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Erziehung - wie ungerecht ist unser Schulsystem?

Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
  1. #40

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    Ich habe keine Probleme mit meinen Schülern. Die Probleme, die sich ergeben, sitzen zuhause und sind nicht mehr schulpflichtig. Es kann auch nicht Aufgabe der Lehrer sein, zwischen Schülern und Elternhäusern zu vermitteln. Vorallem bei Elternhäusern, die sich weigern, eine Erziehungsbeistandschaft zu akzeptieren, die dringend notwendig ist. BTW ich kenne Klassen, in denen 20% bis 30% Unterstützung bei der Erziehung erhalten. Hier pädagogische Maßnahmen umzusetzen bedeutet immer, Schulleitung, Klassenleitung, Schüler, Eltern und Erziehungsbeistand unter einen Hut zu bekommen. Allein die Terminabsprache führt manchen zur Verzweiflung. Wegen Absprachen mit dem Jugendamt telefoniert man in der Regel eine Woche hinter einander her.
    Alles, was Sie schildern, und noch viel mehr (!) gehört zu den ganz normalen Arbeitsaufgaben im Lehrer/innen-Beruf. Das wird evtl. den Pädagogik-Studenten nicht ausreichend klargemacht, so dass sie in der Lehrpraxis davon überrascht werden. Deswegen besetzt man Lehrer/innen auch nur zirka > 20 Unterrichtsstunden in der Woche, weil klar ist, dass mindestens noch einmal so viel Zeit für o.g. Aufgaben außerhalb der Unterrichtsstunden benötigt wird. - Zur Frage Gerechtigkeit des Schulsystems gehört das alles allerdings kaum.
  2. #41

    Schulaufgaben

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Alles, was Sie schildern, und noch viel mehr (!) gehört zu den ganz normalen Arbeitsaufgaben im Lehrer/innen-Beruf.
    Nein ! Das ist nicht normal. Und weil die Politik das langsam einsieht, werden zunehmend Sozialarbeiter (m/w) in den Schulen eingestellt.

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Das wird evtl. den Pädagogik-Studenten nicht ausreichend
    klargemacht,
    Studenten (m/w) des Lehramtes sind nicht mit Pädogogik-Stundenten (m/w) gleichzusetzen - was manche bedauern und andere begrüßen.

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Deswegen besetzt man Lehrer/innen auch nur zirka > 20 Unterrichtsstunden in der Woche,
    Lehrer (m/w) an allgemeinbildenden Schulen werden mit mindestens 25,5 Unterrichtsstunden pro Woche EINgesetzt, sofern sie nicht über den Unterricht hinausgehende umfangreiche Sonderaufgaben übernehmen.

    Wenn Sie ein Bundesland kennen, in dem es nur 20 Stunden sind, benennen Sie es bitte.

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    weil klar ist, dass mindestens noch einmal so viel Zeit für o.g. Aufgaben außerhalb der Unterrichtsstunden benötigt wird.
    Ja, aber das sind vor allem Unterrichtsvor- und nachbereitung, Konzeption und Korrekturen von Klassen- und Prüfungsarbeiten und schulorganisatorische sowie Verwaltungsarbeit und schließlich Planung und Durchführung von Klassen- und Studienfahrten.

    Für Sozialarbeit wurden und werden Lehrer (m/w) nicht ausgebildet.
  3. #42

    Wovon reden wir?

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Alles, was Sie schildern, und noch viel mehr (!) gehört zu den ganz normalen Arbeitsaufgaben im Lehrer/innen-Beruf. Das wird evtl. den Pädagogik-Studenten nicht ausreichend klargemacht, so dass sie in der Lehrpraxis davon überrascht werden. Deswegen besetzt man Lehrer/innen auch nur zirka > 20 Unterrichtsstunden in der Woche, weil klar ist, dass mindestens noch einmal so viel Zeit für o.g. Aufgaben außerhalb der Unterrichtsstunden benötigt wird. - Zur Frage Gerechtigkeit des Schulsystems gehört das alles allerdings kaum.
    An welcher Schule werden Lehrer nur zu 80% (20 Stunden) als Fachlehrer eingesetzt?

