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Erziehung - wie ungerecht ist unser Schulsystem?

Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
  1. #120

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    ........
    Nebenbei will ich noch anmerken, dass mein Nachhilfeschüler zwar etwas faul aber nicht dumm ist. Ein wirklich schlechter Schüler könnte mir keine alternativen Lösungswege anbieten, die sogar besser sind. Bei einer anderen Fachlehrerin oder -lehrer hätte er wohl eine bessere Benotung bekommen. So muss ich ihn in die Oberstufe "retten".
    Ich bin einer von den "Alten" und würde Ihrem Schüler empfehlen pünktlich zu Prüfungen zu erscheinen. Ist zwar ein ganz primitiver Rat, hat sich aber millionenfach bewährt.

    Vielleicht schreibt er mal ein Buch, "mein Leben als Genie".

    MfG. Rainer
  2. #121

    Zitat von discipulus_neu Beitrag anzeigen
    Grundsätzlich halte ich die Vorgehensweise des NRW-Schulministeriums und die Einlassungen der Uni-Köln für berechtigt.

    Auch die Hochschulen werden sich - wie die Schulen - an Zertifizierung gewöhnen müssen. In der diskutierten Mathematik-Klausur liegt doch der Verdacht sehr nahe, dass die verantwortliche Dozentin wesentliche Erkenntnisse moderner Lehr-Lern-Forschung ausßer Acht gelassen hat: Individuelle Förderung unter binnendifferenzierenden Aspekten, einseitige Fachorientierung statt Kompetenzen, input- statt outputorienterter Fragestellung, Anwendung moderner Lehrverfahren (Tischgruppe, Kugellager, Blitzlicht, Diskussion, Impulsreferat, ....).

    Warum eigentlich wenden die Hochschulen in ihrem Bereich nicht das an, was von Schulforschern und Bildungsexperten auf den einschlägigen Lehrstühlen gefordert wird: Z. Bsp. Bos, Klemm, Reich et alia. Gerade NRW ist diesbezüglich ja reich bestückt.
    Offensichtlich hat sich in den letzten 60 Jahren nicht viel verändert. Der Lehrer ist Schuld. Aber das wollten meine Eltern schon nicht glauben;o).

    MfG. Rainer
  3. #122

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    Ich bin einer von den "Alten" und würde Ihrem Schüler empfehlen pünktlich zu Prüfungen zu erscheinen. Ist zwar ein ganz primitiver Rat, hat sich aber millionenfach bewährt.
    Hallo Rainer,

    mein Nachhilfeschüler ist pünktlich erschienen - im Gegensatz zu einigen Mitschülern. Statt "persönliches Pech" für die Zuspätgekommen gab es die "Kollektivstrafe" für die Klasse: alle Schüler hatten nur 35 statt 45 Minuten Zeit, um die Aufgaben zu lösen.

    Pädagogik wie bei der Bundeswehr! Da war ich auch mal.

    Viele Grüße

    Markus
  4. #123

    Zitat von discipulus_neu Beitrag anzeigen
    Warum eigentlich wenden die Hochschulen in ihrem Bereich nicht das an, was von Schulforschern und Bildungsexperten auf den einschlägigen Lehrstühlen gefordert wird: Z. Bsp. Bos, Klemm, Reich et alia. Gerade NRW ist diesbezüglich ja reich bestückt.
    Es ist doch nur eine Frage der Zeit. Die Hochschulen werden nicht umhin kommen, sich den neuen Lehr- und Lernmethoden der Schulen anzupassen, bei den Medizinern genau wie bei den Ingenieuren. Und in der Folge werden sich auch deren Anwendungen selbst anpassen müssen, Krebsmedikamente ebenso wie Flugzeugtriebwerke.
  5. #124

    Zitat von discipulus_neu Beitrag anzeigen

    Auch die Hochschulen werden sich - wie die Schulen - an Zertifizierung gewöhnen müssen.
    Ich finde es vor allem ganz toll, dass die Hubschrauber-Eltern ihre Schwellenangst überwunden haben und nun auch über den Hörsälen der Universitäten kreisen. Nicht nur Schullehrern, sondern auch diesem abgehobenen Alma-mater-Peronal muss endlich eingeheizt werden, damit auch hier die menschanverachtende Selektion ein Ende hat und jeder stressfrei seinen Dr.copy & paste erreichen kann.
  6. #125

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Dieses Thema hatten sie erst in der Vorwoche gelehrt bekommen, ...
    Hier offenbart sich das eigentlichen Problem.

