Erziehung - wie ungerecht ist unser Schulsystem?

Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
  1. #240

    Mathematik

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Zunächst halte ich es für eine primäre Wichtigkeit, dass die Kinder aus dem Mathematikunterricht (nach den Grundrechenarten) gerade insbesondere die Prozentrechnung - also auch Zinseszins - und Dreisatz perfekt beherrschen, dazu das kleine und große Einmaleins, etwas Geometrie (Viereck, Dreieck, Kreis) und sich in großen Zahlen zurechtfinden. Und all das gehört in den Mathe-Unterricht und damit zur Mathematik; auch wenn ich das gerne einfach Rechnen nenne;

    Ich gebe Ihnen unbedingt Recht:

    Die von Ihnen genannten Inhalte gehören zu dem, was ich tagtäglich (neben vielen anderen Inhalten aus der Oberstufenmathematik) meinen Schülern (m/w) zu vermitteln versuche.

    Aber auch und gerade denen sage ich, dass "Rechnen" nicht mit Mathematik zu verwechseln ist.

    Sehen Sie: Viele Schüler (m/w) können in Mathematik-Klassenarbeiten und -Klausuren (wenn überhaupt) nur die sogenannten "reproduktiven" Anteile lösen. Das heißt, sie wenden (oft) geübte Verfahren und Vorgehensweisen ("Kochrezepte") an.

    Mathematik findet DABEI nicht statt.

    Weil es sehr gut ausgedrückt ist, zitiere ich:

    "Für Mathematik gibt es keine allgemein anerkannte Definition; heute wird sie üblicherweise als eine Wissenschaft beschrieben, die selbst durch logische Definitionen geschaffene abstrakte Strukturen mittels der Logik auf ihre Eigenschaften und Muster untersucht."

    Quelle: Mathematik

    Insofern ist die ENTWICKLUNG eines Rechenverfahrens / eines Algorithmus Mathematik, aber nicht dessen Anwendung.

    Ein einfaches Beispiel: Die Flächeninhaltsformel für den Kreis lautet
    A = p*r²

    Bei der Entwicklung dieser Formel, also z.B. insbesondere auch der (näherungsweisen!!!) Bestimmung der transzendenten Zahl p findet Mathematik statt. Aber nicht, wenn ein Mensch in diese Formel den Zahlenwert des Radius eines Bierdeckels einsetzt, um dessen Fläche zu berechnen.

    Darum scheitern auch so viele Kinder in der Schule an Aufgaben, bei denen sie selbst den Lösungsweg finden müssen (Problemlösen) und nicht auf geübte Verfahren zurückgreifen können.

    Sehen Sie den Unterschied?

    Natürlich ist es die Aufgabe eines Mathematik-Lehrers (m/w), den Kindern (auch!!!) die Rechenverfahren auf verständliche und interessante Weise zu vermitteln (d.h. ihre Anwendung zu begründen und zu üben), aber dabei darf nicht Schluss sein. Zumindest nicht am Gymnasium.

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Schade, dass Sie als Mathematiklehrer sich zu so einer Bemerkung hinreißen lassen.
    Mich hat nichts und niemand gerissen. Ich vertrete diese Ansicht auch (s.o.) meinen Schülern (m/w) gegenüber.

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Sie ist m.E. unprofessionell, dazu unpädagogisch, unfair und falsch obendrein.
    Eben nicht s.o.
  2. #241

    Erklärungen ? - Aber gerne !

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    So, und jetzt erklären Sie mal einem Laien, der nicht so tief drinsteckt, warum ausgerechnet Gruppenarbeit nicht voraussetzt, dass sich alle gleichzeitig im selben Tempo mit dem gleichen Stoff beschäftigen ...
    Mit Gruppenarbeit abseits der heute vorherrschenden Unterrichtsform meine ich nicht, dass "Fritz, Max und Moritz nun mal zusammen etwas erarbeiten", sondern, dass z.B. alle Kinder oder Jugendlichen, die zu einem bestimmten Stoff einen Input erhalten oder sich erarbeiten sollen, dies für sich in einer Gruppe tun. Die anderen der Lerngruppe oder Klasse werden dies später, auf eine andere Art oder auch nie machen. Das bedeutet in kurzen Worten Binnendifferenzierung und individualisiertes Lernen.

