Noch immer spielen in vielen Bundesländern die Herkunft und die Elterhäuser der Schüler eine größere Rolle beim schulischen Fortkommen als die individuelle Begabung. Dies zu ändern ist das Ziel der Bildungspolitik, doch über die Vorgehensweise wird häufig gestritten. Manche wollen auch gar nichts ändern. Wie ungerecht ist unser Schulsystem wirklich?
Hallo Rainer,
mein Nachhilfeschüler ist pünktlich erschienen - im Gegensatz zu einigen Mitschülern. Statt "persönliches Pech" für die Zuspätgekommen gab es die "Kollektivstrafe" für die Klasse: alle Schüler hatten nur 35 statt 45 Minuten Zeit, um die Aufgaben zu lösen.
Pädagogik wie bei der Bundeswehr! Da war ich auch mal.
Viele Grüße
Markus
Es ist doch nur eine Frage der Zeit. Die Hochschulen werden nicht umhin kommen, sich den neuen Lehr- und Lernmethoden der Schulen anzupassen, bei den Medizinern genau wie bei den Ingenieuren. Und in der Folge werden sich auch deren Anwendungen selbst anpassen müssen, Krebsmedikamente ebenso wie Flugzeugtriebwerke.
Ich finde es vor allem ganz toll, dass die Hubschrauber-Eltern ihre Schwellenangst überwunden haben und nun auch über den Hörsälen der Universitäten kreisen. Nicht nur Schullehrern, sondern auch diesem abgehobenen Alma-mater-Peronal muss endlich eingeheizt werden, damit auch hier die menschanverachtende Selektion ein Ende hat und jeder stressfrei seinen Dr.copy & paste erreichen kann.
Weil ich gemein bin, kann ich Ihnen auch die letzte Aufgabe der vorletzten Arbeit liefern:
Bestimme die maximale Seitenlänge eines Holzbalken mit maximaler quadratischer Grundfläche, der aus einem Baumstamm mit 75 cm Durchmesser gesägt werden soll!
Schaffen Sie einen Lösungsansatz ohne den Satz des Pythagoras? Sie hätten maximal 10 Minuten Zeit.
Mit dem Satz des Pythagoras ist die Lösung relativ einfach.
Nebenbei muss ich noch anmerken, dass der Kathetensatz des Euklid im Unterricht nicht behandelt wurde. Als ehemaliger Realschüler musste ich diesen kennen, um den Satz des Pythagoras herzuleiten bzw. zu beweisen.
Das war vor 20 Jahren. So sehr ändern sich die Lehrpläne und die Qualität der Schulbücher. Meiner Meinung steht hinter letzterem auch Lobbyismus. Wahrscheinlich bin ich aber auch nur die didaktisch ausgereiften Werke eines Schulbuchverlages aus Hannover gewöhnt gewesen.
Und ich vermute mal: so umständlich und kompliziert hat man das auch vor Pythagoras gemacht. Seine geniale Leistung besteht aber gerade darin, eine einfache, einleuchtende, direkte Beziehung im rechtwinkligen Dreieck gefunden zu haben - bei der man ohne Strahlensatz und Ähnlichkeitsbeziehungen auskommt.
Ich hätte noch ein Beispiel zum Vermitteln von Wissen ohne Verstand. Bekanntlich wird in der Mittelstufe Geschichte chronologisch behandelt.
Eine Klasse an einem Gymnasium in NRW wurde mal gefragt, ob sie Otto (Fürst) von Bismarck kennt. Die Schüler verneinten dies. Auf die Frage, bei welchem Thema sie gerade in Geschichte dran wären, antworteten sie: "Der Erste Weltkrieg." Ich bin mir nicht sicher, ob es so etwas früher auch gab.
Anderseits muss man sich auch fragen, wer auf die Idee kam, den ganzen Lehrinhalt aus 9 Jahren Gymnasium in 8 Jahren zu verkürzen. Die Verantwortlichen hatten sich wahrscheinlich auch nicht mit den Lehrplänen befasst.
Meiner Meinung nach wäre es schon ein Unterschied, ob ich mit 15-jährigen als mit 14-jährigen den Holocaust und Völkermord bespreche. Mathematisch ist es nur 1 Jahr oder 12 Monate. Diese könnten aber zum Verständnis des Themas wesentlich hilfreicher sein.
Und nebenbei ist es ja auch so, dass wir jeden Tag geschichtliche Ereignisse erleben. Mein Geschichtsunterricht endete bei der "Kuba Krise". Heutige Geschichtsbücher der Mittelstufe haben Kaptitel zur Deutschen Wiedervereinigung. Also mehr Wissen in weniger Zeit - diese Logik ist für mich unverständlich.
Ich weiß momentan nicht, ob hier "G8" schon intensiver besprochen wurde. Ich würde es als Ziel bezeichnen, dass nur an Gymnasien umgesetzt wird. Real- und noch Hauptschüler mit Mittlerer Reife müssen an den Gymnasien formell die 10. Klasse wiederholen. In dieser Klassenstufe gelangt man heutzutage in die Oberstufe.
Diese Schüler profitieren von "G8" nicht!
Man kann sich nun fragen, ob man Glück oder Pech gehabt haben, nach der Grundschule nicht auf ein Gymnasium oder eine Gesamtschule gewechselt zu haben.