Forum: Uni + Bildung
Erziehung - wie ungerecht ist unser Schulsystem?
Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
- #150 22.06.2012 14:32 von
Möglicherweise haben Sie keine Phantasie dafür, wie sich die Zeiten geändert haben. Selbstverständlich sind es die ganz einfachen Menschheitsprobleme, denen man mit Gesetzen beikommen will und muss. Und wenn das Gesetz dafür nicht mehr ausreicht? Das Elternrecht ist und bleibt für die wachsende Zahl der Problemfälle (und nur um die geht es, meßbar an den immer stärker steigenden Sozialausgaben) das Nadelöhr für eine individuelle Besserung. Die künftige Gesellschaft kann sich nicht mehr den wachsenden Anteil der Eltern erlauben, die die Erziehungsaufgaben der Allgemeinheit aufbürden. Es ist naiv und gefährlich zu glauben, dass "sich in der Regel" alles letzlich zum Guten wenden wird.
- #151 22.06.2012 14:48 von
Und bei all den so netten Beiträgen schimmert immer wieder durch, wie wenig hilfreich das bisherige Elternrecht mit seinen so engen Auslegungen bei der Abwehr der bösesten Auswirkungen ist.
Es wäre Schwachsinn daraus ableiten zu wollen, das dem Staat die Hoheit über die kindlichen Himmelbetten gebührt.
Es sollte aber möglich sein, zumindest einen Weg zu finden, damit jungen Menschen nicht voreilig und zu schnell von ihren Eltern die Tür zu Bildung zugeschlagen wird. Mißachtung und Gleichgültigkeit sind auch eine Form von psychischer Mißhandlung. Für die rein körperliche sind ja die Gesetze wesentlich stringenter. - #152 22.06.2012 17:51 von
- #153 22.06.2012 18:28 von
Das stimmt sicherlich, aber wer von den Eltern ist so gut informiert, dass sie ihren Kindern wirklich raten können und zusätzlich, wie viele der Eltern sind in der Lage, sich auch durch zu setzen, damit die lieben Kleinen, ihre Ziele auch erreichen?
Leistung hat nicht nur unter Schülern einen schlechten Ruf, sondern auch unter Eltern. Wenn man dann noch die Wunschberufe sieht, dann kann man feststellen, dass es offensichtlich bei Mädchen nur 3 Berufe gibt und bei den Knaben nicht viel mehr.
MfG. Rainer - #154 22.06.2012 22:27 von
- Erstens widerspreche ich, denn meine Erfahrungen mit jungen Leuten sagen, dass gute Leistungen, gelungene Auftritte, erreichte Lösungen, gefundene Zusammenhänge usw. sehr wohl angestrebt werden und einen "guten Ruf" haben.
- Ja, es stimmt natürlich: nicht alle erreichen ihre Ziele; dafür erreichen andere mehr, als sie sich vorgenommen haben. So ist das Leben...
- Und das mit den angeblichen nur 3 Wunschberufen ist auch ein unzutreffendes Pauschalurteil. Professionelle Berufsberatung ist eine Angelegenheit ab 10. Klasse - für Lehrberufe genauso wie für Studierberufe. - #155 23.06.2012 08:51 von
Diese Schulpflicht ist gleichzeitig und in erster Linie ein Recht aller Kinder, aus den Steuergeldern ihrer Eltern vom Staat kostenlosen Unterricht zu bekommen. Und das in ca 5 mal 5 = 25 Stunden in einer Woche (168 Stunden). Die restliche Zeit (143 Stunden) stehen Kindern und Eltern offen, um "frei zu entscheiden" - und auf eigene Kosten - , was Kinder/innen noch so alles von der Welt kennenlernen sollen. Dieses Verhältnis ist gut und hat sich bewährt. Noch "freier" die Kinder auszubilden und zu erziehen, das können einzelne Eltern erreichen, wenn sie selber bereits als "Aussteiger" leben.
Die Schulpflicht abzuschaffen, das wäre nicht die "einfachste" Lösung, sondern die dümmste. - - Und finanziert wird Schule übrigens bei weitem nicht nur aus Steuergeldern, sondern auch aus Stiftungen und privaten Schuldgeldern. - #156 23.06.2012 12:50 von
- #157 23.06.2012 15:27 von
So schnell wurde selten jemand widerlegt. Wer hat je gedacht oder geschrieben, dass nicht die Mehrheit der Eltern die Vorteile ihrer Kinder will? Aber von 100% sind 20%, bei denen das nicht zutrifft, entschieden zuviel. Außerdem kommt ja noch eine ungenannte Menge dazu, von denen über die einfachen Kenntnisse hinaus, auch nicht allzuviel zu erwarten ist.
Der am 23.6. veröffentlichte Bildungsbericht weist aus, dass 20% der Schüler der harte Kern der "Bildungsverlierer" sind. Sie können weder richtig lesen noch schreiben und sind deshalb weitgehend berufsunfähig. Im Bericht wird dieser Anteil auch als "der feste Sockel der Verlorenen" bezeichnet.
20% potenzielle ewige Hartz4-Empfänger kann auf Dauer eine Volkswirtschaft nicht verkraften. Rechnet man noch die aus anderen Gründen Hilfsbedürftigen dazu, entsteht eine leistungsunfähige Grundlast, die Berg-neu doch wirklich zum Nachdenken anregen sollte. Wenn Eltern in der Erziehung versagen, ist das kein persönliches Problem mehr.
Und wer glaubt, dass das Problem mit Geld zusammenhängt, dem sei gesagt, dass die Grundschulbildung bei uns keine Frage des Geldes ist. Armut als Ursache dafür zu benennen, nicht Lesen und Schreiben zu können, ist so hohl wie die Köpfe derer, die glauben, dass man mit dem Besitz von 1 Mio automatisch auch lesen und schreiben kann. Die soll es ja auch geben.
Um diesem Problem wirkungsvoll begegnen zu können, muß das Elternrecht novelliert werden. - #158 23.06.2012 15:36 von
Da jubelt nur noch der hinterste Stammtisch. Das dann folgende Durcheinander wäre unvorstellbar. An der Bildung der Kinder zu sparen, war in grauen Vorzeiten üblich oder gar alternativlos. Jetzt das zu tun wäre ein Himmelfahrtskommando. Auch Freiwillig wäre dann nicht mehr frei in seinen Perspektiven.
- #159 23.06.2012 20:40 von
Ja, als Instrument des politischen Machterhalts hat sich die Schulpflicht defintiv bewährt.
Das geht nur, wenn man aus Deutschland auswandert. Wer als Eltern sein Kind nicht in die Schule bringt, kommt ins Gefängnis.Noch "freier" die Kinder auszubilden und zu erziehen, das können einzelne Eltern erreichen, wenn sie selber bereits als "Aussteiger" leben.
Hier fehlt eine sachliche Begründung.Die Schulpflicht abzuschaffen, das wäre nicht die "einfachste" Lösung, sondern die dümmste. - -
Warum soll sie dann nicht zu 100% aus solchen Geldern finanziert werden?Und finanziert wird Schule übrigens bei weitem nicht nur aus Steuergeldern, sondern auch aus Stiftungen und privaten Schuldgeldern.
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