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Burschenschaften - Alles, was rechts ist?

Burschenschaften, Studentenverbindungen, Korporationen: Das Image, "rechts" zu sein, werden sie nur schwer los. Die SPD will jetzt rechten Burschenschaftern wegen reaktionärer und sexistischer Einstellung die Parteimitgliedschaft verwehren. Eine richtige Initiative? Sind wirklich alle Burschenschaften rechtsgerichtet? Wie sehen Sie die studentischen Verbindungen an den Universitäten?
  1. #190

    Damenverbindungen

    Schade, dass sich hier so wenig Frauen zu Wort melden.

    Ich bin selbst Mitglied in zwei Damenverbindungen. Vor ein paar Jahren bin ich aus den Jusos ausgetreten, weil die Juso-Hochschulgruppen die Mitgliedschaft in Studentenverbindungen schon laenger fuer unvereinbar mit der Juso-Mitgliedschaft halten. Das hat mich ziemlich sauer gemacht. Haette es natuerlich auch verheimlichen koennen, aber wie bescheuert waere das gewesen?

    Im Uebrigen finde ich es suess, dass die anwesenden korporierten Herren hier eine Bresche fuer die Damenverbindungen zu schlagen versuchen - schliesslich geht es um ihren Ruf, und da kommen die DVen ausnahmsweise mal recht. Normalerweise sehen die meisten korporierte Frauen erstmal skeptisch. Vielleicht genauso, wie viele Freimaurer neue Damenlogen skeptisch betrachten. Zum Glueck konnten wir uns in den letzten Jahren sehr gut behaupten und viele von unseren (mit Sicherheit zT neuen/anderen) Ideen ueberzeugen.

    Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass maennliche Verbindungsstudenten nicht sexistischer sind als andere Maenner. Klar, auf jedem Haus schauen sich die Jungs mal Pornos an, aber hier gilt mal wieder Glashaus - Steine. Als schmueckendes Beiwerk auf Veranstaltungen habe ich mich nie empfunden; wir reden maennlichen Verbindungen auch nicht nach dem Mund. <-- Das sind meist die ueblichen Vorwuerfe der Jusos gegen Damenverbindungen.
  2. #191

    Zitat von arte de la comedia
    Wo ist der doppelte Wortsinn?
    Sehe, wie man das missverstehen kann, sorry.
    Begruessen i.S.v. Willkommen heissen
    Begruessen i.S.v. sich darueber freuen

    Uebrigens beschreibt der spiegel geradezu begeistert die schwedischen Nationen.
    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...381584,00.html
    Natuerlich nicht ohne auf angeblich gewaltige Unterschiede zu den "konservativ-altbackenen Burschenschaften" hinzuweisen.

    Meiner persoenlichen Erfahrung mit deutschen Verbindungen nach sind diese Unterschiede keinesfalls gewaltig.
    Auch die deutschen Verbindungen nennen sich aus gleichen historischen Gruenden mehrheitlich nach deutschen Gegenden oder Volksstaemmen, sie haben eine "erstaunliche Bandbreite an Aktivitaeten" (ich erinnere mich noch gerne an Segeln, Tontaubenschiessen, Theaterbesuche, Zelten etc.), sie haben oft einen gemeinsamen Mittagstisch, organisieren Parties, man kann bei ihnen wohnen und besonders die Aussage: "Man helfe sich gegenseitig und lebe fast wie in einer Familie" wuerde jeder deutsche Verbindungsstudent ebenfalls unterschreiben.
    Es ist einfach deshalb gut und cool, weil es im Ausland stattfindet. Gegen das was man vor der eigenen Haustuer hat, wettert man nach deutscher Tradition lieber.
    Gerade im osteuropaeischen Ausland ist das deutsche Verbindungsmodell nach dem Fall des Eisernen Vorhangs oft kopiert. So altbacken kann es also nicht sein, wenn junge Menschen die, in den ersten Jahren sicher nicht einfache, Aufbauarbeit leisten - ohne Alte Herren und deren ach so oft zitierten Einfluss und Seilschaften.
    Einer Idee wegen - Idealisten halt.
  3. #192

    Peinlich: Der Parteitag hat das beschlossen!!!

    Jetzt habe ich 19 Seiten Potpuri gelesen. Meine "Bartaufwickelmaschine Baujahr 1968" fand kein einziges neues Argument Pro vs. Contra. Aber sie meldet:
    Es gab noch nie einen solchen SPD-Parteitagsbeschluss. Das ist das eigentlich Bedenkliche!
    Herleitung, den Quellen folgend:

    Der Link zum Quelltext des JUSO-Antrags:
    http://www.jusos.de/servlet/PB/menu/1464711/index.html
    dort im 1,3MB-PDF-Download Seite 87 f.
    ist zu ergänzen um
    den zustimmenden Beschluss des Parteitags
    Antrag O 41
    Unterbezirk Göttingen - Bezirk Hannover
    Unvereinbarkeitsbeschluss Burschenschaften und SPD
    Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand die Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in der SPD mit der Mitgliedschaft in rechtsextremistischen studentischen Burschenschaft oder Corps zu erklären.
    Nachlesbar:
    http://www.spd-parteitag.de/servlet/...705/index.html

