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Erziehung - wie ungerecht ist unser Schulsystem?

Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
  1. #760

    Länderhoheit

    Zitat von HaPeGe Beitrag anzeigen
    Ich vertrete in etwa den Standpunkt Helmut Schmidts, der die Kulturhoheit der Länder schon immer für ein Übel angesehen hat. Aber diese heilige Kuh hüten die Länder wie ihren Augapfel, da darf keiner dran rühren. Und die KMK ist nicht in der Verfassung vorgesehen, sie ist allein durch die autonome Entscheidung der Länder als Träger der Kulturhoheit entstanden. Über ihr ist kein Bundesbildungsministerium.
    Mit der Abschaffung der Kulturhoheit der Länder und damit verbunden der Zuständigkeit für den Bereich Schule, geht die Abschaffung der Bundesländer als selbständigem verfasste Staaten zu Ende.

    Da die Bundesländer dies nicht mitmachen werden, weil die jeweilige Landesbevölkerung das nicht will, führt das in letzter Konsequenz zur Auflösung der Bundesrepublik.

    NRW kann ebenso wie Bayern oder BaWü eigenständiges Mitglied der EU werden. Die anderen Bundesländer gingen, so sie den gleichen Weg gingen, in Bedeutungslosigkeit unter.
  2. #761

    Kulturhoheit

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    Mit der Abschaffung der Kulturhoheit der Länder und damit verbunden der Zuständigkeit für den Bereich Schule, geht die Abschaffung der Bundesländer als selbständigem verfasste Staaten zu Ende.
    Nein, nicht zwangsläufig, siehe Frankreich. Außerdem haben die Länder noch eine Reihe anderer Aufgaben, die ihre weitere Existenz sichern würden.
    Da die Bundesländer dies nicht mitmachen werden, weil die jeweilige Landesbevölkerung das nicht will, führt das in letzter Konsequenz zur Auflösung der Bundesrepublik.
    Das könnte nur eine Abstimmung zeigen.
    NRW kann ebenso wie Bayern oder BaWü eigenständiges Mitglied der EU werden. Die anderen Bundesländer gingen, so sie den gleichen Weg gingen, in Bedeutungslosigkeit unter.
    Nicht ein einziges Bundesland hätte als selbständiger Staat eine Überlebenschance innerhalb der EU, auch nicht Bayern, BW oder NRW.
  3. #762

    Widerspruch

    Zitat von HaPeGe Beitrag anzeigen
    Nein, nicht zwangsläufig, siehe Frankreich. Außerdem haben die Länder noch eine Reihe anderer Aufgaben, die ihre weitere Existenz sichern würden.

    Das könnte nur eine Abstimmung zeigen.

    Nicht ein einziges Bundesland hätte als selbständiger Staat eine Überlebenschance innerhalb der EU, auch nicht Bayern, BW oder NRW.
    Nein, die Länder haben nur einen alleinigen Zuständigkeitsbereich, Kultur.
    Daneben gibt es noch die konkurrierende Gesetzgebung. Bei der haben die Länder aber keine eigene Zuständigkeit, sie exekutieren lediglich Bundesgesetze.
    Zerfällt der Bund müssen die Länder eben die Aufgaben, die sie bei Gründung der Republik auf den Bund übertragen haben, wieder selbst übernehmen müssen.
    Es gibt keinen Bund ohne Bundesländer. Der Bund kann nicht die bundesländer abschaffen, die Bundesländer können aber den Bund auflösen.
  4. #763

    Korrektur !

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    Nein, die Länder haben nur einen alleinigen Zuständigkeitsbereich, Kultur.
    Daneben gibt es noch die konkurrierende Gesetzgebung. Bei der haben die Länder aber keine eigene Zuständigkeit, sie exekutieren lediglich Bundesgesetze.
    Zerfällt der Bund müssen die Länder eben die Aufgaben, die sie bei Gründung der Republik auf den Bund übertragen haben, wieder selbst übernehmen müssen.
    Es gibt keinen Bund ohne Bundesländer. Der Bund kann nicht die bundesländer abschaffen, die Bundesländer können aber den Bund auflösen.
    Es gibt noch einen weiteren Zuständigkeitsbereich der Länder: öffentliche Ordnung und Sicherheit. Und bitte nicht vergessen: Die nach Art. 85 GG an die Länder übertragenen Aufgaben.

