Forum: Uni + Bildung
Braucht der Bund mehr Kompetenz in der Bildungspolitik?
Der Föderalismus ist ein politischer Grundpfeiler Deutschlands. Aber wie sinnvoll ist er heute auf dem Feld der Bildung? Die Frage der schulischen Ausbildung sowie der Zukunft der Universitäten verlangt nach grundlegenden Maßnahmen, um Deutschlands internationale Stellung zu verbessern. Braucht hierzu der Bund mehr Kompetenz in bildungspolitischen Entscheidungen?
- #170 30.11.2011 21:33 von
Wirklich? Jemand, der in der Industrie ein neues Flugzeug entwirft oder einen HIV-Impfstoff entwickelt, ist entmenschlicht und ungebildet?
Auf englisch sagt man uebrigens eher "competencies" (nicht competences)...
In anderen Worten: jemand, der diese Dinge fuer as A&O der Bildung haelt (vermutlich, weil er selbst genau auf diese Art gebildet ist), darf entscheiden, dass Hugo und Dostojewski Bildung sind - das Verstaendnis der Quantentheorie vielleicht aber eher weniger? Also alles, was nicht Goethe und Mann ist, wird dann zur "Kompetenz" abgewertet?
Ich wuerde mich nicht als ausgewandert bezeichnen; ich lebe zur Zeit in England. Die Diskussion hier koennte ausserdem genausogut in England stattfinden - die Thematik ist doch immer dieselbe. Denn wenn Sie nun festgelegt haben, was Bildung bedeutet, dann wird das vermutlich nicht Deutschland-spezifisch sein, oder? Ich denke, auch die englischen Schueler haben ein Interesse an Bildung. - #171 30.11.2011 21:48 von
Mmh - ich verstehe, worauf Sie hinauswollen, aber ist das nicht ein bisschen uebertrieben? Brave New World?
Ausser das Extrembeispiel "Flissband" fallen mir wenige Berufe ein, fuer die man keinerlei Reflexion benoetigt und als "Arbeitssklave" gehalten wird. Und mir faellt auch keine Faecherkombination an der Schule ein, bei der einem jegliche Faehigkeit zur Reflexion abhande kommen wuerde.
Zudem: haengt das wirklich so sehr ausschliesslich vom angebotenen Faecherkanon ab? Ich habe auf meinen weiten Reisen in Gebieten der Welt, in denen Bildung jenseits der Grundschulbildung Luxus ist, viele, viele Leute getroffen, die ueberhaupt nie zur Schule gegangen sind - und die sogar in Berufen arbeiteten, die Sie vielleicht als "Arbeitssklaven" bezeichnen wuerden - die aber trotzdem durchaus eine erstaunliche Faehigkeit zur Reflexion besassen und einige der interessantesten Gespraechspartner stellten, die ich jemals hatte (mit weitaus originelleren Gedanken, als die alten Leiern, die man hier oft im Forum liest!). Jemand muss nicht Hugo und Goethe lesen, um diese Faehigkeit zu erlangen - und muss auch nicht Religion und Geschichte belegt haben. Das ist so ein Mythos, der hauptsaechlich unter den Leuten verbreitet zu sein scheint, die meinen, die Faehigkeit zur Reflexion in staerkerem Masse als andere Leute zu besitzen, und die meinen, sie durch diese Art von Bildung erlangt zu haben. - #172 30.11.2011 22:52 von
Natürlich, was denn sonst. Unternehen, die nicht aus Eigennutz handeln habe nicht lange bestand.
Keine Ahnung woher Sie ihre Erfahrungen haben. Wir übernehmen alle Lehrlinge, die ihre Ausbildung gut genug abschließen. Und gegen Abiturienten entscheiden wir uns, weil die in der Regel weniger erfolgreich abschließen.
Ach wo. Viele Unternehmen haben eine ziemliche geringe Fluktuation. Meine Zielvorgabe ist 4.5%, real habe ich 3,8%.
Also von uns aus gerne. Wir stellen eine hohe Korrelation zwischen Abgangszeugnis von der Schule und beruflichem Erfolg fest.