    Der regelfall ist doch 25,5 bzw.28 Wochenstunden in NRW und dazu kommen noch Dauervertretungen und Adhoc-Vertretungen. Von den gegenüber der Soll-Stundentafel gestrichenen Stunden, die wegen fehlender Lehrer gar nicht besetzt werden können, reden wir besser gar nicht erst.

    Entgegen Ihrer Auffassung bemisst mein Dienstherr die Arbeitsleistung nach der Zahl der abgehaltenen Unterrichtsstunden, alles andere ist pauschal abgegolten bzw. wird mit den 12 Wochen unterrichtsfreier Zeit verrechnet, die allerdings um die Zahl der Urlaubstage (28 Unterrichtstage entspricht 5,5 Wochen) gekürzt werden muss.

    Das Jahr hat 52,5 Wochen minus 5,5 Wochen macht 47 Wochen.

    47 mal 40 Stunden ergibt 1880 Zeitstunden. Wird dieser Wert durch 40 Wochen, in denen Unterricht stattfindet, geteilt wird, ergibt sich eine Arbeitszeit von 47 Zeitstunden je Woche. Bei einem Deputat von 25,5 U-Stunden (entspricht ca. 20 Zeitstunden) fallen also 27 Zeitstunden je Woche für alle verbleibenden Lehreraufgaben an. Wozu also die Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung um 20%?

    Das einzige Problem ist doch, dass die sus frei haben, wenn ich Zeit habe und nicht unterrichten muss.
  4. #43

    Nachtrag

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    An welcher Schule werden Lehrer nur zu 80% (20 Stunden) als Fachlehrer eingesetzt?

    Der regelfall ist doch 25,5 bzw.28 Wochenstunden in NRW und dazu kommen noch Dauervertretungen und Adhoc-Vertretungen. Von den gegenüber der Soll-Stundentafel gestrichenen Stunden, die wegen fehlender Lehrer gar nicht besetzt werden können, reden wir besser gar nicht erst.

    Entgegen Ihrer Auffassung bemisst mein Dienstherr die Arbeitsleistung nach der Zahl der abgehaltenen Unterrichtsstunden, alles andere ist pauschal abgegolten bzw. wird mit den 12 Wochen unterrichtsfreier Zeit verrechnet, die allerdings um die Zahl der Urlaubstage (28 Unterrichtstage entspricht 5,5 Wochen) gekürzt werden muss.

    Das Jahr hat 52,5 Wochen minus 5,5 Wochen macht 47 Wochen.

    47 mal 40 Stunden ergibt 1880 Zeitstunden. Wird dieser Wert durch 40 Wochen, in denen Unterricht stattfindet, geteilt wird, ergibt sich eine Arbeitszeit von 47 Zeitstunden je Woche. Bei einem Deputat von 25,5 U-Stunden (entspricht ca. 20 Zeitstunden) fallen also 27 Zeitstunden je Woche für alle verbleibenden Lehreraufgaben an. Wozu also die Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung um 20%?

    Das einzige Problem ist doch, dass die sus frei haben, wenn ich Zeit habe und nicht unterrichten muss.
    7 zusätzliche Zeitstunden je Woche entsprechen durchschnittlich 1,4 Zeitstunden je Tag, das sind 84 Minuten je Tag. Diese Zeit bleibt mir abgesehen von anderen dienstlichen Verpflichtungen um den Schulsozialarbeiter zu geben.

    Übrigens was ist mit "Stundenplanlöchern", die ich in der Schule verbringen muss, darf ich die auf die Arbeitszeit anrechnen.