    Und außerdem wäre es auch bedenkenswert, darüber nachzudenken, ob man lediglich die Zuständigkeit für Bildung und Hochschulwesen an den Bund überträgt.
  5. #764

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    Mit der Abschaffung der Kulturhoheit der Länder und damit verbunden der Zuständigkeit für den Bereich Schule, geht die Abschaffung der Bundesländer als selbständigem verfasste Staaten zu Ende.

    Da die Bundesländer dies nicht mitmachen werden, weil die jeweilige Landesbevölkerung das nicht will, führt das in letzter Konsequenz zur Auflösung der Bundesrepublik.

    NRW kann ebenso wie Bayern oder BaWü eigenständiges Mitglied der EU werden. Die anderen Bundesländer gingen, so sie den gleichen Weg gingen, in Bedeutungslosigkeit unter.
    Bitte erläutern Sie, was in Ihrem Text Konjunktiv, Tatsache oder Annahme sein soll.
  6. #765

    Zitat von HaPeGe Beitrag anzeigen
    wäre besser ! Bedingung: Die entsprechende Bürokratie würde ebenfalls reduziert. Gutes Beispiel: Schauen Sie nach Frankreich. Von dort können wir noch einiges lernen ! So ganz nebenbei würden auch die Eltern und Kinder entlastet, die von einem Bundesland in ein anderes ziehen müssen.
    Wo würde die Bürokratie reduziert? die anzahl der zu verwaltenden Schulen und der zu beschulenden Schüler bleibt doch eben so gleich wie die Anzahl der zu verwaltenden Lehrkräfte. Ab und zu mal mit einem Haufen Leuten aus den Ländern zusammensitzen und sich absprechen macht wohl nur ein Millionstel der anfallenden Arbeit aus.,

    Die Verwaltungsreform in Niedersachsen, die eine komplette Behördenstufe, nämlich die Bezirksregierungen abgeschafft hat, hat für die Schulen nur Nachteile gebracht. Der Dienstherr ist weit weg und schwer zu erreichen (weil man mit Verwaltungsreform natürlich auch immer Stellen streicht), der zuständige Dezernent kennt die Schulen und deren spezifische Probleme nicht wirklich und wenn man als Schulleitung Dienstgeschäfte mit der Behörde erledigen muss, sitzt man mit Hin-und Rückfahrt nicht selten bis zu 3 Stunden im Auto.
  7. #766

    @ondranna

    Zitat von ondrana Beitrag anzeigen
    Wo würde die Bürokratie reduziert? die anzahl der zu verwaltenden Schulen und der zu beschulenden Schüler bleibt doch eben so gleich wie die Anzahl der zu verwaltenden Lehrkräfte. Ab und zu mal mit einem Haufen Leuten aus den Ländern zusammensitzen und sich absprechen macht wohl nur ein Millionstel der anfallenden Arbeit aus.,

    Die Verwaltungsreform in Niedersachsen, die eine komplette Behördenstufe, nämlich die Bezirksregierungen abgeschafft hat, hat für die Schulen nur Nachteile gebracht. Der Dienstherr ist weit weg und schwer zu erreichen (weil man mit Verwaltungsreform natürlich auch immer Stellen streicht), der zuständige Dezernent kennt die Schulen und deren spezifische Probleme nicht wirklich und wenn man als Schulleitung Dienstgeschäfte mit der Behörde erledigen muss, sitzt man mit Hin-und Rückfahrt nicht selten bis zu 3 Stunden im Auto.
    Auch in Niedersachsen wurde keine Verwaltungsebene eingespart. Es ist lediglich die Zuständigkeit der Bezirksregierungen als Landesmittelbehörden in die Zuständigkeit des Landesschulamtes als landesoberbehörde überführt worden.

    Der Witz dabei ist doch, dass diese "zentrale" Landesschulbehörde Regionalstellen am Sitz der jeweiligen Bezirksregierungen unterhält.