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Bietet der Lehrer den Stoff dagegen frontal dar und verteilt anschließend Übungsaufgaben, um den Stoff zu festigen und zu vertiefen, so kann sich jeder einzelne Schüler genau das von dem argebotenen Material heraussuchen und dieses genau so weiterverarbeiten, wie es seinem momentanen Lernstand am besten entspricht, ohne auf andere Schüler und deren Lernstand Rücksicht nehmen zu müssen. Individueller geht es nur mit einem Privatlehrer.
    Leider haben Sie es noch nicht verstanden. Auch der Input muss individualisiert von statten gehen. Jeder Schüler bekommt das, was er gerade braucht in dem Tempo das für ihn richtig ist. Er verarbeitet es allein oder in Gruppen und wird dann zusammen mit dem Lehrer den Lernerfolg prüfen und ggf. anpassen. Sonst ist es "Gießkanne über alle und jeder trinkt soviel er will".

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Mit der ist es genauso bestellt wie mit der Ernährungsungerechtigkeit in deutschen Supermärkten. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Kinder aus unteren sozialen Schichten eher zu Fettleibigkeit neigen? Die Ursache dafür muss wohl im Angebot der Supermärkte liegen....
    Auf diese dumm-polemischen Worte muss man nicht weiter eingehen. Sie disqualifizieren ihren Autor eigentlich schon selbst. Auf dieses Niveau begebe ich mich nun nicht herab.
  3. #242

    Unendliche Freiheit für alle ?

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    Nein. Ich mag keine Systeme, die für Allheilmittel gehalten werden. Ich bin ein Befürworter der Selbstbestimmung.

    Das beziehe ich auf mich selbst, d.h. ich möchte zu nichts gezwungen werden, womit ich nicht einverstanden bin und auf meine Kinder, die ich nicht zu etwas zwingen will, was sie nicht wollen.
    Reine Selbstbestimmung ist etwas tolles, nur stößt sie an Grenzen, wo es um Gruppen mit Regeln geht. Hier zweigen sie bereits fasch ab. Es geht bei der Schulpflicht nicht um Zwang an sich.

    Es gibt verschiedene Arten von Pflichten, wenn man in einer Gemeinschaft lebt. Meldepflichten, Versicherungspflichten, Schulpflicht uvm.

    Diese regeln hat sich die Gemeinschaft selbst gegeben. Sie zu ändern steht ihr ebenfalls frei.

    Und wenn es eben nicht die Regeln sind, die ihnen gefallen, müssen sie mit ihnen leben oder auswandern.

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    Und um den Kreis wieder zu schließen: Das Hauptanliegen des staatlichen Bildungssystems ist es, diese Zusammenhänge zu verschleiern und die institutionalisierte Verletzung der Rechte des Individuums als „normal“ zu verkaufen.

    Von „normal“ kann aber keine Rede sein, denn es ist schlicht und einfach nicht „normal“ wenn ich Unschuldige unter Androhung von Gewalt (Gefangennahme, Enteignung, Verletzung usw.) zu etwas zwinge, was sie nicht wollen. Das ist nicht „normal“ sondern krank!
    Die hier verbreiteten Verschwörungstheorien sind abwegig und entbehren nicht einer gewissen Komik. Armstrong war ja auch nie auf dem Mond, M. Jackson ist nur auf seinen Planeten heimgekehrt und Elvis ist Tankwart in Nebraska.
  4. #243

    Zitat von austübingen Beitrag anzeigen
    Reine Selbstbestimmung ist etwas tolles, nur stößt sie an Grenzen, wo es um Gruppen mit Regeln geht. Hier zweigen sie bereits fasch ab. Es geht bei der Schulpflicht nicht um Zwang an sich.
    Oh doch, genau darum geht es. Sie setzen meine Ablehnung gewaltsam durchgesetzter Regeln mit der Ansicht gleich, gar keine Regeln zu wollen. Da irren Sie sich aber gewaltig.
    Es gibt verschiedene Arten von Pflichten, wenn man in einer Gemeinschaft lebt. Meldepflichten, Versicherungspflichten, Schulpflicht uvm.
    Es gab auch Sklaverei, Kinderarbeit, Benachteiligung von Frauen usw.
    Diese regeln hat sich die Gemeinschaft selbst gegeben. Sie zu ändern steht ihr ebenfalls frei.
    Wo ist er Vertrag, den ich unterschrieben haben soll?

