Erziehung - wie ungerecht ist unser Schulsystem?

Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
  1. #150

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Möglicherweise wissen Sie nicht viel aus der Sklavenhaltergesellschaft, sonst würden Sie sich Ihren Vergleich verkneifen. Ihre Fragen berühren ganz einfache Menschheitsprobleme, und es gibt ganz einfache Antworten. Zwei Antworten:
    - alles, was Sie aufzählen, kann Kindern auch außerhalb des Elternhauses widerfahren.
    - In der Regel allerdings entscheiden die Eltern zu Gunsten ihrer Kinder, nicht zu deren Ungunsten.
    Möglicherweise haben Sie keine Phantasie dafür, wie sich die Zeiten geändert haben. Selbstverständlich sind es die ganz einfachen Menschheitsprobleme, denen man mit Gesetzen beikommen will und muss. Und wenn das Gesetz dafür nicht mehr ausreicht? Das Elternrecht ist und bleibt für die wachsende Zahl der Problemfälle (und nur um die geht es, meßbar an den immer stärker steigenden Sozialausgaben) das Nadelöhr für eine individuelle Besserung. Die künftige Gesellschaft kann sich nicht mehr den wachsenden Anteil der Eltern erlauben, die die Erziehungsaufgaben der Allgemeinheit aufbürden. Es ist naiv und gefährlich zu glauben, dass "sich in der Regel" alles letzlich zum Guten wenden wird.
  2. #151

    Und bei all den so netten Beiträgen schimmert immer wieder durch, wie wenig hilfreich das bisherige Elternrecht mit seinen so engen Auslegungen bei der Abwehr der bösesten Auswirkungen ist.

    Es wäre Schwachsinn daraus ableiten zu wollen, das dem Staat die Hoheit über die kindlichen Himmelbetten gebührt.

    Es sollte aber möglich sein, zumindest einen Weg zu finden, damit jungen Menschen nicht voreilig und zu schnell von ihren Eltern die Tür zu Bildung zugeschlagen wird. Mißachtung und Gleichgültigkeit sind auch eine Form von psychischer Mißhandlung. Für die rein körperliche sind ja die Gesetze wesentlich stringenter.
  3. #152

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
    Die einfachste Lösung wäre, die Schulpflicht abzuschaffen und die Leute frei entscheiden zu lassen, ob sie die staatlichen Schulen noch mit ihren Steuergeldern finanzieren wollen.
  4. #153

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    ..........
    - In der Regel allerdings entscheiden die Eltern zu Gunsten ihrer Kinder, nicht zu deren Ungunsten.
    Das stimmt sicherlich, aber wer von den Eltern ist so gut informiert, dass sie ihren Kindern wirklich raten können und zusätzlich, wie viele der Eltern sind in der Lage, sich auch durch zu setzen, damit die lieben Kleinen, ihre Ziele auch erreichen?

    Leistung hat nicht nur unter Schülern einen schlechten Ruf, sondern auch unter Eltern. Wenn man dann noch die Wunschberufe sieht, dann kann man feststellen, dass es offensichtlich bei Mädchen nur 3 Berufe gibt und bei den Knaben nicht viel mehr.

    MfG. Rainer
  5. #154

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    ..... wie viele der Eltern sind in der Lage, sich auch durch zu setzen, damit die lieben Kleinen, ihre Ziele auch erreichen?

    Leistung hat nicht nur unter Schülern einen schlechten Ruf, sondern auch unter Eltern. Wenn man dann noch die Wunschberufe sieht, dann kann man feststellen, dass es offensichtlich bei Mädchen nur 3 Berufe gibt und bei den Knaben nicht viel mehr.

    MfG. Rainer
    - Erstens widerspreche ich, denn meine Erfahrungen mit jungen Leuten sagen, dass gute Leistungen, gelungene Auftritte, erreichte Lösungen, gefundene Zusammenhänge usw. sehr wohl angestrebt werden und einen "guten Ruf" haben.
    - Ja, es stimmt natürlich: nicht alle erreichen ihre Ziele; dafür erreichen andere mehr, als sie sich vorgenommen haben. So ist das Leben...
    - Und das mit den angeblichen nur 3 Wunschberufen ist auch ein unzutreffendes Pauschalurteil. Professionelle Berufsberatung ist eine Angelegenheit ab 10. Klasse - für Lehrberufe genauso wie für Studierberufe.
  6. #155

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    Die einfachste Lösung wäre, die Schulpflicht abzuschaffen und die Leute frei entscheiden zu lassen, ob sie die staatlichen Schulen noch mit ihren Steuergeldern finanzieren wollen.
    Diese Schulpflicht ist gleichzeitig und in erster Linie ein Recht aller Kinder, aus den Steuergeldern ihrer Eltern vom Staat kostenlosen Unterricht zu bekommen. Und das in ca 5 mal 5 = 25 Stunden in einer Woche (168 Stunden). Die restliche Zeit (143 Stunden) stehen Kindern und Eltern offen, um "frei zu entscheiden" - und auf eigene Kosten - , was Kinder/innen noch so alles von der Welt kennenlernen sollen. Dieses Verhältnis ist gut und hat sich bewährt. Noch "freier" die Kinder auszubilden und zu erziehen, das können einzelne Eltern erreichen, wenn sie selber bereits als "Aussteiger" leben.