    Was fällt dazu auf:
    1. Ein JUSO-Unterbezirk stellt einen Antrag
    2. Ohne Filter gelangt der auf den Parteitag
    3. Der Antrag geht durch
    4. Der Parteivorstand soll beschließen

    Zur hier lfd. Diskussion fällt auf:
    5. Ungeklärt, was er beschlossen hat
    6. Auf 19 Seiten Diskussion im Forum hier keine SPD-Stellungnahme
    7. Herumdoktern an einer "unbekannten" Historie, oft oberflächlich, an der Sache vorbei gehend, nach dem Motto: "Unser Marx ...", aber auch durchaus zu- und aber auch wieder nicht zutreffend: "Viele Verbindungen wurden zu NS-Kameradschaften vs. Selbstauflösungen, um solche nicht zu werden"
    8. Vereins"an"macherei zwischen Koperationen nach dem Motto: "Wir nicht B!, sondern ABC!"
    9. Kritik an einem schlampert recherchierten Artikel, aber wenig Hinweise darauf, warum die Presse inkl. Spiegel ihren "Zerrspiegel" bzgl. der Koperationen auch im Jahr 55(?) nach Wiederzulassung der Koperationen in der BRD nicht korrigieren kann
    10. Extrem viel Unkenntnis über die Vielfalt dessen, was sich in den Koperationen an Positivem und Negativem tummelt, erschreckend wenig Kenntnisvermittlung über die gelebte interne Demokratie in den Koperationen usw.
    11. Politische und gesellschaftliche Werturteile zu Traditionen, die nur nach spezifischer Ausprägung in der jeweiligen Koperation beurteilt werden können
    12. Viele Bekenntnisse zu koperativen Verbindungen von Neuzugängen zum Forum
    13. Viel schlechtes und fehlerhaftes Deutsch!
  4. #193

    Zitat von matschbirne
    Bevor ich auf Ihr Posting genau eingehe habe ich erstmal einige Fragen:
    1.In welcher Landsmannschaft sind Sie?
    2.Warum sind Sie in solch einer Organisation?
    3.Sind Sie in den sog. ehem. dt. Ostgebieten geboren?
    4.Wissen Sie was Seilschaften sind? Diese gab es nicht nur in der DDR, sondern es gibt in der BRD mehr davon als mensch denkt.
    5.Sind Sie ein Anhänger des Revanchismus?
    6.Wenn in Ihrer Landsmannschaft Ansichten wie unter 5. geäussert werden, erheben Sie dann Ihre Stimme?
    1. Ich glaube, Sie verwechseln die akademischen Landsmannschaften mit den sog. Vertriebenenverbänden.
    2. Weil mir die Atmosphäre auf unserem Haus zugesagt hat und ich da viele Freunde gefunden habe.
    3. Nein, nur in den aktuellen deutschen Ostgebieten. Reicht das?
    4. Ach hören Sie doch auf! Bei Organisationen, die man nicht mag, nennt man es "Seilschaft" und verteufelt es. Ansonsten nennt man es "Networking" und findet es toll.
    5. Nein.
    6. Wenn derartige Ansichten ernsthaft und nicht im Scherze geäußert würden, dann würde ich dies im Rahmen eines Strafantrages auf unseren Convent bringen. Ist aber glücklicherweise in den fünf Jahren meiner Mitgliedschaft noch nie vorgekommen.
  5. #194

    Reinrassig SPD Müntefering

    Ich empfinde diese Disskussion generell als einen wunderbaren Sturm in einem trüben Glase voller Wasser. Wenn die SPD das so will und beschliessen sollte, ist dies Ihr gutes Recht. In einen Karnickelzüchterverein kommen auch nur Karnickelbesitzer.

    Da Herr Müntefering in alle Öffentlichkeit den Koalitionsvertrag als nicht "REINRASSIG" SPD Programm bezeichnete verstehe ich Aufregung jedoch nicht. Das ist doch das Wortgut welches die Faschisten schon benutzten. Da sollten doch nur noch Verbindungsstudenten aufgenommen werden.
    Ich stell mir grad vor Frau Dr.Merkel hätte dieses Wort im Munde geführt.

    Aber an dieser ruchlosen Stilosigkeit von Herrn Müntefering sieht mann wie schnell solche furchtbaren Vokabeln sich wieder in den normalen Sprachgebrauch schleichen.
    Einen schönen Samstag noch.
    ein nicht ganz reinrassiger Verbindungstyp der den Wehrdienst ledier nicht verweigern durfte, da ausgemustert. 4 Monate arbeit am Verweigerungsschreiben für nichts..

