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Erziehung - wie ungerecht ist unser Schulsystem?

Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
  1. #280

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    .........
    Im Umgang mit anderen Kindern sehe ich, dass meine das auch versuchen. Sie kommen mit Angeboten und versuchen, Vereinbarungen zu erzielen. Mit Gewalt können sie nicht viel anfangen. Werden sie direkt bedroht oder irgendwie angegangen, dann wehren sie sich dagegen (zur Not auch mit Gewalt - was ich völlig legitim finde) und sonst weichen sie gewalttätigen Situationen und Kindern einfach aus. Sie provozieren keine gewalttätigen Auseinandersetzungen, sondern versuchen ihre Bedürfnisse durch Gespräche, Einladungen, Diskussion, Argumentation, Bitten, Angebote, Verhandlungen usw. zu befriedigen.
    Ja, da stimme ich Ihnen schon zu, aber Sie werden nicht umhinkommen, mal Farbe zu bekennen. Man kann zurück gehen bis zur Wand, aber nicht weiter. Da man ja nicht jeden Tag die Chance hat, einen Pflock einzuschlagen, sollte man eine eher harmlose Gelegenheit zu suchen, damit man das Spiel auch beherrschen kann. Davon ab, Fehler kann man noch genug machen, weil man von einer Situation überrascht wurde;o).

    MfG. Rainer
  2. #281

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen
    zwingen werden Sie ihr Kind immer mal müssen, und wenn es nur das aufs Töpfchengehen, Vomherdweghalten oder Karottenessen ist.
    Töpfchengehen? Wir haben damals einen Vertrag gemacht. Das Kind wollte vor dem Bettgehen nicht aufs Klo. Die Vereinbarung lautete: "Ich akzeptiere, dass du nicht aufs Klo willst, aber wenn das Bett versaut ist, muss du es selbst saubermachen, ok?" - "Ok!" Hand drauf. Mitten in der Nacht war das Bett dann vollgepinkelt. Das bedeutete: Aufstehen und Saubermachen ohne Widerrede (da Vertragsbestandteil). Das gab natürlich etwas Geschrei, aber das wars gewesen, danach ist es nie wieder vorgekommen, weil dann klar war, wieviel Arbeit, Sauerei etc. das bedeutet.

    Danach war der Sinn der Aufforderung: "Gehe bitte aufs Klo!" einfach klar, weil die Konsequenzen geklärt waren. Ich finde, man muss den Kindern auch eine Chance geben, den Sinn hinter gewissen Dingen zu verstehen und die Konsequenzen überblicken zu können. Sie einfach zu etwas zu zwingen oder völlig aus dem Zusammenhang gerissene Strafen aufzuerlegen finde ich ziemlich unfair. Wenn man das macht, dann erreicht man nur ein Klima der Angst und dann lernen sie eigentlich nur, dass es ok ist, unfair zu sein und Zwang auszuüben.

    Karotten müssen meine Kinder nicht essen, wenn sie nicht wollen. Besser für mich, ess ich sie halt alle weg ;-)

    Und vom Herd muss ich sie nicht weghalten. Die gehen da nicht ran, weil sie wissen, dass das heiß und gefährlich ist, und zwar seitdem ich sie mal dazu aufgefordert habe, die Hand auf die Herdplatte zu legen. Danach habe ich die Platte eingeschaltet.

    Es ist ja die Pflicht der Eltern für das Wohlergehen der Kinder zu sorgen.

    Ich dachte, Sie halten nichts von Homeschooling oder Privatschulen? Jetzt auf einmal doch?
    Ja, Pflicht durch Selbstverpflichtung ist ok, weil ja keiner ungefragt vorbeigekommen ist, mir ein Kind angedreht hat und gesagt hat: "Ab heute bist du verpflichtet, dich drum zu kümmern, sonst wirst du bestraft!" Und ob Homeschooling, Privatschulen oder sonstwas - da hat jeder seine eigene Philosophie. Das einzige, was ich nicht will ist, als friedlicher Mensch zu etwas gezwungen zu werden, was von anderen für richtig gehalten wird.

