Bildung sollte eigentlich die gesellschaftliche Tauglichkeit, die sozialen Teilhabe ermöglichen. Aber nicht im Sinne einer permanenten Anpassung, an das, was andere fordern. Bildung heißt selbst denken, bewerten und urteilen, geistig frei entscheiden, nicht nur Trends folgen, sondern auch Maßstäbe setzen können. Der Bildungsweg eines Menschen soll in die Mündigkeit und nicht die in geistige Normierung führen. Ein Bildungssystem, das dieses Verständnis über Bord wirft, das den Autonomieanspruch des Individuums missachtet, das Bildunginhalte ausschließlich nach ihrem Wert für die wirtschaftliche Verwertbarkeit bemisst und ihnen keinen Eigenwert zugesteht, missbraucht das Recht auf Bildung.
Mir fällt immer wieder die Aussage eines PISA-Funktionärs ein, um Lesekompetent zu erwerben, brauche man keine Literatur, da würde es die Bedienungsanleitung des neuesten MP3-Players auch tun.
Das IQB fordert im Deutschunterricht dezidiert, Schüler in erster Linie „lebensweltliche Schreibaufträge“ zu erteilen und nicht, wie im herkömmlichen Fachunterricht, Berichte, Aufsätze, Erzählungen und Betrachtungen anfertigen zu lassen.
In Biologie sind die Vorworte der neuen Curricula in einigen Bundesländern entlarvend.
Energie, Energie, nochmal Energie, Gentechnik, Gesundheit, Sexualität, Kosmetik.
Botanik und Zoologie wurden auf ein Sogutwienichts reduziert.
Sie dienen höchstens -thematisch beliebig- zum „Kompetenzerwerb“: Gruppenarbeit, Versuchsplanung,
Präsentation etc.
Das ist dann nicht Lernen, das ist reines Anlernen. Bildung im Sinne von Ausbildung.