    Fazit: Ich bin nicht bereit mich selbst auszubeuten, um die Erziehungsdefizite von Schülern auszugleichen.
  5. #44

    Zitat von leonardo-contra-pisa Beitrag anzeigen
    Nein ! Das ist nicht normal. Und weil die Politik das langsam einsieht, werden zunehmend Sozialarbeiter (m/w) in den Schulen eingestellt.

    Studenten (m/w) des Lehramtes sind nicht mit Pädogogik-Stundenten (m/w) gleichzusetzen - was manche bedauern und andere begrüßen.

    Lehrer (m/w) an allgemeinbildenden Schulen werden mit mindestens 25,5 Unterrichtsstunden pro Woche EINgesetzt, sofern sie nicht über den Unterricht hinausgehende umfangreiche Sonderaufgaben übernehmen.

    Wenn Sie ein Bundesland kennen, in dem es nur 20 Stunden sind, benennen Sie es bitte.

    Ja, aber das sind vor allem Unterrichtsvor- und nachbereitung, Konzeption und Korrekturen von Klassen- und Prüfungsarbeiten und schulorganisatorische sowie Verwaltungsarbeit und schließlich Planung und Durchführung von Klassen- und Studienfahrten.

    Für Sozialarbeit wurden und werden Lehrer (m/w) nicht ausgebildet.
    Ja, und bevor Sozialarbeiter/innen kamen, hat das Lehrerkollegium incl Direktor und Sekretariat, Elternbeirat, Schülerbeirat, Schulamt usw. diese Aufgaben gelöst.

    Bei uns damals studierte man Pädagogik, und wurde schlicht Lehrer/in. Wenn das bei Ihnen jetzt anders genannt wird, ändert es nichts.

    Ich schrieb von >20 Stunden, mit dem math. Vorzeichen "größer als". Übrigens wurde in Sachsen jahrelang Lehrer/innen mit 80% Unterrichtsstunden angestellt, um sie nicht entlassen zu müssen und sie bei größerer Schülerzahl wieder voll arbeiten lassen zu können.

    Und wenn sich Lehrer/innen für "Sozialarbeit" nicht ausgebildet fühlen, dann haben sie in den Studienjahren einfach was versäumt und sollten es schnellstens nachholen. Allerschnellstens!!
  6. #45

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    An welcher Schule werden Lehrer nur zu 80% (20 Stunden) als Fachlehrer eingesetzt?

    Der regelfall ist doch 25,5 bzw.28 Wochenstunden in NRW und dazu kommen noch Dauervertretungen und Adhoc-Vertretungen. Von den gegenüber der Soll-Stundentafel gestrichenen Stunden, die wegen fehlender Lehrer gar nicht besetzt werden können, reden wir besser gar nicht erst.

    Entgegen Ihrer Auffassung bemisst mein Dienstherr die Arbeitsleistung nach der Zahl der abgehaltenen Unterrichtsstunden, alles andere ist pauschal abgegolten bzw. wird mit den 12 Wochen unterrichtsfreier Zeit verrechnet, die allerdings um die Zahl der Urlaubstage (28 Unterrichtstage entspricht 5,5 Wochen) gekürzt werden muss.

    Das Jahr hat 52,5 Wochen minus 5,5 Wochen macht 47 Wochen.

    47 mal 40 Stunden ergibt 1880 Zeitstunden. Wird dieser Wert durch 40 Wochen, in denen Unterricht stattfindet, geteilt wird, ergibt sich eine Arbeitszeit von 47 Zeitstunden je Woche. Bei einem Deputat von 25,5 U-Stunden (entspricht ca. 20 Zeitstunden) fallen also 27 Zeitstunden je Woche für alle verbleibenden Lehreraufgaben an. Wozu also die Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung um 20%?

    Das einzige Problem ist doch, dass die sus frei haben, wenn ich Zeit habe und nicht unterrichten muss.
    Ich schrieb >20 Stunden! Mit dem math. Zeichen für "größer als". Aber auch mit 25 Unterrichtsstunden und noch einmal so viel Stundenaufwand für alles andere sind Lehrer/innen nicht überlastet.