    Und wenn es eben nicht die Regeln sind, die ihnen gefallen, müssen sie mit ihnen leben oder auswandern.
    Na schön, dann ist es sicher rechtens, wenn ich zusammen mit 50 Gleichgesinnten Ihre Nachbarschaft bevölkere und wir dann ganz demokratisch beschließen, dass Sie uns Ihr Haus entschädigungslos übereignen müssen und dann bei uns zur Miete wohnen können. Aber hey - Sie können ja wegziehen! Und wissen Sie was? Wir lassen Sie sogar mit abstimmen!

    Die hier verbreiteten Verschwörungstheorien sind abwegig und entbehren nicht einer gewissen Komik. Armstrong war ja auch nie auf dem Mond, M. Jackson ist nur auf seinen Planeten heimgekehrt und Elvis ist Tankwart in Nebraska.
    Diesen Absatz haben Sie wohl versehentlich hier reinkopiert. Oder Sie glauben, dass derjenige, der als erstes das Wort "Verschwörungstheorie" bringt, die Diskussion für sich entscheidet. Letzteres würde kein gutes Licht auf Sie werfen.
  5. #244

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    Nein. Ich mag keine Systeme, die für Allheilmittel gehalten werden. Ich bin ein Befürworter der Selbstbestimmung.

    Das Hauptanliegen des staatlichen Bildungssystems ist es, diese Zusammenhänge zu verschleiern und die institutionalisierte Verletzung der Rechte des Individuums als „normal“ zu verkaufen.

    Von „normal“ kann aber keine Rede sein, denn es ist schlicht und einfach nicht „normal“ wenn ich Unschuldige unter Androhung von Gewalt (Gefangennahme, Enteignung, Verletzung usw.) zu etwas zwinge, was sie nicht wollen. Das ist nicht „normal“ sondern krank!
    "Krank" ist es, jede Pflicht, jede Verpflichtung, jedes Zuverlässigkeitsversprechung, jedes Aufeinanderverlassenkönnen als Zwang oder Gewalt zu empfinden. Das ist schlicht Verfolgungswahn. In diesem Lande wird mit Zeit und Raum, mit Geben und Nehmen, mit Rechten und Pflichten, mit Gut und Geld, mit Kultur und Zivilisation usw. auf hohem Niveau, nach anerkannten Regeln, in einem gegenseitigen Verhältnis umgegangen. Ihre Vorstellungen vom "Recht des Individuums" als eine uferlose und grenzenlose Freiheit jedes Einzelnen können Sie gerne für sich alleine versuchen durchzuhalten - die Gesellschaft in D wird das vertragen. Auch dass Sie zu Ihrer Freiheit noch einrechnen, missionieren zu müssen, ist nur ein verdrehten Stein im großen Mosaik. Deswegen: weiter so - es amüsiert und unterhält.
  6. #245

    Zitat von leonardo-contra-pisa Beitrag anzeigen
    Ich gebe Ihnen unbedingt Recht:
    .....
    Insofern ist die ENTWICKLUNG eines Rechenverfahrens / eines Algorithmus Mathematik, aber nicht dessen Anwendung.

    Ein einfaches Beispiel: Die Flächeninhaltsformel für den Kreis lautet
    A = p*r²

    Bei der Entwicklung dieser Formel, also z.B. insbesondere auch der (näherungsweisen!!!) Bestimmung der transzendenten Zahl p findet Mathematik statt. Aber nicht, wenn ein Mensch in diese Formel den Zahlenwert des Radius eines Bierdeckels einsetzt, um dessen Fläche zu berechnen.

    Darum scheitern auch so viele Kinder in der Schule an Aufgaben, bei denen sie selbst den Lösungsweg finden müssen (Problemlösen) und nicht auf geübte Verfahren zurückgreifen können.

    Sehen Sie den Unterschied?

