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Braucht der Bund mehr Kompetenz in der Bildungspolitik?

Der Föderalismus ist ein politischer Grundpfeiler Deutschlands. Aber wie sinnvoll ist er heute auf dem Feld der Bildung? Die Frage der schulischen Ausbildung sowie der Zukunft der Universitäten verlangt nach grundlegenden Maßnahmen, um Deutschlands internationale Stellung zu verbessern. Braucht hierzu der Bund mehr Kompetenz in bildungspolitischen Entscheidungen?
  1. #180

    Education statt Bildung?

    Zitat von melbo Beitrag anzeigen
    In anderen Worten: jemand, der diese Dinge fuer as A&O der Bildung haelt (vermutlich, weil er selbst genau auf diese Art gebildet ist), darf entscheiden, dass Hugo und Dostojewski Bildung sind - das Verstaendnis der Quantentheorie vielleicht aber eher weniger? Also alles, was nicht Goethe und Mann ist, wird dann zur "Kompetenz" abgewertet?
    Zunächst mal folgendes: Wer nur ein einziges Buch gelesen und verstanden hat, und zwar den Faust, der weiß, wie Herrschaft und gewollte Verwirrung nur über die Sprache bereits zementiert werden können. Mephistopheles wäre heute allerdings noch sehr viel vergnügter unter einer Moderne, die ihrer selbst schon lange überdrüssig geworden ist, als zu seiner Zeit.

    Natürlich weiß so ein highbrow und Arroganzling dann auch, daß er klüger ist als die ganze Dauerpropaganda in seinem Umfeld.

    Wir haben hier schon lange vorher mal erörtert, mit u.a. "hjm" als Vorreiter der Debatte, daß es selbstverständlich auch die mathematische und naturwissenschaftliche Bildung geben muß, sie ist genauso wichtig.

    Die Aussagenlogik des Aristoteles muß z.B. dringend wieder rehabilitiert werden. (Beherrschen der logischen Stringenz, des Discriminierens verschiedener Objekte der Betrachtung, Verallgemeinerung verschiedener dieser Objekte zu einem Oberbegriff, Relativierung im Sinne der Überprüfung von Relationen zwischen diesen Objekten, sicheres Discriminieren zwischen korrekten und inkorrekten Rückschlüssen aus zwei Prämissen, präzises Verständnis für die Bestimmung von Inklusionen und Exklusionen ...)

    Es gibt eine sogenannte Literatur"kompetenz" (auch literacy oder z.B. Medien"kompetenz"), es gibt auch Mathematik- oder Physik- und sonstige naturwissenschaftliche "Kompetenzen" - aber "Kompetenz" und Bildung sind vollständige Antagonisten, das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun.
  2. #181

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Föderalismus ist ein politischer Grundpfeiler Deutschlands. Aber wie sinnvoll ist er heute auf dem Feld der Bildung? Die Frage der schulischen Ausbildung sowie der Zukunft der Universitäten verlangt nach grundlegenden Maßnahmen, um Deutschlands internationale Stellung zu verbessern. Braucht hierzu der Bund mehr Kompetenz in bildungspolitischen Entscheidungen?
    Kompetenz bedeutet Pi*Daumen "Können", "Wissen", "Kundigkeit", "Fähigkeit", etc. Der Bund braucht solche Kompetenz so lange (noch) nicht, wie das GG ihm keine Kompetenzen i.S.v. "Zuständigkeit(en)" einräumt. Ob er freilich, künftige Kompetenzen unterstellt, dann die erforderliche Kompetenz bereitstellen könnte, bleibt nach den auf Landesebene in den letzten Jahr(zehnt)en gewonnenen Erfahrungen füglich zu bezweifeln. Denn solange in der Vorstellungswelt der modernen Pädagogik der Erwerb von Kompetenz im Sich-Mühe-geben den heiligen Vorrang vor dem tatsächlichen Erwerb von Sach- und Fachkenntnissen verdient, sind und bleiben in D Hopfen und Malz verloren -- unter wessen Verwaltungsdach auch immer solche Kompetenz verkauft wird.
  3. #182

    Zitat von IB_31 Beitrag anzeigen

    Die niedrigen Lohngruppen gibt’s nicht bei den Facharbeitern in der Industrie.
    (Schon gar nicht in der Exportindustrie)

