man seine Talente wirklich besser erschließen könnte, in der Schule ja gar nicht gelehrt sondern vorausgesetzt werden.
  8. #237

    Alles schon mal dagewesen 3

    Und noch was zum Thema „Lebenszeit einsparen“ durchs G8: vor kurzem las ich in der SZ einen Bericht über die Beliebtheit deutscher Jungakademiker bei britischen Arbeitgebern, weil die boys and girls von der Insel mit ihren durchschnittlich zwei bis drei Jahre früher erfolgten Abschlüssen meistens noch zu unreif wären!.
  9. #238

    Nicht die 12 Jahre sind der Knackpunkt, sondern das Runterschieben des Stoffes. Heute lernen Kinder auf einem Abstraktionsniveau, für das die jeweilige Alterstufe nicht ausgelegt ist, sie verstehen es überhaupt nicht. In Mathematik z.B. werden intellektuelle Inhalte in einem Alter verlangt, die die Altersstufe nachgewiesenermaßen nicht aufnehmen kann, für mich eine klare Körperverletzung.

    Da die Regelstunden meistens nicht eingehalten werden, bietet sich ein Ansatzpunkt für juristische Schritte gegen das nichtbestandene Zentralabitur, das nur dann Sinn macht, wenn die vorgeschriebene Unterrichtsversorgung auch tatsächlich durchgeführt wird.

    Es ist Aufgabe der Elternverbände, juristisch abzuklären, wie man diesen aus ökonomischen und nicht pädagogischen Gründen eingeführten Kindesmißbrauch wieder abstellen kann, je eher, je besser.
  10. #239

    [QUOTE=Gerdjürgen;18484
    Mal in Ernst:
    Leistung kann Spaß machen, gute Noten motivieren.

    Begabte Schüler (und das sollten Gymnasiasten ja sein) zeichnen sich durch Lerneffizienz und Organisationstalent (das ist letztlich die 'Gewinnmaximierung' im Schulalltag) aus. Die brauchen keine 50+X Stunden-Woche.

    Weniger Talent zu haben, ist ja kein Makel. Das kann man bis zu einer vernünftigen Grenze durch Fleiß kompensieren oder ggf. den Schultyp wechseln. Kritisch wird es nur, denn die Eltern mit Gewalt ungeeignete Kinder durchs Gymnasium drücken wollen.

    Mobbing gabs schon immer (Willkommen in der Realität!). Schon zu meiner Schulzeit war es bis einschließlich der Mittelstufe uncool, ein guter Schüler zu sein. In der Oberstufe wurden die vormals Coolen deutlich kleinlauter...
    Mit Ellbogen haben gute Noten übrigens nichts zu tun.

    Wer täglich bis spät abends lernen muß, um durch zu kommen, hat entweder im Unterricht gepennt oder er ist für seine Schulform ungeeignet. Schule bewertet Leistung und das ist nicht nur in der Technik Arbeit pro Zeit, hat also mit der o.g. Effektivität zu tun.

    Normal Begabte haben Zeit für Sport, Freunde usw.



    Euer beider Sarkasmus in allen Ehren ;-))
    In der 5. Klasse meines Sohnes gibt es jetzt schon einige Kinder mit Fünfen und Sechsen, obwohl der Stoff echt noch milde ist, z.B. in Englisch, das sie ab der 3. Klasse ja schon hatten. Da gibt es einige Kinder, die einfach nicht die Reife für ein Gymnasium haben, weil ihnen überhaupt nicht klar ist, daß man auch mal aufpassen muß. Vorallem, wenn man vielleicht nicht die Befähigung im Übermaß mitbringt. Da ist dann schon jetzt nichts mehr mit Ausgleichen durch daheim lernen, da braucht es jetzt schon den Nachhilfelehrer...
    Mein Kind ist auch keine Effizienzmaschine und kein Superkind, weiß aber, daß es sich das Nachlernen zu Hause erspart, wenn es vormittags aufpaßt. Bei manchen Klassenkameraden frage ich mich schon, warum diese Kinder denn unbedingt auf's Gymnasium gehen müssen, wenn sie weder das Interesse, noch (vielleicht?) die Befähigung mitbringen. Das ist doch nur eine Tortur, endet mit geringem Selbstwert.

    Und zu Hausaufgaben: Bisher ist die Hausaufgabenmenge in der 5. Klasse nicht höher als in der 4.(an manchen Tagen sogar etwas geringer), weil die Lehrer drauf schauen, das im Rahmen zu halten.








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