Forum: Uni + Bildung
Erziehung - wie ungerecht ist unser Schulsystem?
Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
- #240 26.06.2012 11:26 von
Mathematik
Ich gebe Ihnen unbedingt Recht:
Die von Ihnen genannten Inhalte gehören zu dem, was ich tagtäglich (neben vielen anderen Inhalten aus der Oberstufenmathematik) meinen Schülern (m/w) zu vermitteln versuche.
Aber auch und gerade denen sage ich, dass "Rechnen" nicht mit Mathematik zu verwechseln ist.
Sehen Sie: Viele Schüler (m/w) können in Mathematik-Klassenarbeiten und -Klausuren (wenn überhaupt) nur die sogenannten "reproduktiven" Anteile lösen. Das heißt, sie wenden (oft) geübte Verfahren und Vorgehensweisen ("Kochrezepte") an.
Mathematik findet DABEI nicht statt.
Weil es sehr gut ausgedrückt ist, zitiere ich:
"Für Mathematik gibt es keine allgemein anerkannte Definition; heute wird sie üblicherweise als eine Wissenschaft beschrieben, die selbst durch logische Definitionen geschaffene abstrakte Strukturen mittels der Logik auf ihre Eigenschaften und Muster untersucht."
Quelle: Mathematik
Insofern ist die ENTWICKLUNG eines Rechenverfahrens / eines Algorithmus Mathematik, aber nicht dessen Anwendung.
Ein einfaches Beispiel: Die Flächeninhaltsformel für den Kreis lautet
A = p*r²
Bei der Entwicklung dieser Formel, also z.B. insbesondere auch der (näherungsweisen!!!) Bestimmung der transzendenten Zahl p findet Mathematik statt. Aber nicht, wenn ein Mensch in diese Formel den Zahlenwert des Radius eines Bierdeckels einsetzt, um dessen Fläche zu berechnen.
Darum scheitern auch so viele Kinder in der Schule an Aufgaben, bei denen sie selbst den Lösungsweg finden müssen (Problemlösen) und nicht auf geübte Verfahren zurückgreifen können.
Sehen Sie den Unterschied?
Natürlich ist es die Aufgabe eines Mathematik-Lehrers (m/w), den Kindern (auch!!!) die Rechenverfahren auf verständliche und interessante Weise zu vermitteln (d.h. ihre Anwendung zu begründen und zu üben), aber dabei darf nicht Schluss sein. Zumindest nicht am Gymnasium.
Mich hat nichts und niemand gerissen. Ich vertrete diese Ansicht auch (s.o.) meinen Schülern (m/w) gegenüber.
Eben nicht s.o. - #241 26.06.2012 12:02 von
Erklärungen ? - Aber gerne !
Mit Gruppenarbeit abseits der heute vorherrschenden Unterrichtsform meine ich nicht, dass "Fritz, Max und Moritz nun mal zusammen etwas erarbeiten", sondern, dass z.B. alle Kinder oder Jugendlichen, die zu einem bestimmten Stoff einen Input erhalten oder sich erarbeiten sollen, dies für sich in einer Gruppe tun. Die anderen der Lerngruppe oder Klasse werden dies später, auf eine andere Art oder auch nie machen. Das bedeutet in kurzen Worten Binnendifferenzierung und individualisiertes Lernen.
Leider haben Sie es noch nicht verstanden. Auch der Input muss individualisiert von statten gehen. Jeder Schüler bekommt das, was er gerade braucht in dem Tempo das für ihn richtig ist. Er verarbeitet es allein oder in Gruppen und wird dann zusammen mit dem Lehrer den Lernerfolg prüfen und ggf. anpassen. Sonst ist es "Gießkanne über alle und jeder trinkt soviel er will".
Auf diese dumm-polemischen Worte muss man nicht weiter eingehen. Sie disqualifizieren ihren Autor eigentlich schon selbst. Auf dieses Niveau begebe ich mich nun nicht herab. - #242 26.06.2012 12:45 von
Unendliche Freiheit für alle ?
Reine Selbstbestimmung ist etwas tolles, nur stößt sie an Grenzen, wo es um Gruppen mit Regeln geht. Hier zweigen sie bereits fasch ab. Es geht bei der Schulpflicht nicht um Zwang an sich.
Es gibt verschiedene Arten von Pflichten, wenn man in einer Gemeinschaft lebt. Meldepflichten, Versicherungspflichten, Schulpflicht uvm.
Diese regeln hat sich die Gemeinschaft selbst gegeben. Sie zu ändern steht ihr ebenfalls frei.
Und wenn es eben nicht die Regeln sind, die ihnen gefallen, müssen sie mit ihnen leben oder auswandern.
Die hier verbreiteten Verschwörungstheorien sind abwegig und entbehren nicht einer gewissen Komik. Armstrong war ja auch nie auf dem Mond, M. Jackson ist nur auf seinen Planeten heimgekehrt und Elvis ist Tankwart in Nebraska. - #243 26.06.2012 13:25 von
Oh doch, genau darum geht es. Sie setzen meine Ablehnung gewaltsam durchgesetzter Regeln mit der Ansicht gleich, gar keine Regeln zu wollen. Da irren Sie sich aber gewaltig.
Es gab auch Sklaverei, Kinderarbeit, Benachteiligung von Frauen usw.Es gibt verschiedene Arten von Pflichten, wenn man in einer Gemeinschaft lebt. Meldepflichten, Versicherungspflichten, Schulpflicht uvm.