    Über Ihre Stundenrechnungen in NRW kann ich mich nicht weiter äußern.
  7. #46

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    Fazit: Ich bin nicht bereit mich selbst auszubeuten, um die Erziehungsdefizite von Schülern auszugleichen.
    Und ich fürchte, diese Einstellung wird Ihnen bei der weiteren Ausübung des Lehrerberufes noch mächtig im Wege stehen.
  8. #47

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Ja, und bevor Sozialarbeiter/innen kamen, hat das Lehrerkollegium incl Direktor und Sekretariat, Elternbeirat, Schülerbeirat, Schulamt usw. diese Aufgaben gelöst.

    Bei uns damals studierte man Pädagogik, und wurde schlicht Lehrer/in. Wenn das bei Ihnen jetzt anders genannt wird, ändert es nichts.

    Ich schrieb von >20 Stunden, mit dem math. Vorzeichen "größer als". Übrigens wurde in Sachsen jahrelang Lehrer/innen mit 80% Unterrichtsstunden angestellt, um sie nicht entlassen zu müssen und sie bei größerer Schülerzahl wieder voll arbeiten lassen zu können.

    Und wenn sich Lehrer/innen für "Sozialarbeit" nicht ausgebildet fühlen, dann haben sie in den Studienjahren einfach was versäumt und sollten es schnellstens nachholen. Allerschnellstens!!
    Sie verwechseln andauernd Padagogik- und Lehramtsstudenten.

    Das bischen Erziehungswissenschaften für Lehrer ist nicht ausreichend. Aber dies ist vom Dienstherren gewollt.

    BTW Sachsen ist nicht der Nabel der Welt. Hinsichtlich der Zusammensetzung der Schülerschaft liegen Welten zwischen sächsischen und nordrhein/westfälischen Klassen. Der Unterschied dürfte sich am besten mit den beiden Berliner Stadtteilen Neukölln und Grunewald vergleichen lassen.

    darüber hinaus, warum macht denn gerade der Rücktritt des sächsischen Bildungsministers solche Schlagzeilen?
  9. #48

    nee, nee

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Und ich fürchte, diese Einstellung wird Ihnen bei der weiteren Ausübung des Lehrerberufes noch mächtig im Wege stehen.
    ... die schützt mich vor burn-out. Das Abschieben der Verantwortung auf Erziehungsberechtigte ist legitim. Es ändert zwar nichts, klärt aber die Zuständigkeiten.

    Warum sollten mich die sozialen Probleme meiner Schüler interessieren? Ein späterer Arbeitgeber ist auch nicht daran interessiert.
  10. #49

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    BTW Sachsen ist nicht der Nabel der Welt. Hinsichtlich der Zusammensetzung der Schülerschaft liegen Welten zwischen sächsischen und nordrhein/westfälischen Klassen. Der Unterschied dürfte sich am besten mit den beiden Berliner Stadtteilen Neukölln und Grunewald vergleichen lassen.

    darüber hinaus, warum macht denn gerade der Rücktritt des sächsischen Bildungsministers solche Schlagzeilen?
    Sie schrieben in #42 eine Bitte:"Wenn Sie ein Bundesland kennen, in dem es nur 20 Stunden sind, benennen Sie es bitte." Und ich nannte eins. Dass die 16 Bundesländer unterschiedlich sind, ist eine Binsenweisheit und der Grund für die föderale Vielfalt der Bildungssysteme.

    Die "Schlagzeilen" um den Rücktritt eines Bildungsministers und vor allem um die Nachfolgerin können Sie selber ergoogeln, u.a. hier:
    Rücktritt des sächsischen Kultusministers: Ein Vorspiel der Regierung und die Reaktionen der Parteien – Leipziger Internet Zeitung :: Mehr Nachrichten. Mehr Leipzig.

    Mit dem Thema "Wie ungerecht ist unser Schulsystem" hat das aber nichts zu tun.








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