Das stimmt allerdings. - #173 01.12.2011 08:07 von
Sie machen immer wieder den Fehler, zu glauben, dass das, was hierzulande neuerdings unter dem buzzword „anwendungsbezogene Kompetenzen“ in der Schule vermittelt werden soll, irgendetwas mit „Verständnis der Quantentheorie“ zu tun hat. Das hat es genauso wenig wie mit Dostojewski oder Goethe. Eher sogar noch weniger. Die sogenannte „kompetenzorientierte“ mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung orientiert sich am Angestellten eines „modernen Dienstleistungsunternehmens“ wie etwa einer Bank oder der PR-Abteilung eines Energieversorgers, wo der Sachbearbeiter flüssig mit einem Tabellenkalkulationsprogramm umgehen können muss, ohne unbedingt verstehen zu müssen, wie sowas eigentlich funktioniert.
- #174 01.12.2011 10:38 von
- #175 01.12.2011 11:02 von
- #176 01.12.2011 11:16 von
Dann habe ich Sei ja wenigstens teilweise erreicht. Ja natürlich ist das übertrieben, aber es verdeutlicht m.E.die unterschiedlichen Vorstellungen von Bildung je nach Interessengruppe. Ich sehe auch keinen Sinn darin, über Einzelheiten a la "Opa, du hast gesagt, der Himmel ist blau, dahinten ganz weit weg, sehe ich aber etwas Weißes." zu streiten.
Ich sehe unterschiedliche Schwerpunktsetzungen und besonders im entsprechenden Beitrag von Astir eine zu industrieaffine Vorstellung von Bildung.
Ich hätte gern als Bildungsergebnis das "Zoon politikon"- und dahin kommt man eher, wenn man Fächer wie Kunst, Sport, Politik, Sozialwissenschaften, Geschichte [b]nicht[/] schleift bzw. sie zum freiwilligen Lernstoff macht und die anderen zu kurz wie möglich unterrichtet. - #177 01.12.2011 11:51 von
Berichtigung und Ergänzung: Ich mache gern einen Unterschied zwischen Ausbildung und Bildung, wobei ich den letzteren Begriff als umfassender und den ersten einschließend betrachte. Über das, was Bildung ist und wodurch sie erreicht wird, kann man sich streiten- jedenfalls ist sie (auch) Aufgabe der Schule.
- #178 01.12.2011 11:56 von
Ist in Hamburg mit Sicherheit nicht der Fall.
Dort entwickelt es sich in Richtung Vollbeschäftigung.
Ein von Ihnen beschriebenes Szenario wäre von daher absurd.
Totaler Oberblödsinn !Weil diese facharbeiter bekommen in GB höhere Löhne für Aushilfsjob als hier in D für eine qualifizierte Beschäftigung. Wohlgemerkt Netto und nicht Brutto.
Sie verwechseln da was.
Die niedrigen Lohngruppen gibt’s nicht bei den Facharbeitern in der Industrie.
(Schon gar nicht in der Exportindustrie)
Sondern bei den Discountern,Reinigungskräften , Scheinselbständigen etc.
Ist mangelndes Differenzierungsvermögen mittlerweile eigentlich
Voraussetzung für die Eignung zum Lehrerberuf ?
Und weil die Ausländer nicht in Heerscharen hereinbrechen, deshalb besinnt man(n) sich allen Orten der frauen als letzte Arbeitsmarktreseve?
Nö, die wollen von alleine arbeiten.
Möchten aber gerne Familie und Job unter einen Hut bringen
(In anderen Ländern um uns herum längst üblich) - #179 01.12.2011 16:52 von
Facharbeiter
Facharbeiter, Arbeiter mit bestandener facharbeiterprüfung im gegensatz zum ungelernten/angelernten Arbeiter. Das sind dann durchaus Maurer oder Industriemechatroniker. Das die üppige Gehälter haben, vor allem die jenigen, die zugewandert sind, das schließen wir doch erst einmal aus.
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