    Watt'ne Reform! - Super :)
  8. #767

    Das Schulsystem ist nicht ungerecht, es ist schüler-,eltern- und lehrerfeindlich.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
    Schülerfeindlich: Da in jedem Bundesland ein anderes Schulsystem mit völlig unterschiedliche Fächern und Lehrplänen installiert wurde, ist es für den normalbegabten Schüler kaum möglich, ohne "Reibungsverluste", z.B. Schuljahreswiederholungen , befohlene Schulartwechsel (ich kenne Fälle, wo Gymnasialschüler im anderen Bundesland als Hauptschüler eingestuft wurden) über die Runden zu kommen. Von den Eltern aber verlangt man berufliche Flexibilität.
    Auch die zu frühzeitige Trennung der "Intelligenzen" im dreizügigen System (4.Klasse) ist ungerecht. Andererseits die gerade jetzt mit Vehemenz propagierte "Inklusion" kann überaus ungerecht sein, wie alles , was in der Bildung mit der Peitsche als neue Sau durch die Landschaft getrieben wird...

    Elternfeindlich: eben die schulischen Schwierigkeiten, die Kinder beim Schulwechsel erfahren müssen. Elternfeindlich, wenn Behörden Schulschließungen mit Brachialgewalt durchziehen. Elternfeindlich, wenn sich Eltern nach Schulschließungen plötzlich an den Fahrtkosten beteiligen sollen...

    Lehrerfeindlich: Wenn die Absolventen der Hochschulen keine Referendarstellen bekommen, wenn in Deutschland unterschiedliche Gehaltssysteme für Lehrer bestehen, wenn die Ausbildung in einem Land woanders nicht akzeptiert wird, wenn hier verbeamtet wird und dort nicht. Wenn Lehrer an bis zu drei Schulen pro Woche eingesetzt sind,...
    Die Aufzählung wäre erst ein kleiner Anfang.
    Bleibt zu Fragen, warum das so ist und warum da kein Weg vorbei führt und außer kosmetischen Änderungen nichts geschieht. Ich denke, dass es so ist wie in Sachsen bei der Haushaltsdiskussion des Landtags: 93% der Inhalte sind durch EU-, Bundes- und anderen Verbindlichkeiten festgelegt, 7% des Haushalts ist in beschränktem Maße verhandelbar. Da muss man als Politik doch auf dem Feld der Bildung sich hervortun. Da sind die meisten Menschen gleichzeitig zu erwischen und zu bewegen - Schüler, Eltern, Großeltern- ach ja: Wähler.
    Beispiel Sachsen: Bildungsempfehlung Klasse 4 nur in Deutsch und Mathematik
    -zuerst nach 1992 in der CDU-Mehrheitsregierung mit Durchschnitt
    >2,5, dann CDU-SPD-Regierung Durchschnitt =2,5, dann CDU-FDP-Regierung mit Durchschnitt =2,0.
    Man rechne sich das mal bei zwei Fächern durch!
    Die "Massen" sind aufgeregt worden, und der Schwindel kostet fast nichts, Kinder und Eltern werden verunsichert, Lehrer haben den schwarzen Peter. Was ist aber effektiv herausgekommen? Nichts, außer, dass die Politiker gezeigt haben, wie aktiv sie Politik ( ohne nennenswerten Mitteleinsatz) betreiben und das alles nur zum Guten der Wähler. Das ist der Grund, warum man in allen Bundesländern auf dieses Durcheinander nicht verzichten will. Und dann redet man den Wählern noch ein: Wir sind Bayern, Sachsen,... wir haben das Recht, eine eigene Bildung zu verlangen.Und die glauben das wie an ein esotherisches Ritual.
    Als ob es nicht so ginge: gleiche Anforderungen bezüglich der Grundlagenfächer in allen Schuljahren wie Mathematik, Chemie , Physik, Fremdsprachen und Eingehen auf regional Besonderheiten z.B. in Geschichte, Ethik, Religion, Geographie, Biologie, ja sogar Deutsch unter dem Blick auf das ganze Deutschland.
  9. #768

    Das Schulsystem ist nicht ungerecht, es ist schüler-,eltern- und lehrerfeindlich.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
    Schülerfeindlich: Da in jedem Bundesland ein anderes Schulsystem mit völlig unterschiedliche Fächern und Lehrplänen installiert wurde, ist es für den normalbegabten Schüler kaum möglich, ohne "Reibungsverluste", z.B. Schuljahreswiederholungen , befohlene Schulartwechsel (ich kenne Fälle, wo Gymnasialschüler im anderen Bundesland als Hauptschüler eingestuft wurden) über die Runden zu kommen. Von den Eltern aber verlangt man berufliche Flexibilität.
    Auch die zu frühzeitige Trennung der "Intelligenzen" im dreizügigen System (4.Klasse) ist ungerecht. Andererseits die gerade jetzt mit Vehemenz propagierte "Inklusion" kann überaus ungerecht sein, wie alles , was in der Bildung mit der Peitsche als neue Sau durch die Landschaft getrieben wird...