    (1/4 nicht SPD Terminologie gemäß rein um genau zu sein)
  6. #195

    Zitat von ToMo
    Es ist einfach deshalb gut und cool, weil es im Ausland stattfindet. Gegen das was man vor der eigenen Haustuer hat, wettert man nach deutscher Tradition lieber.
    Das ist wie mit den bösen "Seilschaften". Wenn es "Networking" genannt wird, dann ist es 'ne tolle Sache.
  7. #196

    Der SPD fehlr Toleranz!

    Als ich den Artikel über den Antrag der Jusos auf dem SPD-Parteitag las, musste ich mich sofort an eine Passage aus einem Buch über unsere Burschenschaft erinnern. Anfang der 1930er Jahre gab es unter den jungen Mitgliedern unseres Bundes heftige Diskussionen über die Vereinbarkeit der Mitgliedschaft in der SPD mit der Mitgliedschaft in einer Burschenschaft. Es gab sogar Forderungen nach dem Ausschluss solcher Bundesbrüder(darunter namhafte Sozialdemokraten). Hintergrund war die Überlegung, dass die SPD ja eine internationalistische Partei sei und daher kein Vaterland kenne. Da aber das Bekenntnis zum Vaterland von jedem einzelnen gefordert wurde, und heute auch noch wird, müsse eine SPD-Mitgliedschaft abgelehnt werden. Letztlich konnte man sich jedoch darauf einigen, dass die Freiheit im Denken am wichtigsten sei und somit auch eine Mitgliedschaft in der SPD möglich sein müsse. Durchaus ein Beweis für gelebte Demokratie und Toleranz. Davon sollte sich die SPD vielleicht mal eine Scheibe abschneiden!
  8. #197

    Wo ist die Toleranz?

    Als ich diesen Artikel las, musste ich mich sofort an eine Passage aus einem Buch über unsere Burschenschaft erinnern. Anfang der 1930er Jahre gab es unter den jungen Mitgliedern unseres Bundes heftige Diskussionen über die Vereinbarkeit der Mitgliedschaft in der SPD mit der Mitgliedschaft in einer Burschenschaft. Es gab sogar Forderungen nach dem Ausschluss solcher Bundesbrüder. Hintergrund war die Überlegung, dass die SPD ja eine internationalistische Partei sei und daher kein Vaterland kenne. Da aber das Bekenntnis zum Vaterland von jedem einzelnen gefordert wurde, und heute auch noch wird, müsse eine SPD-Mitgliedschaft abgelehnt werden. Letztlich konnte man sich jedoch darauf einigen, dass die Freiheit im Denken am wichtigsten sei und somit auch eine Mitgliedschaft in der SPD möglich sein müsse. Durchaus ein Beweis für gelebte Demokratie und Toleranz. Davon sollte sich die SPD vielleicht mal eine Scheibe abschneiden!
  9. #198

    Zitat von macjena
    Wenn die SPD das so will und beschliessen sollte, ist dies Ihr gutes Recht. In einen Karnickelzüchterverein kommen auch nur Karnickelbesitzer.
    Besagter Karnickelzüchterverein wirkt aber nicht derart entscheidend an der politischen und gesellschaftlichen Gestaltung unseres Landes mit wie die großen Volksparteien. Eine Partei ist nunmal nicht einfach nur ein Verein.

    Zitat von macjena
    Das ist doch das Wortgut welches die Faschisten schon benutzten. Da sollten doch nur noch Verbindungsstudenten aufgenommen werden.
    Ironie? Ich hoffe doch!
  10. #199

    Diese Diskussion in der SPD zeigt, wie schön mal wieder alles generalisiert und polemisiert wird. Man kann doch nicht alle über einen Kamm scheren!

    Natürlich gibt es die rechtextremen und frauenfeindlichen Burschenschaften und von diesen Abstand zu nehmen halte ich nicht nur für sinnvoll, sondern auch für unbedingt notwendig!
    Aber es ist doch wohl klar, dass nicht alle Studentenverbindungen so sind.

    Ich denke auch, dass man als Kriterium für eine "Akzeptanz" nicht voraussetzen sollte, dass die jeweilige Verbindung auch Frauen aufnimmt. Denn im Gegenzug zu Herrenverbindungen gibt es ja auch Damenverbindungen (wenn auc nicht so viele, aber immerhin). Wenn man als Frau also in eine Verbindung eintreten will, hat man durchaus die Möglichkeit dazu. Emanzipation hin oder her, ich sehe es nicht als Benachteiligung an, in einige Verbindungen nicht eintreten zu dürfen. Meiner Ansicht nach, hat das (in den meisten Fällen) nichts mit Benachteiligung zu tun. Gleichberechtigung bedeutet für mich nicht, dass Mann und Frau ALLES gemeinsam machen MÜSSEN, sondern das Verständnis dafür, dass sie es KÖNNEN (und zwar in Bezug auf Intelligenz, Fähigkeiten, etc).
    Das sollten die Damen und Herren der SPD vielleicht nochmal überdenken!


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