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Bürostress durch Langeweile?

Die einen rackern sich krumm, die anderen legen die Füße hoch. Und leiden ebenfalls. Zwei Buchautoren haben dafür ein Etikett gefunden: Boreout - Burnouts hässlicher Bruder. Wie beurteilen Sie den Stressfakor Langeweile im Büro?

Der Artikel zum Thema:
http://www.spiegel.de/unispiegel/job...515164,00.html
  1. #20

    Zitat von Alzheimer Beitrag anzeigen
    Die Zeiten, als ich nicht wußte, wie ich den Tag totschlagen sollte, sind fast 25 Jahre her. Damals konnte ich noch kündigen, zumal in naher Zukunft auch unangenehme Arbeit "drohte". Mittlerweile hat es mich voll erwischt, und die Momente, wo ich hier vorbei schauen kann, sind selten geworden. Wäre ich bloß Beamter geworden...;-)
    Hmm, die bisherigen Einträge entlarven Sie als jemanden, der sich einfach die falsche Firma gesucht hat ;-). Wenn Sie übrigens Beamter geworden wären, hätte sich das Leben in den letzten 25 Jahren auch ganz schön verändert. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Ich finde es jedenfalls recht wohltuend, dass sich mal jemand des Märchens der unfasslich unbarmherzigen freien Wirtschaft angenommen hat, denn ich habe lange genug selbst dort gearbeitet, um zu wissen, dass die Zeit für einen netten Plausch beim Käffchen immer noch reicht. Das gilt nicht immer, genauso wenig wie die grenzenlose Faulheit des Beamten immer (oder auch nur meistens) gälte.
  2. #21

    Ich bin beeindruckt, wie offen hier mit dem Tabu-Thema Bürolangeweile umgegangen wird.

    Der Fisch stinkt vom Kopfe her. Das Missmanagement in deutschen Unternehmen, das sich insbesondere in mangelnder Verantwortung für die Mitarbeiter manifestiert, ist haarsträubend.

    Auch ich habe mich schon geniert, am Monatsende meinen Gehaltszettel in Empfang zu nehmen.
  3. #22

    Plausch gegen Büro-Langeweile

    Zitat von Parzival v. d. Dräuen Beitrag anzeigen
    Im Beobachten von Langeweile habe ich jahrelange Erfahrung. Diese Langeweile entsteht häufig aus unmotivierten, verweichlichten und sich selbst überschätzenden Angestellten. Der klassische Witz über die blonde Sekretärin, die sich die Fingernägel lackiert, sechs Liter Kaffee für dreissig Anschläge braucht, kommen nicht aus dem Nichts. Auch der Witz über Büroschlaf und die legendäre Faulheit von Beamten, sind Lebenserfahrung und kein Klischee.

    Dabei gibt es soviel zu tun. Wenn aber eine Firma schlecht organisiert und strukturiert ist, dann ist es kein Wunder, dass sich die Mitarbeiter langweilen. Und wenn Angestellte fern jedem Burn-Outs sich als Lebensplanung das Abhocken von Monatsgehältern als Lebensdirektive verklären, dann muss dabei auch Langeweile entstehen.

    Wir alle wissen doch vom bürokratischen Wasserkopf und das Verwaltung auch Verwaltung erzeugt, die verwaltet werden will. Die Gegenmaßnahmen des Managements fallen unterschiedlich harsch aus. Unternehmen, die straff in allen Bereichen Effizienzeinbußen austilgen wollen, werden als Monstren wahrgenommen, (Staats)-Unternehmen die eher schleifen lassen, werden von Kunden und Auftragsfirmen als solche gefürchtet.

    Die meisten Anrufe tätigen Angestellte kurz vor Feierabend, die meisten Aufträge werden Donnerstag und Freitag besprochen, die typische Torschlusspanik der Büros bricht aus, wenn der Feierabend oder das Wochenende naht.

    Es ist also genug zu tun. Der überwiegende Teil der Menschen ist aller Freiheit zum Trotz auf Papi oder Mami angewiesen, die da eine Ansage machen müssen, damit die Langeweile der sich selbst Bespiegelnden nicht zu gross wird.
    Die gerechte Leistungsgesellschaft ist eine Illusion.
    Charakter und Verhaltensweisen von Menschen lassen sich eben nicht wie die Sorte beim Getränkeautomaten umschalten oder gar von einem „strengen“ Chef anerziehen.
    Auch die weniger Motivierten bzw. Versierten und alle Kombinationen dieser Merkmale wollen „leben“, sprich ihr Brot verdienen.
    In einer guten (großen) Firma gleichen sich die Unterschiede aus und alle sind zufrieden.