    Sondern bei den Discountern,Reinigungskräften , Scheinselbständigen etc.
    Halloooo? Reality Check: Ausgebildete KFZ-Mechatroniker mit Familie gehen mit 1400 euro im Monat nach Hause. Eine Arzthelferin mit 10 Jahren Berufserfahrung kann sich überlegen, ob sie sich eine 2-Zimmer Wohnung ODER einen 8 Jahre alten VW-Golf leisten kann.
    Haben Sie mal gefragt, was Ihre freundliche Verwaltungsfachangestellte in der Gemeinde monatlich auf dem Konto hat? Oder was die Restaurantfachfrau trotz Wochenenddienst und Feiertagsschicht so am Ende des Monats mit nach Hause bringt?
    Oder ein angestellter Dachdecker, der auch bei 40 Grad in der prallen Sonne 13 Stunden am Stück auf den Dachsparren rumturnt, damit das Dach abends noch geschlossen werden kann?

    Auch diese Firmen - beilieibe nciht immer nur kleine KLitschen, sondern auch Firmen mit teilweise 50 Angestellen zahlen wenig, verlangen viel und möchten am leibsten gar keine Leute unter 18, weil die keinen Führerschein haben und unter das Jugendschutzgesetz fallen. Ausbilden will man sie schon gar nicht - zumindest nicht so richtig. Das kostet ja alles nur. Das schiebt man lieber den Berufsschulen zu. Da reifen die Kiddies zumindest altersmäßig so, dass man sie richtig verwursten kann.
  4. #183

    Zur Vielfalt der Bundesländer und der Konkurrenz untereinander

    Zitat von Carl Beitrag anzeigen
    Der Bund braucht solche Kompetenz so lange (noch) nicht, wie das GG ihm keine Kompetenzen i.S.v. "Zuständigkeit(en)" einräumt.
    Bislang herrscht im deutschen Bildungssystem immer noch diversity (Vielfalt), was merkwürdigerweise allerorten beklagt wird. Diversity ist immer die beste Grundlage für einen Markt der Konkurrenz, auf dem das Leistungsprinzip herrscht.

    Die Absicht der Bertelsmänner, EUrokratie und der OECD, gut unterstützt von linken Interessengruppen, ist es, nach dem Prinzip worst practice die Didaktiken und Schulformen der Bundesländer zu übernehmen, die bei der PISA-Studie am schlechtesten abgeschnitten haben, also z.B. NRW, Bremen oder Berlin.

    Neigte ich etwas zum Sarkasmus - was mir persönlich allerdings recht wesensfremd ist - so sagte ich, wenn jemand sich für "kompetent" laut erklärt, dann hat er ganz bestimmt vor, irgendein Projekt an die Wand zu fahren.
  5. #184

    Zitat von Carl Beitrag anzeigen
    Kompetenz bedeutet Pi*Daumen "Können", "Wissen", "Kundigkeit", "Fähigkeit", etc...
    Das war früher so. Im Wandel der Zeit änderte sich der Kompetenzbegriff von einem "Ich kann!" über ein "Ich könnte!" zum heutigen "Ich könnte! ... Wenn ich wollte!"

    Or from the point of The Protestant View...
  6. #185

    Bingo!

    Zitat von Neurovore Beitrag anzeigen
    Das war früher so. Im Wandel der Zeit änderte sich der Kompetenzbegriff von einem "Ich kann!" über ein "Ich könnte!" zum heutigen "Ich könnte! ... Wenn ich wollte!"

    Or from the point of The Protestant View...
    Jein. So isoliert, wie Sie es darstellen, tritt Kompetenz ja kaum noch auf in der ersten Person Singular.

    Ich kenne den Begriff eigentlich fast nur noch in Form der ubiquitären KompentenzTeams.
    Jeder Experte weiß doch heute, daß Schule von Anbeginn zum sozialen Lernen ermuntern sollte.
    Am besten, man beginnt gleich in den Krippen damit.
  7. #186

    Zitat von Peter-Freimann Beitrag anzeigen
    Es gibt eine sogenannte Literatur"kompetenz" (auch literacy oder z.B. Medien"kompetenz"), es gibt auch Mathematik- oder Physik- und sonstige naturwissenschaftliche "Kompetenzen" - aber "Kompetenz" und Bildung sind vollständige Antagonisten, das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun.
    Wobei man aber betonen sollte, dass das Wort „Kompetenz“ in diesem Zusammhang von einer bestimmten Gruppe von „Bildungsexperten“ mehr oder weniger gekapert wurde,was oft zu Missverständnissen führt.