    Natürlich ist es die Aufgabe eines Mathematik-Lehrers (m/w), den Kindern (auch!!!) die Rechenverfahren auf verständliche und interessante Weise zu vermitteln (d.h. ihre Anwendung zu begründen und zu üben), aber dabei darf nicht Schluss sein. Zumindest nicht am Gymnasium.
    Gut. Nach diesen Diffenzierungen wende ich nichts mehr ein. Bleibt mein Wunsch, dass für alle Kinder/Schulabgänger das Rechnen sitzt. Immerhin ist das Leben nach Schule/Studium arbeitsteilig organisiert; und für das ENTWICKELN von Rechenverfahren wird es Spezialisten geben, so wie in allen anderen Berufen auch.

    Vielleicht ist es wie mit dem Unterschied zwischen Musikhören (können alle) --> Musikspielen (können einige)--> Musikkomponieren (können wenige). Um mal ein anderes Fach aufzugreifen...
  7. #246

    Okay,

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    Nein. Ich mag keine Systeme, die für Allheilmittel gehalten werden. Ich bin ein Befürworter der Selbstbestimmung.
    Sie wissen nicht, was Summerhill macht.
    Link: Summerhill School - Wikipedia, the free encyclopedia

    Den Rest ihrer Aussage halte ich für wenig fundiert, um es mal nett auszudrücken.
  8. #247

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen
    Sie wissen nicht, was Summerhill macht.
    Link: Summerhill School - Wikipedia, the free encyclopedia
    Es steht dort nicht, sich frei entscheiden können, dort überhaupt hingehen zu müssen oder auf Wunsch auch einfach fernzubleiben. Es scheint dort so etwas wie eine Präsenzpflicht zu geben, über die eben nicht demokratisch entschieden werden kann - ohne dass diese Präsenzpflicht formell ausgesprochen wird.

    Im übrigen scheint diese Schule demokratisch organisiert zu sein. Das ist schon einmal besser als diktatorisch - so wie die meisten Schulen - aber demokratisch heißt nur, dass über die Interessen der Minderheiten einfach hinweg gegangen wird.

    Den Rest ihrer Aussage halte ich für wenig fundiert, um es mal nett auszudrücken.
    Dann müsste es Ihnen doch sehr leicht fallen, sie zu widerlegen. Sie tun es aber nicht, sondern stellen ihnen eine Vermutung bzw. persönliche Einschätzung entgegen.

    Trauen Sie sich! Welche Aussagen finden Sie "wenig fundiert"? Warum? Und wie widerlegen Sie sie? Bloß weil sie Ihnen ungewöhnlich vorkommen, sind sie noch lange nicht falsch.

    Wenn Sie sie widerlegen und etwas richtigeres entgegenstellen, dann haben Sie mich voll und ganz auf Ihrer Seite. Ich lasse mich gerne überzeugen. Aber nicht von irgendwelchen persönlichen Mutmaßungen.
  9. #248

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    ...Es Wenn Sie sie widerlegen und etwas richtigeres entgegenstellen, dann haben Sie mich voll und ganz auf Ihrer Seite. Ich lasse mich gerne überzeugen. Aber nicht von irgendwelchen persönlichen Mutmaßungen.
    Die Schule ist ein Internat, da ist Präsenz einfach schon mal gegeben.

    Wenn Sie sich bis zum WE gedulden können, dann lege ich es Ihnen auch gerne schriftlich nieder. Unter der Woche poste ich neben der Arbeit, da bleibt keine Zeit für ausführliche Erklärungen.
  10. #249

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen
    Die Schule ist ein Internat, da ist Präsenz einfach schon mal gegeben.
    Alleine die Anwesenheitspflicht ist schon ein fundamentaler Eingriff in die Freiheit des Individuums, da sie eine echte Wahlfreiheit konterkariert. Diese beinhaltet immer die Option, ohne Konsequenzen nein sagen zu dürfen.

    Wenn Sie sich bis zum WE gedulden können, dann lege ich es Ihnen auch gerne schriftlich nieder. Unter der Woche poste ich neben der Arbeit, da bleibt keine Zeit für ausführliche Erklärungen.
    Gerne.