    Das können Kleinkinder noch nicht entscheiden.
    Meine Vierjährige darf zwar entscheiden, was sie als Pausenbrot mitnehmen will, nicht aber ob sie die Landessprache oder Englisch lernen darf, dafür darf sie sagen, welche Nachmittagsaktivität sie machen möchte, aber sie muss das dann auch durchziehen und nicht mal ja und dann wieder nein.
    Konsistenz und Kontinuität sind wichtig.
    Am Ende ist es ok, wie die anderen es machen, Hauptsache sie zwingen andere nicht dazu, es nach ihren Vorstellungen zu machen.
  3. #282

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    Ja, da stimme ich Ihnen schon zu, aber Sie werden nicht umhinkommen, mal Farbe zu bekennen. Man kann zurück gehen bis zur Wand, aber nicht weiter. Da man ja nicht jeden Tag die Chance hat, einen Pflock einzuschlagen, sollte man eine eher harmlose Gelegenheit zu suchen, damit man das Spiel auch beherrschen kann. Davon ab, Fehler kann man noch genug machen, weil man von einer Situation überrascht wurde;o).

    MfG. Rainer
    Richtig. Konflikte kann man natürlich nicht vermeiden. Auch bei uns entstehen sie ab und zu. Mir ist dann einfach wichtig, dass sie fair ausgetragen werden, dass jeder sein Gesicht wahren kann und dass vor allem die Beziehung zwischen Eltern und Kind nicht leidet.

    Die "Wand" beginnt immer dort, wenn es zu Rechtsverletzungen kommt. Als universelle Rechte sehe ich das Recht auf seinen eigenen Körper, d.h. auf Unversehrtheit, das Recht auf Eigentum und das Recht auf Freiheit. Ich achte im Umgang mit meinen Kindern auch selbst sehr genau darauf, ihre Rechte nicht z.B. aus Unachtsamkeit zu verletzen.
  4. #283

    Zitat von leonardo-contra-pisa Beitrag anzeigen
    Nein. Würde ich nicht.
    Gut, das zeigt, dass Ihnen irgendeine moralische Instanz in Ihnen sagt, dass das nicht richtig wäre.

    Also jetzt mal im Ernst. Glauben Sie denn wirklich die GSG9 rückt bei Ihnen an, um Ihr Kind zur Schule und Sie in den Knast zu bringen?
    Nein, die GSG9 nicht. Die ist für so etwas nicht vorgesehen. Polizei, Justiz und Verwaltung würden es mit vereinten Kräften tun.

    Das wird noch zusätzlich dadurch bestätigt, indem Sie versuchen, abzulenken, auszuweichen und die Fakten (sehen Sie sich die ganzen Gesetze an) wegzudiskutieren.

    Ich finde es gut und beruhigend, dass das so ist, weil es ein Indiz dafür ist, dass Sie ein ganz normaler Mensch sind, der instinktiv weiß, was richtig und was falsch ist.

    Aber ist das nicht inkonsequent, wenn Sie jemanden dafür bezahlen, der das tut?

    Und angesichts Ihrer Grundhaltung traue ich Ihnen ohnehin keinen maßgeblichen physischen Widerstand zu. Denn dann würden Sie doch die Beamten zu etwas zwingen, was sie nicht wollen, nämlich Sie zu verletzen.
    Mit Gewalt meine ich stets initiierende Gewalt. Gewalt als Antwort, um initiierende Gewalt abzuwehren, ist legitim.

    Nun lassen Sie es gut sein. Eine weitere Auseinandersetzung ist obsolet.
    In Ordnung. Lassen wir das. Ich würde Sie in einige Widersprüche verwickeln. Keine Sorge, nichts gegen Sie - es liegt nur daran, dass das Konstrukt "Staat" zutiefst unlogisch ist.