    Im Übrigen gibt es auch Zwischenmenschliches, das die Langeweile überbrückt, aber nichts mit produktiver Arbeit zu tun hat, jedoch für das Betriebsklima ungemein wichtig und nützlich ist:
    Der montägliche Vormittag mit der Diskussion der letzten Fußballresultate vom Lieblingsverein, die Besprechung zur Auffindung der nächst günstigsten Tankstelle/Autowerkstatt/Restaurant oder der Bericht vom neuesten Urlaubsrückkehrer, etc.


    Tom
  4. #23

    Ich bin echt froh diesen thread zu lesen, bin nämlich auch gerade vom Bore-Out betroffen. Und in der Tat ist das gar nicht so toll wie es sich zuerst anhört. Die ersten paar Wochen sind prima, aber dann kommen die ersten Zweifel am Sinn der Position, gefolgt irgendwann vom Zweifel an der Wertigkeit der eigenen Person. Gerade in Berufen die von vorn herein mit einer gewisse Autonomie und Flexibilität kommen, hat man auch die starke Verantwortung diese auch sinnvoll zu nutzen.

    Klar kann man das gedanklich wegrationalisieren - bilde ich mich eben weiter, schreibe ich eben den Gemeindebrief im Büro, ist halt Ausgleich für die stressige Zeit die bestimmt auch wieder kommt usw.

    Das Paradox ist nur dass je weniger man zu tun hat, je weniger man auch geschafft kriegt. Produktivität und Effizienz kommen eben nicht automatisch.
  5. #24

    Ja das mit der Langeweile im Büro kenn ich gut. Mache im Moment ein Pflichtpraktikum für mein Studium, und sitze da auch fast ausschließlich vor dem Rechner. Alleine in einem Büro. So, hier also regelmäßig wochenweise Langeweile angesagt. Was ich nur so fatal daran festgestellt habe, ist obwohl ich den ganzen Tag nicht tue, außer so zu tun als ob ich arbeite, bin ich abends total erledigt und hab auf nichts mehr lust. Genau das Gegenteil ist es wenn ich mal an einem Tag wirklich was zu tun habe und ordentlich was wegschaffe, dann bin ich abends wenn ich na Haus gehe richtig gut drauf.
    Vielleicht ergibt sich da ja in Zukunft ein neues Arbeitsfeld "Arbeitslenkung im Betrieb" damit niemand über- oder unterfordert ist.
  6. #25

    Es gibt auch bewußte Leistungszurückhaltung

    Wenn ein Unternehmen beim Sold geizt und glaubt dadurch sparen zu können, dann geizt ein kluger Arbeitnehmer mit Selbstachtung eben auch bei der Arbeitsleistung. So wird ein Ausgleich hergestellt und sichergestellt, daß man beim Rasieren wieder in den Spiegel schauen kann, ohne sich als Idiot zu fühlen, der sich widerspruchs- und wehrlos betrügen läßt.
  7. #26

    Organisierter Wahnsinn

    Ich arbeite seit Jahren in einer internationalen Behörde und habe erlebt wie ein nicht unbedeutender Prozentsatz der Mitarbeiter aus folgenden Gründen beschäftigungslos ist:

    - "special projects". Ein Mitarbeiter eckte an und bis bis zur Pension ohne Tätigkeiten eingestellt und nach Seniorität weiter befördert. Die Rente beträgt am Ende ca. 7.000 Netto. Das letzte Gehalt über 10.000 Euro.

    - Prestige: Viele Teamleiter wollen ein größeres Team um bedeutender zu sein. Brauchen also mehr Leute obwohl keine Arbeit da ist

    - Kultur: Man kommt im Job leichter voran wenn man weniger aneckt also weniger macht also die Standard-Arbeiten verwaltet. Innovation ist so schädlich für den Bürofrieden wie Koffein vor dem Zubettgehen.

    Interessant sind auch die Gründe, warum man solche Institutionen nicht freiwillig verlässt:
    - Gehalt ist mind. doppelt so hoch wie woanders. Jobsicherheit ebenfalls maximal hoch
    - Mit zunehmender Untätigkeit wächst die eigene Unsicherheit so dass man sich kaum noch zutraut, mit normalen Anforderungen in der Industrie zurechtzukommen
  8. #27

    cambio, change!!?

    Zitat von Naranja311 Beitrag anzeigen
    Ich arbeite seit Jahren in einer internationalen Behörde und habe erlebt wie ein nicht unbedeutender Prozentsatz der Mitarbeiter aus folgenden Gründen beschäftigungslos ist:

    - "special projects". Ein Mitarbeiter eckte an und bis bis zur Pension ohne Tätigkeiten eingestellt und nach Seniorität weiter befördert. Die Rente beträgt am Ende ca. 7.000 Netto. Das letzte Gehalt über 10.000 Euro.

