Man kann es einfach ausdrücken: Mogeln ist überhaupt nicht erlaubt!
Man sollte aber auch berücksichtigen, dass eine Doktorarbeit ohne den Rückgriff auf vorhergehende Arbeiten anderer Autoren unmöglich ist. Dies muss nur korrekt gekennzeichnet werden. Eine Doktorarbeit soll neue wissenschaftliche Erkenntnisse erarbeiten, dabei muss sie selbstverständlich auf anderweitigen Ergebnissen aufbauen. Wenn hier ein wenig nachlässig zitiert wurde, dann reden übelgesonnene Zeitgenossen von Plagiat, Urkundenfälschung oder Mogelei. Für mich ist dies Schlampigkeit, aber noch keine Mogelei.
Mogelei fängt bei mir an, wenn durch "Schwadroniererei" und durch "Wortgeklingel" verdeckt wird, dass der Doktorand keinerlei neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefert. Wenn er das Sachgebiet nicht beherrscht, wenn er Ergebnisse verfälscht und abändert, damit sie in seine Argumentation passen.
Im Normalfall absolvieren Doktoranden nach ihrem Hauptstudium ein Promotionsstudium; sie sind in eine Arbeitsgruppe bei ihrem Doktorvater integriert. Wöchentliche Doktorandenseminare, Vorträge und Diskussionen vor versammelter Mannschaft sorgen dafür, dass eine Doktorarbeit "weitergeht" und auch Ergebnisse liefert. Viele Augen würden sofort bemerken, wenn jemand nur abschreibt und nichts selbst beiträgt.
Die in der Öffentlichkeit aufgefallenen ermogelten prominenten Doktorarbeiten waren aber keine "normalen" Doktorarbeiten über ein Promotionsstudium. Die Herrschaften (oder deren Eltern) kannten einen Lehrstuhlinhaber, der als Doktorvater dienen konnte. Die Arbeit wurde außeruniversitär geschrieben (oder schreiben lassen), zu Hause, in irgendwelchen Bibliotheken, ohne permanente Kontrolle durch Mitdoktoranden oder durch den Doktorvater. Bei solchen Konstellationen sind Mogeleien natürlich Tür und Tor geöffnet, besonders wenn Doktorvater, Koreferent und Promotionskommission wegen der Prominenz des Kandidaten nicht genau hinschauen. Würde man solche außeruniversitären Promotionsmöglichkeiten abschaffen, wäre das Mogelproblem größtenteils gelöst.