    Die Schulpflicht abzuschaffen, das wäre nicht die "einfachste" Lösung, sondern die dümmste. - - Und finanziert wird Schule übrigens bei weitem nicht nur aus Steuergeldern, sondern auch aus Stiftungen und privaten Schuldgeldern.
  7. #156

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    .........Professionelle Berufsberatung ist eine Angelegenheit ab 10. Klasse - für Lehrberufe genauso wie für Studierberufe.
    Wenn die Berufsberatung so toll ist, wo kommen dann die vielen Lehrabbrecher her und die vielen, die zwar einen Beruf haben, aber einen ungeliebten und wer errechnet eigentlich den Bedarf an Metzgereifachverkäuferinnen und Friseurinnen mit Anspruch auf Hungerlohn.

    MfG. Rainer
  8. #157

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    - In der Regel allerdings entscheiden die Eltern zu Gunsten ihrer Kinder, nicht zu deren Ungunsten.
    So schnell wurde selten jemand widerlegt. Wer hat je gedacht oder geschrieben, dass nicht die Mehrheit der Eltern die Vorteile ihrer Kinder will? Aber von 100% sind 20%, bei denen das nicht zutrifft, entschieden zuviel. Außerdem kommt ja noch eine ungenannte Menge dazu, von denen über die einfachen Kenntnisse hinaus, auch nicht allzuviel zu erwarten ist.

    Der am 23.6. veröffentlichte Bildungsbericht weist aus, dass 20% der Schüler der harte Kern der "Bildungsverlierer" sind. Sie können weder richtig lesen noch schreiben und sind deshalb weitgehend berufsunfähig. Im Bericht wird dieser Anteil auch als "der feste Sockel der Verlorenen" bezeichnet.

    20% potenzielle ewige Hartz4-Empfänger kann auf Dauer eine Volkswirtschaft nicht verkraften. Rechnet man noch die aus anderen Gründen Hilfsbedürftigen dazu, entsteht eine leistungsunfähige Grundlast, die Berg-neu doch wirklich zum Nachdenken anregen sollte. Wenn Eltern in der Erziehung versagen, ist das kein persönliches Problem mehr.

    Und wer glaubt, dass das Problem mit Geld zusammenhängt, dem sei gesagt, dass die Grundschulbildung bei uns keine Frage des Geldes ist. Armut als Ursache dafür zu benennen, nicht Lesen und Schreiben zu können, ist so hohl wie die Köpfe derer, die glauben, dass man mit dem Besitz von 1 Mio automatisch auch lesen und schreiben kann. Die soll es ja auch geben.

    Um diesem Problem wirkungsvoll begegnen zu können, muß das Elternrecht novelliert werden.
  9. #158

    Zitat von freiwilligfrei.de Beitrag anzeigen
    Die einfachste Lösung wäre, die Schulpflicht abzuschaffen und die Leute frei entscheiden zu lassen, ob sie die staatlichen Schulen noch mit ihren Steuergeldern finanzieren wollen.
    Da jubelt nur noch der hinterste Stammtisch. Das dann folgende Durcheinander wäre unvorstellbar. An der Bildung der Kinder zu sparen, war in grauen Vorzeiten üblich oder gar alternativlos. Jetzt das zu tun wäre ein Himmelfahrtskommando. Auch Freiwillig wäre dann nicht mehr frei in seinen Perspektiven.
  10. #159

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Diese Schulpflicht ist gleichzeitig und in erster Linie ein Recht aller Kinder, aus den Steuergeldern ihrer Eltern vom Staat kostenlosen Unterricht zu bekommen. Und das in ca 5 mal 5 = 25 Stunden in einer Woche (168 Stunden). Die restliche Zeit (143 Stunden) stehen Kindern und Eltern offen, um "frei zu entscheiden" - und auf eigene Kosten - , was Kinder/innen noch so alles von der Welt kennenlernen sollen. Dieses Verhältnis ist gut und hat sich bewährt.
    Ja, als Instrument des politischen Machterhalts hat sich die Schulpflicht defintiv bewährt.

    Noch "freier" die Kinder auszubilden und zu erziehen, das können einzelne Eltern erreichen, wenn sie selber bereits als "Aussteiger" leben.
    Das geht nur, wenn man aus Deutschland auswandert. Wer als Eltern sein Kind nicht in die Schule bringt, kommt ins Gefängnis.

    Die Schulpflicht abzuschaffen, das wäre nicht die "einfachste" Lösung, sondern die dümmste. - -
    Hier fehlt eine sachliche Begründung.

    Und finanziert wird Schule übrigens bei weitem nicht nur aus Steuergeldern, sondern auch aus Stiftungen und privaten Schuldgeldern.
    Warum soll sie dann nicht zu 100% aus solchen Geldern finanziert werden?