    - Prestige: Viele Teamleiter wollen ein größeres Team um bedeutender zu sein. Brauchen also mehr Leute obwohl keine Arbeit da ist

    - Kultur: Man kommt im Job leichter voran wenn man weniger aneckt also weniger macht also die Standard-Arbeiten verwaltet. Innovation ist so schädlich für den Bürofrieden wie Koffein vor dem Zubettgehen.

    Interessant sind auch die Gründe, warum man solche Institutionen nicht freiwillig verlässt:
    - Gehalt ist mind. doppelt so hoch wie woanders. Jobsicherheit ebenfalls maximal hoch
    - Mit zunehmender Untätigkeit wächst die eigene Unsicherheit so dass man sich kaum noch zutraut, mit normalen Anforderungen in der Industrie zurechtzukommen
    -----------
    Viele interessante Beitraege zu diesem Thema hier, Borne-out
    ist mir erst durch die jetzige Wirtschaftskrise richtig
    bewust und ueberdeutlich geworden.
    Unterforderung "foerdert" die eigene Traegheit, die als
    Grundanlage in jedem mehr oder weniger schlummert.
    Tolle Anregungen zum Gesamtthema uebrigens im neueren
    Spiegel-Wissen 1/2011: Das ueberforderte Ich ;

    "Die Aufgabe eines Unternehmens ist es, dafuer zu sorgen,
    dass Mitarbeiter in ihrer Taetigkeit einen Sinn sehen."

    Goetz Werner, Drogerie-Unternehmer (s.o.)


    MfG
  9. #28

    Bürostress durch Langeweile?

    Zitat von Alzheimer Beitrag anzeigen
    Die Zeiten, als ich nicht wußte, wie ich den Tag totschlagen sollte, sind fast 25 Jahre her. Damals konnte ich noch kündigen, zumal in naher Zukunft auch unangenehme Arbeit "drohte". Mittlerweile hat es mich voll erwischt, und die Momente, wo ich hier vorbei schauen kann, sind selten geworden. Wäre ich bloß Beamter geworden...;-)
    Nach 40 Jahren im öffentlichen Dienst muß ich mal - zumindest in den hoheitliche Aufgaben erfüllenden Verwaltungen - die primitiven Beschimpfungen von Beamten als schlichte Lügen zurück weisen.
    Ja, seit 15 Jahren herrscht nun - mangels ordentlicher gesetzlicher Regulierungen durch die jeweiligen Bundesregierungen und idiotische Verwaltungsreformen Langeweile , weil den Top-Mitarbeitern völlig kranke, unfähige und schlecht ausgebildete "Hauptsachgebietsleiter"
    - auf Berlin bezogen - vor die Nase gesetzt wurden. Etliche dieser "Pfeifen" sind "gegangen worden".
    Ich bewundere immer noch die Außendienste - die unter erschwerten Bedingungen - ob nun Polizei , Zoll oder Finanzbehörden- den Laden ein bißchen am Laufen halten und die auch den lächerlichen Roland-Berger -Unternehmensberatern und dem albernen "Datenschützern" besser "Verbrecherschützer" Paroli bieten.
    Berlin ist unterdessen eine kriminelle Stadt mit wenig Normalbevölkerung und dazu zähle ich auch die Millionen Steuerhinterzieher - auch die - die bei ihrer Einkommensteuer tricksen. ich ziehe also den Hut von den eitgehend autonom agierenden Beamten und Angestellten.

    Langeweile kannte ich übrigens 40 Jahre nicht und Schlaftabletten gab es nur in der Apotheke. Da sieht man, wie verblödet in Berlin die Schulbildung in den letzten 40 Jahren war. Und wie strafbar sich der rote Senat macht, durch unterlassen. Naja, ein Hilfstischler will natürlich keine Klassefachleute haben, die wären doch dann tüchtiger als er.

    Übrigens , sowohl meine Tochter, die ich weitgehend allein großgezogen habe, ist mit Abitur und Studium ausgestattet
    und enorm tüchtig, als auch deren Sohn - mein toller Enkel -, den auch sie allein großgezogen hat , hat ein wunderbares Abitur und geht erst mal ein Jahr ins Ausland.
  10. #29

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die einen rackern sich krumm, die anderen legen die Füße hoch. Und leiden ebenfalls. Zwei Buchautoren haben dafür ein Etikett gefunden: Boreout - Burnouts hässlicher Bruder. Wie beurteilen Sie den Stressfakor Langeweile im Büro?

    Der Artikel zum Thema:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/job...515164,00.html
    Klar ist das so, wenn der Kopf nichts zu verarbeiten hat, dann ist das ein völlig unnatürlicher Zustand. Nichts umsonst zählt der erzwungene Aufenthalt in absolute Stille als Folter!


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