    Ihre Position ist etwa so flexibel wie eine Betonwand.
    Das ist richtig. Gewalt gegen unschuldige, friedliche Menschen ist durch nichts zu rechtfertigen. Da bewege ich mich keinen Bruchteil eines Millimeters.
  5. #284

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    Ich finde, man muss den Kindern auch eine Chance geben, den Sinn hinter gewissen Dingen zu verstehen und die Konsequenzen überblicken zu können. Sie einfach zu etwas zu zwingen oder völlig aus dem Zusammenhang gerissene Strafen aufzuerlegen finde ich ziemlich unfair.
    Ich habe damals den Sinn nicht verstanden, warum ich Klavier spielen soll. Das zeigte sich erst in den Zwanzigern. Und da war es schon reichlich spät!
    Sie sehen, es gibt Dinge, wo sich Eltern durchsetzen sollten - purer Zwang muss das ja gar nicht sein, aber so wie Sie es vorschlagen, schmackhaft machen und Verträge schließen.

    Dann gibt es aber wieder Pflichten, die gut sind, wie sie sind, deren Rahmen stehen bleiben sollte. Wie man diesen Rahmen füllt, kann aber laufend diskutiert werden.
  6. #285

    Zitat von savoureur Beitrag anzeigen
    Ich habe damals den Sinn nicht verstanden, warum ich Klavier spielen soll. Das zeigte sich erst in den Zwanzigern. Und da war es schon reichlich spät!

    Sie sehen, es gibt Dinge, wo sich Eltern durchsetzen sollten - purer Zwang muss das ja gar nicht sein, aber so wie Sie es vorschlagen, schmackhaft machen und Verträge schließen.
    Vielleicht sind Ihre Eltern einfach nur schlechte Verkäufer ;-)

    Ich hatte schon ein paar Lehrer, die auch richtig gut waren und mit denen es Spaß gemacht hat, was zu lernen. Ein gemeinsames Merkmal von ihnen war, dass sie die Inhalte richtig gut "verkaufen" konnten. Sie haben auch von sich erzählt u.a. ähnlich wie Ihre Klavier-Geschichte.

    Meistens mit dem einleitenden Satz: "Ihr werdet es wahrscheinlich noch nicht ganz verstehen - für euch sind momentan ganz andere Sachen wichtiger, wie z.B. der Fußballverein oder die hübschen Mädels oder Jungs aus der Parallelklasse, ich war auch einmal so alt wie ihr und mir ist es genau so gegangen und ich hatte das damals auch nicht verstanden, aber jetzt, wo ich älter bin ..."

    Es ist immer ganz gut, die Leute dort abzuholen, wo sie gerade stehen.
  7. #286

    Zitat von savoureur Beitrag anzeigen
    Ich habe damals den Sinn nicht verstanden, warum ich Klavier spielen soll. Das zeigte sich erst ...
    Eines wollte ich nachschieben:

    Wenn Kinder schon in ganz jungen Jahren an ganz kleinen Sachen lernen, dass alles, was sie tun, Konsequenzen hat, für die sie selbst verantwortlich sind, auch das gegenseitige Vertrauen zwischen Eltern und Kind sehr stark wächst.

    Das hat zur Folge, dass wenn man später z.B. als Vater eine Empfehlung ausspricht, die eine sehr langfristige, eigentlich unüberschaubare Tragweite hat oder ein Thema anspricht, dessen Konsequenzen man nicht erfahrbar machen kann (z.B. von einem Auto überfahren zu werden), das Vertrauen da ist und deswegen diese Empfehlung sehr ernst genommen wird.
  8. #287

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    Ich hatte schon ein paar Lehrer, die auch richtig gut waren und mit denen es Spaß gemacht hat, was zu lernen. Ein gemeinsames Merkmal von ihnen war, dass sie die Inhalte richtig gut "verkaufen" konnten. Sie haben auch von sich erzählt u.a. ähnlich wie Ihre Klavier-Geschichte.
    Für jemanden, der Wert darauf legt, sein Leben vollkommen selbst zu bestimmen, ist es ein gewisses Armutszeugnis, wenn er sich in der Frage, ob ihn ein bestimmtes Thema interessiert oder nicht, davon beeinflussen lässt, wie und von wem es ihm präsentiert wird.