Wo ist er Vertrag, den ich unterschrieben haben soll?Diese regeln hat sich die Gemeinschaft selbst gegeben. Sie zu ändern steht ihr ebenfalls frei.
Na schön, dann ist es sicher rechtens, wenn ich zusammen mit 50 Gleichgesinnten Ihre Nachbarschaft bevölkere und wir dann ganz demokratisch beschließen, dass Sie uns Ihr Haus entschädigungslos übereignen müssen und dann bei uns zur Miete wohnen können. Aber hey - Sie können ja wegziehen! Und wissen Sie was? Wir lassen Sie sogar mit abstimmen!Und wenn es eben nicht die Regeln sind, die ihnen gefallen, müssen sie mit ihnen leben oder auswandern.
Diesen Absatz haben Sie wohl versehentlich hier reinkopiert. Oder Sie glauben, dass derjenige, der als erstes das Wort "Verschwörungstheorie" bringt, die Diskussion für sich entscheidet. Letzteres würde kein gutes Licht auf Sie werfen.Die hier verbreiteten Verschwörungstheorien sind abwegig und entbehren nicht einer gewissen Komik. Armstrong war ja auch nie auf dem Mond, M. Jackson ist nur auf seinen Planeten heimgekehrt und Elvis ist Tankwart in Nebraska. - #244 26.06.2012 13:38 von
"Krank" ist es, jede Pflicht, jede Verpflichtung, jedes Zuverlässigkeitsversprechung, jedes Aufeinanderverlassenkönnen als Zwang oder Gewalt zu empfinden. Das ist schlicht Verfolgungswahn. In diesem Lande wird mit Zeit und Raum, mit Geben und Nehmen, mit Rechten und Pflichten, mit Gut und Geld, mit Kultur und Zivilisation usw. auf hohem Niveau, nach anerkannten Regeln, in einem gegenseitigen Verhältnis umgegangen. Ihre Vorstellungen vom "Recht des Individuums" als eine uferlose und grenzenlose Freiheit jedes Einzelnen können Sie gerne für sich alleine versuchen durchzuhalten - die Gesellschaft in D wird das vertragen. Auch dass Sie zu Ihrer Freiheit noch einrechnen, missionieren zu müssen, ist nur ein verdrehten Stein im großen Mosaik. Deswegen: weiter so - es amüsiert und unterhält.
- #245 26.06.2012 14:37 von
Gut. Nach diesen Diffenzierungen wende ich nichts mehr ein. Bleibt mein Wunsch, dass für alle Kinder/Schulabgänger das Rechnen sitzt. Immerhin ist das Leben nach Schule/Studium arbeitsteilig organisiert; und für das ENTWICKELN von Rechenverfahren wird es Spezialisten geben, so wie in allen anderen Berufen auch.
Vielleicht ist es wie mit dem Unterschied zwischen Musikhören (können alle) --> Musikspielen (können einige)--> Musikkomponieren (können wenige). Um mal ein anderes Fach aufzugreifen... - #246 26.06.2012 16:03 von
Okay,
Sie wissen nicht, was Summerhill macht.
Link: Summerhill School - Wikipedia, the free encyclopedia
Den Rest ihrer Aussage halte ich für wenig fundiert, um es mal nett auszudrücken. - #247 26.06.2012 17:08 von
Es steht dort nicht, sich frei entscheiden können, dort überhaupt hingehen zu müssen oder auf Wunsch auch einfach fernzubleiben. Es scheint dort so etwas wie eine Präsenzpflicht zu geben, über die eben nicht demokratisch entschieden werden kann - ohne dass diese Präsenzpflicht formell ausgesprochen wird.
Im übrigen scheint diese Schule demokratisch organisiert zu sein. Das ist schon einmal besser als diktatorisch - so wie die meisten Schulen - aber demokratisch heißt nur, dass über die Interessen der Minderheiten einfach hinweg gegangen wird.
Dann müsste es Ihnen doch sehr leicht fallen, sie zu widerlegen. Sie tun es aber nicht, sondern stellen ihnen eine Vermutung bzw. persönliche Einschätzung entgegen.Den Rest ihrer Aussage halte ich für wenig fundiert, um es mal nett auszudrücken.
Trauen Sie sich! Welche Aussagen finden Sie "wenig fundiert"? Warum? Und wie widerlegen Sie sie? Bloß weil sie Ihnen ungewöhnlich vorkommen, sind sie noch lange nicht falsch.
Wenn Sie sie widerlegen und etwas richtigeres entgegenstellen, dann haben Sie mich voll und ganz auf Ihrer Seite. Ich lasse mich gerne überzeugen. Aber nicht von irgendwelchen persönlichen Mutmaßungen. - #248 26.06.2012 19:49 von
- #249 26.06.2012 21:15 von
Alleine die Anwesenheitspflicht ist schon ein fundamentaler Eingriff in die Freiheit des Individuums, da sie eine echte Wahlfreiheit konterkariert. Diese beinhaltet immer die Option, ohne Konsequenzen nein sagen zu dürfen.
Gerne.Wenn Sie sich bis zum WE gedulden können, dann lege ich es Ihnen auch gerne schriftlich nieder. Unter der Woche poste ich neben der Arbeit, da bleibt keine Zeit für ausführliche Erklärungen.
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