    (Im Übrigen lässt sich jede Aufgabe, die den Satz des Pythagoras erfordert, auch mit Strahlensätzen und Ähnlichkeitsbeziehungen lösen. Insofern ist Ihre Kritik „erst in der Vorwoche“ gegenstangslos.)
  7. #126

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Im Übrigen lässt sich jede Aufgabe, die den Satz des Pythagoras erfordert, auch mit Strahlensätzen und Ähnlichkeitsbeziehungen lösen.
    Weil ich gemein bin, kann ich Ihnen auch die letzte Aufgabe der vorletzten Arbeit liefern:

    Bestimme die maximale Seitenlänge eines Holzbalken mit maximaler quadratischer Grundfläche, der aus einem Baumstamm mit 75 cm Durchmesser gesägt werden soll!

    Schaffen Sie einen Lösungsansatz ohne den Satz des Pythagoras? Sie hätten maximal 10 Minuten Zeit.
    Mit dem Satz des Pythagoras ist die Lösung relativ einfach.
    Nebenbei muss ich noch anmerken, dass der Kathetensatz des Euklid im Unterricht nicht behandelt wurde. Als ehemaliger Realschüler musste ich diesen kennen, um den Satz des Pythagoras herzuleiten bzw. zu beweisen.
    Das war vor 20 Jahren. So sehr ändern sich die Lehrpläne und die Qualität der Schulbücher. Meiner Meinung steht hinter letzterem auch Lobbyismus. Wahrscheinlich bin ich aber auch nur die didaktisch ausgereiften Werke eines Schulbuchverlages aus Hannover gewöhnt gewesen.
  8. #127

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Im Übrigen lässt sich jede Aufgabe, die den Satz des Pythagoras erfordert, auch mit Strahlensätzen und Ähnlichkeitsbeziehungen lösen.
    Und ich vermute mal: so umständlich und kompliziert hat man das auch vor Pythagoras gemacht. Seine geniale Leistung besteht aber gerade darin, eine einfache, einleuchtende, direkte Beziehung im rechtwinkligen Dreieck gefunden zu haben - bei der man ohne Strahlensatz und Ähnlichkeitsbeziehungen auskommt.
  9. #128

    Wissen ohne Verstand und "G8"

    Ich hätte noch ein Beispiel zum Vermitteln von Wissen ohne Verstand. Bekanntlich wird in der Mittelstufe Geschichte chronologisch behandelt.

    Eine Klasse an einem Gymnasium in NRW wurde mal gefragt, ob sie Otto (Fürst) von Bismarck kennt. Die Schüler verneinten dies. Auf die Frage, bei welchem Thema sie gerade in Geschichte dran wären, antworteten sie: "Der Erste Weltkrieg." Ich bin mir nicht sicher, ob es so etwas früher auch gab.
    Anderseits muss man sich auch fragen, wer auf die Idee kam, den ganzen Lehrinhalt aus 9 Jahren Gymnasium in 8 Jahren zu verkürzen. Die Verantwortlichen hatten sich wahrscheinlich auch nicht mit den Lehrplänen befasst.
    Meiner Meinung nach wäre es schon ein Unterschied, ob ich mit 15-jährigen als mit 14-jährigen den Holocaust und Völkermord bespreche. Mathematisch ist es nur 1 Jahr oder 12 Monate. Diese könnten aber zum Verständnis des Themas wesentlich hilfreicher sein.
    Und nebenbei ist es ja auch so, dass wir jeden Tag geschichtliche Ereignisse erleben. Mein Geschichtsunterricht endete bei der "Kuba Krise". Heutige Geschichtsbücher der Mittelstufe haben Kaptitel zur Deutschen Wiedervereinigung. Also mehr Wissen in weniger Zeit - diese Logik ist für mich unverständlich.
    Ich weiß momentan nicht, ob hier "G8" schon intensiver besprochen wurde. Ich würde es als Ziel bezeichnen, dass nur an Gymnasien umgesetzt wird. Real- und noch Hauptschüler mit Mittlerer Reife müssen an den Gymnasien formell die 10. Klasse wiederholen. In dieser Klassenstufe gelangt man heutzutage in die Oberstufe.

    Diese Schüler profitieren von "G8" nicht!

    Man kann sich nun fragen, ob man Glück oder Pech gehabt haben, nach der Grundschule nicht auf ein Gymnasium oder eine Gesamtschule gewechselt zu haben.
  10. #129

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Bestimme die maximale Seitenlänge eines Holzbalken mit maximaler quadratischer Grundfläche, der aus einem Baumstamm mit 75 cm Durchmesser gesägt werden soll!
    Google weiß alles!
    Einfach die Suchworte "Fläche Quadrat im Kreis" eingeben und schon findet man die Formel:
    s=d/sqrt(2)

    s= Seitenlänge des Holzbalkens
    d= Durchmesser des Stammes = 75 cm.

    Zahlenwert einsetzen und ausrechnen dürfen Sie selbst.


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