    Von seiner ursprünglichen Bedeutung ist seit dem ohnehin nichts mehr übrig: „This is beyond my competence“, sagte der US-Solat am Checkpoint Charlie, als Peter Fechter hinter der Mauer verblutete, und genau diese Bedeutung hatte auch einmal das gleichlautende deutsche Wort.

    Aber auch der Begriff der „Kompetenz“, wie er im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch vorkommt, und wie er in so wunderschönen Sätzen vorkommt wie „Kompetenzen sind wichtiger als Detailwissen.“ oder „Schülerinnen und Schüler brauchen Kompetenzen, um komplexe Situationen im Berufsleben zu bewältigen.“, hat mit dem, was die Lehrpläne und die Bücher der Studienseminare darunter verstehen, nicht allzu viel zu tun.

    „Die Schülerinnen und Schüler nennen die Dauer des dreißigjährigen Krieges“ ist in deren Sinne eine „Kompetenz“. Das berüchtigte „unnötige Faktenwissen“ steht also keineswegs im Gegensatz zu „Kompetenz“. Liest man die aktuellen Curricula, gewinnt man eher den Eindruck, diesem würde ein viel höherer Stellenwert eingeräumt. Wobei aber um jedes einzelne Faktum ein derart großer Bohai gemacht wird (siehe oben, statt einfach „Dreißigjähriger Krieg“ in einer Liste von zu behandelnden Lehrinhalten), dass nur noch für ziemlich wenige dieser Fakten Platz ist. Und die „Kompetenzen“, die man tatsächlich zur Bewältigungen von komplexen Problemen braucht, werden auf die gleiche Weise atomisiert. Mit dem Erfolg, dass am Montag die Schülerinnen und Schüler die Dauer des dreißigjährigen Krieges nenen und am Dienstag ganze Zahlen addieren, aber am Mittwoch nicht in der Lage sind, zu sagen, wann der dreißigjährige Krieg zu Ende ging, wenn im Buch steht, dass er 1618 anfing.

    (Zur Klarstellung: Die meisten unserer Schüler können das. Aber sie können das, weil sie die Lehrinhalte verstanden haben und sie daher sinnvoll miteinander verknüpfen können. Zwei Dinge, die im Kompetenz-Konzept gar nicht vorkommen.)
  8. #187

    Zitat von Neurovore Beitrag anzeigen
    (...) Or from the point of The Protestant View...
    *ROFL* ... Allein schon der durch das Fenster zu beobachtende nicht enden wollende Exodus im Hintergrund ...
  9. #188

    Zitat von Peter-Freimann Beitrag anzeigen
    Jein. So isoliert, wie Sie es darstellen, tritt Kompetenz ja kaum noch auf in der ersten Person Singular.

    Ich kenne den Begriff eigentlich fast nur noch in Form der ubiquitären KompentenzTeams.
    Jeder Experte weiß doch heute, daß Schule von Anbeginn zum sozialen Lernen ermuntern sollte.
    Am besten, man beginnt gleich in den Krippen damit.
    Gut, einverstanden, aber bitte erst nach der vorrangigen, weitestmöglich haptisch auszugestaltenden Sexualidentitätsgewinnungsschulung! (Von Berlin lernen heißt Orientierung lernen.)
  10. #189

    Bange Fragen

    Zitat von Neurovore Beitrag anzeigen
    Das war früher so. Im Wandel der Zeit änderte sich der Kompetenzbegriff von einem "Ich kann!" über ein "Ich könnte!" zum heutigen "Ich könnte! ... Wenn ich wollte!"

    Or from the point of The Protestant View...

    Und irgendwann begegnet der ehemalige Schüler (m/w) der brutalen Realität und und muss sich wie weiland Wallenstein die Frage mit JA beantworten:

    "Wär’s möglich? Könnt’ ich nicht mehr, wie ich wollte?"
    Wallenstein, Zweiter Teil: Wallensteins Tod, Erster Aufzug, Vierter Auftritt


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