Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
Der Forist schrieb von:
...,müssen SuS von suizidalen Handlungen abgehalten werden. ...schulische Sterbehilfe ....Hirntoten in den Klassen ......Spenderorgane benötigt würden.....
Aufbewahrungsbestätigung (so ähnlich wie ein Gepäckschein) ...
Sie erwarten doch bitte nicht von mir, dass ich Ihnen im Detail erkläre, wie abwegig ich diese Gedankengänge finde. Sie werden dem Thema nicht gerecht - das war meine zusammenfassende Meinung.
Wenn Sie allerdings den Foristen selber meinen - dann haben Sie wohl den Nagel auf den Kopf getroffen und sich etwas deutlicher ausgedrückt als ich.
Unser Schulsystem ist nicht ungerecht. Kein Schüler, der gute Noten schreibt, der sich interessiert am Unterricht beteiligt und der keine Gefahr für seine Mitschüler darstellt, wird irgendwie gebremst. Solche Schüler kommen gut durch. Jeder Lehrer freut sich über möglichst viele gute Schüler in seiner Klasse, wo soll es da eine Ungerechtigkeit geben?
Die Probleme beginnen bei den weniger guten Schülern. Hier kommen die Eltern ins Spiel: Die einen können ihren Kindern helfen, Tipps geben, Nachhilfe bezahlen, bei den Lehrern "Gutwetter" machen. Andere Eltern können das nicht, oder wollen das nicht, oder denken, jemand anderer (der Staat?) sei zuständig. Hier entstehen die Unterschiede, an dieser Stelle können Eltern für die Zukunft ihrer Kinder etwas tun, hier gibt es die Kinder, die vielleicht bei einer besseren elterlichen Förderung mehr erreichen könnten.
Das aber bedeutet, nicht das Schulsystem ist ungerecht, die Ungerechtigkeit entsteht da, wo sich die Kinder die falschen Eltern ausgesucht haben. Und da man das nicht gerne eingesteht, und da dies auch niemand beeinflussen kann, lamentiert man stattdessen über das "ungerechte" Schulsystem.
Unabhängig vom Bildungssystem fängt die Ungerechtigkeit mit der Geburt an, setzt sich mit dem Einfluss der Eltern fort, kann dann auch zu falschen Maßstäben und Freunden führen und endet erst mit dem Tod.
Diese Kaskade der Ungerechtigkeit ist nur an einer Stelle zu brechen. Dem Elternrecht. Und diese Bruchstelle ist heikel. Mit welchem Recht besteht der Anspruch der Eltern oder Erzieher, über die Religion ihrer Kinder zu bestimmen? Mit welchem Recht wird den Kindern von den Eltern die Bildung verweigert? Warum können den Kindern von ihren Eltern straflos die größten gesundheitlichen Risiken (Veganer, Raucher, Süchtige, Adipositasernährung) zugefügt werden?
Viele Kinder haben Sklavenstatus. Leider führt daran kein Weg vorbei.
Möglicherweise wissen Sie nicht viel aus der Sklavenhaltergesellschaft, sonst würden Sie sich Ihren Vergleich verkneifen.
Ihre Fragen berühren ganz einfache Menschheitsprobleme, und es gibt ganz einfache Antworten. Zwei Antworten:
- alles, was Sie aufzählen, kann Kindern auch außerhalb des Elternhauses widerfahren.
- In der Regel allerdings entscheiden die Eltern zu Gunsten ihrer Kinder, nicht zu deren Ungunsten.
Elite-Uni: Obdachloser Teenager kämpft sich nach Harvard - Nachrichten Panorama - WELT ONLINE
"Ich glaube, viele Menschen waren so hilfsbereit, weil sie sahen, dass
ich es wirklich wollte. Man kann einem Menschen noch so viele
Hilfestellungen geben, wie man will. Es ist nichts wert, wenn derjenige nicht bereit ist, selbst hart zu arbeiten."
Anders formuliert: Helfende Hände finden sich primär am unteren Ende der eigenen Arme.
Genau diese Erkenntnis wird jedoch durch die deutsche Gutmenschen-Pädagogik mit ihrem ewigen Mantra von der fehlenden Bildungsgerechtigkeit wirksam verhindert.
Ganz genau so ist es, das kann man gar nicht oft genug sagen. Ich habe Abitur 90 gemacht, da gab es keinen Rassismus, keine Vorbehalte gegen "Neger" oder Türken: es wurde jeder für seine Leistung bewertet, für nicht mehr, nicht weniger. Unser Schulsystem war vielleicht das beste der Welt.
Wenn ich heute die Parole "no child left behind" lese, wird mir immer etwas schwummrig. Denn eigentlich kann damit ja nur gemeint sein, den Unterrichtslevel so weit nach unten anzupassen, daß auch der letzte Pakistani ohne Deutschkenntnisse Abitur machen und einer erfolgreichen Karriere als Taxifahrer entgegenblicken kann.
Wenn Sie über das Bildungsniveau anderer Menschen herziehen: warum zeigen Sie nicht Ihre eigene und informieren sich, bevor Sie sarrazinieren?
1)So haben knapp 2,6 Millionen der in Deutschland lebenden Muslime türkische Wurzeln...Hochrechnung: insgesamt etwa 4 Millionen Muslime
2)Sie erlangen seltener das Abitur, aber häufiger den Abschluss der zehnten Klasse als Deutsche. Die Nettoeinkommen pro Haushalt sind bei den Türken etwas niedriger, bei den höheren Einkommen bis 4000 Euro und mehr sind sie jedoch kaum weniger vertreten als Deutsche. Zuwanderer aus muslimisch geprägten Herkunftsländern, wie z.B. aus dem Iran, aber auch aus dem Nahen Osten, Nordafrika, Zentralasien oder Süd-/Südostasien, weisen jedoch häufig ein hohes Bildungsniveau auf. (2009)Und Anatolien war in den 60ern...Ein intergenerationaler Bildungsaufstieg lässt sich auch daran erkennen, dass 48 Prozent der männlichen Zuwanderer einen Abschluss einer weiterführenden Schule oder die Hochschulreife aus dem Herkunftsland mitbrachten, in der zweiten Generation bereits 64 Prozent die mittlere Reife bzw. das Abitur erlangen. Bei einer Betrachtung der Geschlechterunterschiede lässt sich insbesondere unter den türkeistämmigen Frauen ein bemerkenswerter Bildungsaufstieg erkennen. Waren noch 42 Prozent der türkeistämmigen Frauen der ersten Generation ohne jeglichen Schulabschluss zugewandert, so liegt dieser Anteil in der zweiten Generation bei knapp 14 Prozent, 21 Prozent erreichen die Hochschulreife. Bei Muslimen lässt sich somit ebenso wie allgemein ein Trend zu höheren Schulerfolgen bei Mädchen im Vergleich zu Jungen beobachten.
3)Die Ergebnisse belegen, dass zum Teil erhebliche Anteile der Personen mit Migrationshintergrund aus den untersuchten Herkunftsländern sich selbst nicht als Muslime betrachten.
Der Mitforist hat wohl die Anführungszeichen für den "letzten Pakistani" vergessen. Seien Sie etwas großzügiger - und gehen Sie auf die eigentliche Aussage ein.
Außerdem zeigen immer drei Finger zurück: Sie wollten doch nicht behaupten, dass "sich selbst nicht als Muslime betrachen" ein Qualitätsmerkmal ist?