    Elternfeindlich: eben die schulischen Schwierigkeiten, die Kinder beim Schulwechsel erfahren müssen. Elternfeindlich, wenn Behörden Schulschließungen mit Brachialgewalt durchziehen. Elternfeindlich, wenn sich Eltern nach Schulschließungen plötzlich an den Fahrtkosten beteiligen sollen...

    Lehrerfeindlich: Wenn die Absolventen der Hochschulen keine Referendarstellen bekommen, wenn in Deutschland unterschiedliche Gehaltssysteme für Lehrer bestehen, wenn die Ausbildung in einem Land woanders nicht akzeptiert wird, wenn hier verbeamtet wird und dort nicht. Wenn Lehrer an bis zu drei Schulen pro Woche eingesetzt sind,...
    Die Aufzählung wäre erst ein kleiner Anfang.
    Bleibt zu Fragen, warum das so ist und warum da kein Weg vorbei führt und außer kosmetischen Änderungen nichts geschieht. Ich denke, dass es so ist wie in Sachsen bei der Haushaltsdiskussion des Landtags: 93% der Inhalte sind durch EU-, Bundes- und anderen Verbindlichkeiten festgelegt, 7% des Haushalts ist in beschränktem Maße verhandelbar. Da muss man als Politik doch auf dem Feld der Bildung sich hervortun. Da sind die meisten Menschen gleichzeitig zu erwischen und zu bewegen - Schüler, Eltern, Großeltern- ach ja: Wähler.
    Beispiel Sachsen: Bildungsempfehlung Klasse 4 nur in Deutsch und Mathematik
    -zuerst nach 1992 in der CDU-Mehrheitsregierung mit Durchschnitt
    >2,5, dann CDU-SPD-Regierung Durchschnitt =2,5, dann CDU-FDP-Regierung mit Durchschnitt =2,0.
    Man rechne sich das mal bei zwei Fächern durch!
    Die "Massen" sind aufgeregt worden, und der Schwindel kostet fast nichts, Kinder und Eltern werden verunsichert, Lehrer haben den schwarzen Peter. Was ist aber effektiv herausgekommen? Nichts, außer, dass die Politiker gezeigt haben, wie aktiv sie Politik ( ohne nennenswerten Mitteleinsatz) betreiben und das alles nur zum Guten der Wähler. Das ist der Grund, warum man in allen Bundesländern auf dieses Durcheinander nicht verzichten will. Und dann redet man den Wählern noch ein: Wir sind Bayern, Sachsen,... wir haben das Recht, eine eigene Bildung zu verlangen.Und die glauben das wie an ein esotherisches Ritual.
    Als ob es nicht so ginge: gleiche Anforderungen bezüglich der Grundlagenfächer in allen Schuljahren wie Mathematik, Chemie , Physik, Fremdsprachen und Eingehen auf regional Besonderheiten z.B. in Geschichte, Ethik, Religion, Geographie, Biologie, ja sogar Deutsch unter dem Blick auf das ganze Deutschland.
  10. #769

    Zitat von scoolodie2 Beitrag anzeigen
    Schülerfeindlich -
    Elternfeindlich - Lehrerfeindlich.

    Als ob es nicht so ginge: gleiche Anforderungen bezüglich der Grundlagenfächer in allen Schuljahren wie Mathematik, Chemie , Physik, Fremdsprachen und Eingehen auf regional Besonderheiten z.B. in Geschichte, Ethik, Religion, Geographie, Biologie, ja sogar Deutsch unter dem Blick auf das ganze Deutschland.
    Da Ihr Beitrag gleich zweimal erschienen ist, muss er wohl von besonderer Bedeutung sein. Und auch ich kann mich Ihren Ausführungen in großen Teilen anschließen, vor allem dem letzten Absatz. - Nur: alles kann man nun auch nicht auf die Schulsysteme schieben. Immerhin kommt ein großer Teil der Schüler- und Lehrerschaft im eigenen Schulssystem gut zurecht. Bleiben die Problemfälle - und auch dort ist oft die eigene Schuld gravierender als die Gründe aus dem Schulsystem.


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