    Meistens mit dem einleitenden Satz: "Ihr werdet es wahrscheinlich noch nicht ganz verstehen - für euch sind momentan ganz andere Sachen wichtiger, wie z.B. der Fußballverein oder die hübschen Mädels oder Jungs aus der Parallelklasse, ich war auch einmal so alt wie ihr und mir ist es genau so gegangen und ich hatte das damals auch nicht verstanden, aber jetzt, wo ich älter bin ..."
    Ich lach mich tot. Erstens weil das völlig unlogisch ist. Wenn die Schüler tatsächlich aufgrund ihrer pubertären Hormonlage allem, was der Lehrer sagt, mit Unverständnis begegnen, warum sollte diese Ankündigung dann eine Ausnahme sein? Und zweitens, weil das letzte, worauf pubertierende Schüler stehen, Anbiederungsversuche nach dem Motto „ich bin einer von euch“ sind.

    Es ist immer ganz gut, die Leute dort abzuholen, wo sie gerade stehen.
    Wenn man Widerspruch gegen Unsinn verhindern will, verpackt man ihn in einen möglichst kurzen, aalglatten Spruch. Uralter rhetorischer Trick.

    Wenn es gilt, gemeinsam einen Gipfel zu erklimmen, wäre es dann nicht vielleicht doch besser, alle Teilnehmer zu einem Treffpunkt am Fuß des Berges zu bestellen?
  9. #288

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Für jemanden, der Wert darauf legt, sein Leben vollkommen selbst zu bestimmen, ist es ein gewisses Armutszeugnis, wenn er sich in der Frage, ob ihn ein bestimmtes Thema interessiert oder nicht, davon beeinflussen lässt, wie und von wem es ihm präsentiert wird.
    Ich unterscheide schon sehr genau zwischen vertrauenswürdigen und nicht vertrauenswürdigen Personen. Ich unterscheide auch sehr genau zwischen einer transparenten, nachvollziehbaren Darstellung der Sachlage und einer bloßen Überredung.

    Kinder tun das übrigens auch. Die haben ein sehr gutes Gespür dafür, was reine Werbung ist und was nicht. Etwas schwieriger wird es bei Propaganda, die reiner Werbung entspricht, allerdings häufig in Vernunft und Objektivität gekleidet wird, um die eigentlichen Ziele zu verdecken.

    Bestes Beispiel ist die Politikberichterstattung aus den Massenmedien.
    Darin wird ständig indirekt die Nachricht wiederholt, dass ein Macht- und Gewaltmonopol wie der Staat mitsamt seinen Politikern irgendwie alternativlos und absolut überlebenswichtig sei, weil die Menschen so strunzdumm sind, dass sie ihren eigenen Kram nicht regeln können, da sonst der totale, endgültige und finale Zusammenbruch kommen soll.
    Dabei ist es gerade die Politik, die großen Tragödien der Menschheit verursacht hat.
    Auf den Rest gehe ich nicht ein - das war nur reine Polemik. Wahrscheinlich nur ein Reflex auf unbehagliche Argumente.
  10. #289

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    Es ist immer ganz gut, die Leute dort abzuholen, wo sie gerade stehen.
    Wissen Sie, was mein Neffe mir sagte, als er durch die Anfängervorlesung im Fach X mit Pauken und Trompeten durchgerauscht ist?

    "In den ersten zwei, drei Sitzungen kamen die Dinge dran, die wir am Schluss in der Schule gemacht hatten. Das fand ich langweilig, und ich dachte, was soll's, das kann ich sowieso schon alles. Ich habe die Dinge daraufhin schleifen lasen und habe es dann gar nicht mehr so richtig mitgekriegt, als tatsächlich neue Dinge drankamen. Und dann war's zu spät, ich konnte nicht mehr folgen."

    Verstehe ich gar nicht. Offenbar wurde er doch genau dort abgeholt, wo er stand.








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